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Texas: Oktober
Dieses Mal möchte ich nicht von der Schule berichten sondern von unseren zwei Highlights des Monats:
1. Eine texanische Hochzeit auf einer Ranch
2. Halloween
Texanische Hochzeit
Die Einladung kam schon vor den Sommerferien. Ein Kollege von Michi heiratet - nach filmreifen Irrungen und Wirrungen - seine Angebetete, die von Beruf Tänzerin ist und eine eigene Tanzschule besitzt. Kennen gelernt haben sich die beiden schon vor 10 Jahren in einer Schwitzhütte.
Die gesamte Liebesgeschichte wurde im Rahmen einer Serie über "Menschen aus Houston" im Houston Chronicle abgedruckt und der kopierte Artikel schmückte die Bekanntmachung.
Im Detail konnte man dann alles im Internet auf ihrer Hochzeitszeite nachlesen - bis hierhin ist noch alles halbwegs normal.
Als der Termin näher rückte, kam dann noch mal eine "richtige Einladung" mit edlem Logo und Druck etc., dazu eine Wegbeschreibung. Die Hochzeit sollte auf einer Ranch, nördlich von Houston stattfinden und es wurde gebeten, sich leger zu kleiden weil es eben eine Ranch sei und dort bekanntlich das Terrain etwas uneben ist.
Trotzdem stand ich am Tag vor der Feier ratlos vor meinem Kleiderschrank. Was ist zu viel, was zu wenig, was werden wohl die anderen tragen, ... ich entschied mich schließlich für ein schlichtes, blaues Kleid, nahm aber noch ein Paar Cowboystiefel, Jeans und Shirt mit. Gleiches Prozedere für den Rest der Familie: etwas festliches und etwas für's Ranch-Feeling.
Der Weg zur Ranch dauerte gut 1,5 Stunden und die letzte halbe Stunde hatten wir das Gefühl, Texas bereits verlassen zu haben. Ein endloser Sandweg führte uns mehr und mehr in die Wallapampa und nur die gelegentlich aufgestellten Schilder mit dem Logo des Hochzeitspaares ließen uns weiter daran glauben dass wir uns mitsamt unserer Staubwolke noch immer auf dem richtigen Weg befanden. "Wir müssen vor der Dunkelheit zurück fahren, sonst finden wir nie nach Hause!" meinte ich.
Schließlich kamen wir aber doch am Ziel an und waren total begeistert. Ein weißes Holzhaus mit rundum Veranda, umgeben von endlosem Gelände mit alten Bäumen.
Unter einem großen, alten Oaktree waren die weißen Stühle für die Hochzeitsgäste aufgebaut - wie im Film. Hier unter dem alten Baum wurde die Trauung durchgeführt.
Und weil so viele Künstler anwesend waren, gab es auch besondere Einlagen: Ein Jüngling mit Locken hatte ein Lied komponiert und tapfer mit Gitarre vorgetragen, jemand anders hatte ein Gedicht erschaffen, ein Familienmitglied fühlte sich berufen aus der Bibel zu zitieren und das Brautpaar trug jeweils endlose Treueschwüre vor, die auch an einigen Stellen lautes Lachen hervor riefen, z.B. als die Braut sagte: " ... I promise to love you ... and to like you ..." OK, gut dass das geklärt ist!
Am Ende fiel der Braut noch ein dass es bei ihr irgendwo jüdische Vorfahren gibt und darum wurde das Glas zertreten (je mehr Scherben desto mehr Glück für das Paar) und laut Masseltov gerufen - danach der befreiende Kuss und schon ging es direkt und ohne Umwege zum Buffet.
Der Rest des Nachmittags war überaus entspannt. Diverse Leute zückten ihre Gitarre, es wurde gerockt und gegessen, die Kinder kletterten auf den Bäumen herum, schaukelten oder fingen Crickets (Grashüpfer) ein oder ließen Drachen steigen. Das Wetter war perfekt und die Stimmung fröhlich entspannt.
Definitiv keine traditionelle Hochzeit wie man sie aus dem Fernsehen kennt und es gab auch einige Gäste die darüber die Nase gerümpft haben. Ich fand es aber prima und meine, dass jeders Brautpaar seinen schönsten Tag im Leben so feiern soll, wie es ihm gefällt. Wir hatten einen tollen Tag und ich habe viele großartige Fotos geschossen!
Übrigens: Geschenke mussten wir nicht mitbringen. Man konnte einfach auf der Webseite auswählen an welchem Geschenk man sich zu welchem Betrag beteiligen möchte und dann wurde die Nummer der Kreditkarte hinterlegt und das war's. Wir haben den beiden einen Flug nach Paris mitfinanziert - Flitterwochen für das Brautpaar.
Halloween
Hier war ich nun an der Quelle der Gruseligkeiten und erwartete noch so manche Lehrstunde - und wurde etwas enttäuscht.
Es fing an mit einer Halloween-Party für die Mitarbeiter und Familien im Büro meines Mannes. Die Kollegen wurden von der PR-Abteilung in einem Rundschreiben gebeten, sich nicht zu gruselig oder freizügig zu kleiden - es sollten ja auch Kinder anwesend sein. Tatsächlich waren dann nur wenige verkleidet und das Gruseligste waren ein "Michael Jackson" und ein Kollege in bayrischen Lederhosen.
Immerhin waren das Buffet, die Deko und die Hintergrundmusik klasse und mit den Kindern wurden ein paar lustige Spiele veranstaltet.
Die Kids hatten alle ein einfallsloses Kostüm aus dem Supermarktregal an, ziemlich langweilig. Außerdem wurde ein Kürbis-Wettbewerb veranstaltet. Naja, was soll ich sagen: Den Preis für das gruseligste Kostüm bekam Lilith (Vampir) und den Preis für den besten Kürbis ich. Das stimmt schon irgendwie nachdenklich, wenn die Deutschen die Halloween-Preise abräumen, oder?
Die Halloween-Deko in unserer Nachbarschaft ließ auch
zu wünschen übrig. OK, hier wohnen viele Asiaten die
damit wenig anfangen können aber auch bei den amerikanischen
Häusern hielt sich das Gruseln sehr in Grenzen. Auch an der Schule wurde nichts zu Halloween
veranstaltet. Ich habe nachgefragt: Zu haydnisch!
Ach ja,
richtig, ich hatte ganz vergessen das Texas voller aufrechter
Chisten vom Schlag Georg W. B. ist ...
Als wir abends mit Freunden aus der Nachbarschaft und deren Kindern losgingen, waren wir mit vier Kindern unterwegs. Und dann kamen immer mehr Kinder hinzu, die sich uns anschlossen. Es war wie bei "Emil und die Detektive". Nach einiger Zeit hatten wir 18 Kinder im Schlepptau, größtenteils mit Eltern.
"Trick or Treat" - mehr muss man hier nicht sagen. In den Parallelstraßen hatte man offenbar etwas mehr Sinn für Halloween und zwei Damen bereiteten uns einen sehr gruseligen Empfang (siehe Foto) und hatten dabei einen riesen Spaß!
Einige Leute hatten auch ihre Hunde verkleidet, ein Pudel lief in Postboten-Uniform umher und ein anderer Pudel im rosa Cheerleader Kostüm.
Am Ende hatten die Kinder so viele Süßigkeiten, dass sie wohl ein Jahr damit auskommen werden. Es hat Spaß gemacht und die Kinder fanden es toll. Schade dass am nächsten Tag Schule war, sonst hätte man noch eine Party machen können.
Die Ranch ...
... die Brautjungfern
... und der finale Kuss des Paares.
Robin auf dem Baum.
Überall Cowboystiefel und
... hüte!
Musik:
Spontan und Live!
Der Brautstrauß
Lilith als Vampir
Die beiden gruseligen Damen!
