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Heimaturlaub
Texas im Dezember
Christmastree Lightning Ceremony
Genau eine Woche nach Thanksgiving findet in Sugar Land (das ist die "süße" Stadt südlich von Houston in der wir leben) die "Christmastree Lightning Ceremony) statt. Ab 16 Uhr auf dem "Town Square", wie sich der Platz vor dem Rathaus nennt. Naja, kann ja vielleicht nett sein, dachte ich mir und nahm mit meinen beiden Töchter und meinem Schwiegervater teil.
Und ob es nett war! Wow, die Amerikaner verstehen es wirklich zu feiern! Ein gigantischer Baum stand in der Mitte des Platzes: bunt geschmückt, umgeben von Rentieren, Geschenken und einem Weihnachtsmann aus Kunststoff. Der Platz war voller Menschen und mittendrin liefen ein "Lebkuchenmann" und eine "Lebkuchenfrau" und ein "Schneemann" mit denen man sich oder die Kinder oder alle zusammen fotografieren lassen konnte.
Die breiten Treppenstufen zum Rathaus wurden - wie auch schon im Sommer bei diversen Veranstaltungen - als Bühne genutzt. Dort moderierten die Ms. Sugar Land und die Mrs. Sugar Land die Veranstaltung. Immer wieder kündigten sie an dass der Weihnachtsmann (Santa) auf dem Weg hierher sei. Dann sangen verschiedene Chöre aus diversen Schulen und Kirchen. Das klingt jetzt sicher nach "gähn"-langweilig aber das war es ganz und gar nicht. Es kam richtig Schwung auf und Stimmung. Die Hintergrundmusik wurde meistens eingespielt und die Sänger sangen laut und schön. Und damit auch jeder etwas davon hat, waren neben der Bühne rechts und links zwei große Videoübertragungen angebracht. Das Rathaus selbst wurde mit wechselnden Farben und Motiven (z.B. Schneeflocken) angestrahlt.
Warm war es obendrein. Leider zog sich die Veranstaltung aber bis 20 Uhr hin und Lilith musste noch rechtzeitig Abendessen und ins Bett, darum blieb uns nichts anderes übrig als nach Hause zu fahren bevor der Baum beleuchtet wurde. Vielleicht schaffen wir es im nächsten Jahr bis zum Schluss?
Immerhin sind die Gärten in der Nachbarschaft nun reich geschmückt und toll beleuchtet. Wir hatten uns ein Rentier für den Vorgarten zugelegt, dem wir eine rote Clownsnase aufgesetzt haben. Dazu unseren guten deutschen Holz-Schlitten und ein Schild auf dem "Welcome to the Northpool" stand. Dazu einige Lichterketten - im Vergleich zu den anderen Gärten eher spärlich aber dafür hatten wir uns ja schon zu Halloween verausgabt.
Chor einer Baptisten-Kirche in Sugar Land
Girl-Scouts
Queens Parade
Weiter südöstlich von Houston befindet sich die Stadt "Galveston", so wir im Sommer herrliche Tage am Strand erlebt hatten. Nun lockte der Ort mit einer "Charles Dickens" Veranstaltung, die schon seit Jahrzehnten Tradition ist. An diesem Samstag sollte die alljährliche "Queens Parade" stattfinden und da wollten wir auf keinen Fall fehlen. Paraden sind hier ein Riesenspaß - sorry aber dagegen können die Karnevalisten einpacken.
Die ganze Stadt ist zur Zeit von Charles Dickens gebaut worden und viele der Gebäude sind hervorragend erhalten (trotz der Hurricans, was ich erstaunlich finde) und das ganze Zentrum sah aus wie aus einem Buch. Auf den Straßen liefen überall Menschen aller Altersgruppen in historischen Kleidern umher. Sogar Babys hatten entsprechende Kleidung und Kinderwagen.
Ein sehr nettes Paar auf altmodischen Rädern sah mich fotografieren und sprach mich an. Als er erfuhr dass wir aus Deutschland kommen (meistens wird an dieser Stelle sofort ein Ur-ur-ur-Großvater ausgegraben der auch aus Deutschland kam) musste mein Schwiegervater unbedingt mit Zylinder auf dem alten Rad Platz nehmen und die Kinder nacheinander auch.
Dann ging die Parade los und wir fanden einen guten, sonnigen Platz. Trotzdem fing es plötzlich an zu schneien!? ... Schaum wurde anstelel von Schnee auf die Parade geblasen!
An uns zog die halbe amerikanische Geschichte vorbei - inklusive Piraten, Südstaaten Kavalerie, Feuerwehr und natürlich: der Königin mitsamt ihrer Entourage. Die Höhepunkte waren für Lilith, als jemand aus der Parade zu ihr kam und einen formvollendeten Kratzfuß in einigem Abstand machte. Lilith hatte auch ein Kotüm an und hat geistesgegenwärtig einen eleganten Knicks gemacht. Darauf kam er näher und gab ihr einen Handkuss und es hätte nicht viel gefehlt dass sie vor Begeisterung in Ohnmacht gefallen wäre.
Dann waren die Süßigkeiten die uns zugeworfen wurde natürlich auch der Hit bei den Kindern. Und jemand warf sogar "Mardi Gras" Ketten (lange Ketten mit Plastikperlen) von denen Lilith eine ergatterte. Solchermaßen war Lilith ohnehin schon in einem Glückstrausch und dann kam das, wovon sie vermutlich noch ihren Enkeln erzählen wird:
Als die Kutsche der Königin vorbe fuhr, löste sich einer ihrer Pagen von der Kutsche und lief zu Lilith und überreichte ihr eine Rose! Den Rest des Tages war das Thema nun vorgegeben!
Wetter und Vegetation
An manchen Tagen haben wir noch um die 20°C aber oft wird es - besonders nachts - recht kühl und sogar mit Frost muss man manchmal rechnen.
Im Garten sind jetzt die Orangen und Zitronen reif und ich denke, so frische Zitrusfrüchte hat von uns bisher noch niemand gegessen.
Sing along
Der letzte Schultag vor den Ferien (gottseidank denn es gab ja keine Herbstferien und wir sind alle erholungsbedürftig) wird mit einem "sing along" in der Schul-Cafeteria begangen: Sämtliche Schüler der Schule saßen dicht bei einander auf dem Boden und auf einer Leinwand wurden Liedertexte mit lustigen Weihnachtsbildern angezeigt. Die Musik wurde laut eingespielt und alle Kinder und Lehrer haben aus vollem Hals gesungen. Es kam so eine unglaubliche Freude und Stimmung auf, das lässt sich gar nicht beschreiben. Einige Kinder haben dazu auch etwas aufgeführt (z.B. bei Rudolf das Rentier haben einige Kinder mit Geweih und roter Nase vorn getanzt). Besonders süß war das Lied "all I wish for Christmas are my two front teeth": Alle Kinder die gerade keine Vorderzähne hatten durften auf die Bühne kommen. Im Lied kommen dann auch Stellen vor, wo diese Kinder versuchen sollen zu pfeiffen. Lilith war natürlich mit ihrer riesen Zahnlücke auch dabei. Robin hat auch fleißig mitgesungen und sogar bei einem Lied das "Mitklatschen" initiiert (typisch deutsch!).
Weihnachten
Wir haben mit einer Mischung aus deutscher und amerikanischer Tradition gefeiert. Am 24.12. haben wir eine leckere Gans gemacht aber es gab keine Geschenke. Die lagen dann am 25.12. morgens zusammen mit einer Nachricht vom Weihnachtsmann unter dem Baum.
Das gute an der Bescherung am Morgen ist, dass man noch den ganzen Tag Zeit hat damit zu spielen und auch das "Auf- und Zusammenbauen" von Spielsachen kann mit viel mehr Ruhe passieren.
Der Dezember war bisher der spannendste Monat hier!

Rudolph, noch ohne rote Nase.
Queens-Parade in Galveston
Auf dem historischen Fahrrad
Der Handkuss
Die Rose
Mit Trommelwirbel
Zum Heulen süß!
Gebäude
Das "Rote Kreuz"
Die haben aus voller Kehle gesungen!
Tatütata, die Feuerwehr - einen der Jungs hätte ich gern mit meiner Ältesten verheiratet - aber die wollte nicht :-(
Liliths königliche Rosenkavalier-Garde!
Orangen und Zitronen - Ernte aus dem eigenen Garten!
