Texas im März
Spring Break
Endlich mal Frühjahrsferien und eine Pause von der Schule! Wir wollten außerdem unbedingt ein bisschen mehr von Texas sehen und hatten darum eine kleine Rundreise geplant:
Nach Norden in Richtung Dallas und dort im Nachbarort Fort Worth zwei Mal übernachten und von dort aus Richtung Süd-Westen über Austin nach San Antonio und dann wieder zurück nach Houston.
Fort Worth
Im 4. Schuljahr wird in "Social Studies" die Geschichte von Texas gelehrt. Es würde zu weit führen, diese hier detailliert aufzuführen aber kurz und knapp:
Früher gehörte das Gebiet zu Mexiko. Zugezogene angloamerikanische Siedler fühlten sich von der Spanisch-Mexikanischen Regierung benachteiligt. Nach einigem Streit und Hin und Her kam es zum Aufstand, der schließlich von den Angloamerikanern gewonnen wurde. Dannach war Texas ein unabhängiger Staat mit mexikanischem Dauerkonflikt an den Grenzen. Es musste drei Mal die Aufnahme in die Vereinigten Staaten beantragen bis dem schließlich zugestimmt wurden.
Nebenbei wurden Indianer bekämpft und vertrieben, Sklaverei
betrieben und dann später kamen die Cowboys mit ihrem Cattle
Drive (Viehtrieb nach Norden) und noch später das Öl. Der zweite
Weltkrieg war ein riesiger wirtschaftlicher Schub für den Staat.
In Texas flossen bei seiner Gründung sowohl
mexikanisch/spanische Gesetze als auch angloamerikanische
Gesetze ein, darum ist hier bis heute noch manches anders
geregelt als im Rest der USA.
Was hat das mit Fort Worth zu tun? Nunja, dorthin führte der Cattle Drive denn da gab es eine Bahnstation wo die Rindviecher verladen werden konnten. Und bis heute werden dort täglich Longhorn-Rinder durchgetrieben, wurde mir erzählt. Also wollte ich das sehen.
Fort Worth liegt direkt an Dallas und weil ich eine Abfahrt verpasst hatte, mussten wir einen kleinen Umweg über eben diese Stadt in Kauf nehmen. Und da war sie plötzlich: Die Skyline, die meine Generation aus unzähligen "Dallas"-Folgen kennt. Ein sehr seltsames Gefühl, etwas aus dem Fernsehen so Bekanntes plötzlich real zu sehen - selbst wenn man kein Fan der Sendung ist.
In Fort Worth sind wir dann erst einmal zum
Log
Cabin Village gegangen, wo man die alten Holzgebäude der
Siedler sehen und deren Leben erklärt bekommen konnte. Hier
haben wir unter anderem erfahren, wie man - fernab der
Zivilisation - Kerzen herstellt und dass es wichtig war, diese
luftdicht in einem Holzkästchen zu verschließen und einzugraben,
um 1. zu verhindern dass sie bei der Hitze schmelzen und um 2.
zu vermeiden, dass sich wilde Tiere daraus ein Festmahl
bereiten.
Am Besten hat den Kindern das Schulgebäude mit der
Glocke gefallen. Spannend waren auch die Regeln für Lehrerinnen:
Sie mussten einen Apfel auf dem Tisch liegen haben,
grundanständig und unverheiratet sein, von morgens bis abends an
der Ausbildung der Kinder arbeiten und alles sauber und
ordentlich halten und durften am Abend oder sonntags allenfalls
ein wenig in der Bibel lesen aber sonst nicht am
gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Gruselig!
Tagsdrauf waren wir dann beim Cattle Drive und fuhren dafür in den alten Stadtteil von Fort Worth. Die Kulisse war original und auf jeden Fall filmreif. Wir kamen uns vor wie in einem Western denn die Gebäude sahen wirklich so aus wie bei John Wayne & Co.
Wegen der Ferien gab es gerade ein besonderes Familien-Programm mit Ponyreiten etc. Hier zeigte sich mal wieder, dass man in den USA den Menschen locker Geld aus der Tasche ziehen kann wenn es um ihre Kinder geht: Auf dem Pony in einem kleinen Kreis reiten (an einem Gestänge wie bei einer Tretmühle, also nicht einmal frei oder geführt) kostet dann mal eben 5$/Person, mit der Familie in ein Holz-Labyrith hat uns kurzerhand um 32$ erleichert. Immerhin war das Essen in einem interessanten Restaurant jeden Cent wert - so leckeres BBQ hatte ich schon lange nicht mehr! Ich liiiiiieeeeebe Brisket!
Wir haben uns den alten Bahnhof und die Verladestelle für die
Rinder angesehen, sehr interessant aber leider viel zu viele
Souvenir-Läden mit China-Waren drum herum.
Endlich, endlich kam der Cattle Drive. Wir sind schon lang genug in Amerika, um zu wissen dass man sich für jede Art von Parade einen guten Flecken zum Gucken aussuchen und diesen mit allen erforderlichen Mitteln verteidigen muss. Also hatten wir uns 10 Minuten vorher direkt am Kantstein aufgestellt und endlich kamen sie:
Ein paar müde Longhorns (garantiert entmannt) und ein paar Cowboys und ein Cowgirl zu Pferd. Es war so schnell vorbei, dass ich es kaum glauben konnte. Ne, das hatte ich mir eindeutig spannender vorgestellt. Statt eines "Viehtriebs" war es eher ein Vieh-Spaziergang und weder Lassos noch anfeuernde Rufe waren im Spiel. Na gut, es ist ja sicher auch nicht ganz ungefährlich mit den langen Hörnern und den vielen Zuschauern aber es hatte trotzdem etwas von einem Trauermarsch, als würde man hier eine alte Tradition zu Grabe tragen anstatt sie aufrecht zu erhalten.
Wir haben außerdem noch das Cowgirl Museum besucht. Hier wird noch einmal deutlich, dass Texas anders ist als andere Staaten. Frauen durften in Texas im Gegensatz zum Rest der USA Eigentum besitzen und auch über sich selbst bestimmen. Viele Frauen fanden ein freies und erfülltes Leben als Cowgirl. Ein tolles Museum mit vielen interessanten Informationen und einigen Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren.
Am folgenden Tag fuhren wir weiter und machten mittags Halt in unserer Hauptstadt Austin. Hier sah es nun wieder ganz anders aus und die Atmosphäre der Stadt hatte ein deutlich europäisches Flair. In Austin ist man besonders stolz auf die Kunstszene und erstmals seit Monaten konnten wir eine Pizza essen, die wirklich wie aus Italien schmeckte (was für ein Genuss!) und nicht einfach eine mit Käse und Salami überladene Teigplatte war.
Zufällig war am Capitol gerade eine Demo gegen Kürzungen im Schulwesen. So etwas ist hier bis aufs i-Tüpfelchen organisiert: Schilder werden bereit gestellt, eine Band spielt auf, ein großes Zelt ist aufgebaut und alle Demonstranten können sich dort ein riesiges, kostenloses Lunchpaket abholen, ... und die Abgeordneten die ein- und ausgehen nehmens mit Humor und haben sogar noch ein paar witzige Sprüche parat.
Nächste Station: San Antonio - schon wieder eine ganz andere, sehr mexikanische Umgebung! Aber das hatten wir ja schon im letzten Sommer erzählt. San Antonio ist eindeutig unsere Lieblingsstadt in Texas und eine Margerita am River Walk auf jeden Fall die mehrstündige Fahrt wert!
Landschaftlich war diese Reise übrigens sehr langweilig. Es sieht ein bisschen aus wie in Norddeutschland, meist flach und weil gerade der Winter vorüber war, eher karg bewachsen und farblos.
Yeeeee-haaa, endlich Rodeo!
Was für München das Oktoberfest ist, ist für Houston die Rodeo-Zeit ("Life Stock" genannt) im März. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein bisschen Kuh- und Pferdereiten. Es ist eine Mischung aus Jahrmarkt, Tierschau und -Versteigerung, Landwirtschaftsmesse, Wettkampf und vor allen Dingen Konzertveranstaltungen mit diversen Berühmtheiten aus der amerikanischen Musik-Szene. Je nachdem was man sehen will, kosten die Tickets ein paar Dollar oder ein kleines Vermögen. Wir haben uns für den günstigen Eintritt entschieden, der uns Zutritt zum Jahrmarkt (kostet natürlich jede Fahrt extra) und einigen kleineren Wettkämpfen ermöglichte.
Mir hat vor allen Dingen gefallen, in einer Halle zuzusehen, wie je zwei Cowboys versuchen mussten Kälber von der Herde zu trennen: Eine Nummer wird von einem Schiedsrichter zugerufen und das Kalb mit dieser Zahl auf dem Rücken muss von der Herde getrennt werden. Dann jedes weitere Kalb in nummerischer Reihenfolge und unbedingt einzeln, sonst ist man raus. Kein so leichtes Unterfangen und das Pferd muss auf dem Absatz kehrt machen und seinem Reiter unbedingt gehorchen können. Die Kälber werden übrigens immer wieder ausgetauscht, damit sie nicht zu viel Stress haben.
Erwähnenswert ist auch noch das "Schafs-Rodeo" für
Kinder. Bis zu einem gewissen Gewicht (Waage ist vor Ort und
alle Angaben werden überprüft) dürfen sich Kinder für dieses
Rodeo anmelden und bekommen dann einen Football-Helm und
Schutzkleidung angelegt. die meisten Kinder sind zwischen 4 und
6 Jahre alt und ich finde das für so kleine Kinder sehr mutig -
besonders von den Eltern!!!
Dann geht es los: Ganz groß wird
angekündigt, z.B. "Hier kommt Ethan auf Lucky. Ethan mag am
liebsten Popcorn und will später mal Astronaut werden!" Dann
öffnet sich eine kleine Pforte und herausgeschossen kommt ein
kräftiger Schafsbock, auf dem - ohne Sattel oder Halsband - eben
dieser Ethan sitzt und versucht, sich so lange wie möglich auf
dem Rücken des Tieres zu halten. Ich würde mal sagen die durchschnittliche
Sitzzeit der Kinder auf dem Schafsrücken betrug etwa einer Sekunde aber es war ein Riesenspaß es anzusehen und ich glaube
auch mit dem Tierschutz so gerade eben noch zu vereinen. Hinterher
durften die Böcke nämlich am anderen Ende der Arena bei "Frau
Schaf" stehen und haben von dort aus durchaus entspannt und
irgendwie seltsam interessiert ihren Schafs-Kollegen zugesehen.
Mir kam es fast so vor als hätten sie vorher gewettet wie
schnell sie die Kinder abwerfen können.
Leckeres Essen gab es hier natürlich auch wieder!
Cabin Log Museum: Hier darf man auch ausprobieren!
Die Schulglocke läuten ...
... und nochmal und nochmal ...
Interessantes Fundstück in Fort Worth!
Das Capitol von Texas in Austin
Seitenstraße in Austin
Nochmal Capitol, weil's so schön ist!
River Walk in San Antonio.
Rodeo in Houston, da muss niemand hungern!
Western-Zubehör und ...
Western-Show!
Kälber trennen nach Zahl und Zeit.
Auch das gehört zum Rodeo!
