Schule in Texas - Teil2

Was in der Schule genau passiert kann ich zum Teil nur aus den Erzählungen meiner Kinder rekonstruieren - das ist oft lückenhaft und ob ich alles richtig verstehe kann ich leider auch nicht sagen. Aber am ersten Schultag hatte ich auch schon selbst Gelegenheit, mir ein paar Dinge anzusehen.

Schulbeginn

Bevor der Unterricht los geht, sammeln sich die Schüler auf dem Flur vor der Klasse. Dort setzen sie sich in einer Reihe auf den Boden (alles ist mit Teppich ausgelegt) und lesen in einem mitgebrachten Buch bis die Lehrerin kommt.

Die Lehrerin schließt die Klasse auf und die Kinder gehen nacheinander hinein. An der Klassentür wird jedes Kind einzeln von der Lehrerin begrüßt - bei Lilith im Kindergarten werden die Kleinen sogar gedrückt und geknuddelt (sofern sie es wollen - die Lehrerin fragt!).

Der Schultag beginnt dann mit einer Lautsprecherdurchsage, die meist von einem Kind "Principal of the day" (Direktor des Tages) durchgegeben wird. Da wird erzählt welche Lehrerin heute Geburtstag hat oder für drei Tage auf einer Fortbildung ist, was an diesem Tag besonders oder geplant ist, Erinnerungen an bevorstehende Ereignisse, ... . Schließlich wird der Eid gesprochen:

I pledge allegiance to the Flag of the United States of America and to the Republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.

(Ich gelobe Treue der Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika und der Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle.)

Dabei stehen alle Kinder, halten die Hand ans Herz, schauen zur Flagge und sprechen mit. Darauf folgt eine Schweigeminute, die nach 9/11 eingeführt wurde. In dieser Zeit sollen die Kinder kurz in sich gehen und darüber nachdenken was wirklich wichtig ist im Leben - oder so ähnlich.

 

Unterricht

Es gibt keinen Stundenplan und keine Unterteilung in Unterrichtsstunden! Jeden Montag bringt Robin einen Zettel "Family Gram" mit. Darauf steht, was an jedem einzelnen Tag geplant ist, welche Inhalte vermittelt werden, woran die Eltern bitte denken sollen und welche Hausaufgaben aufgegeben werden. Hinter jedem Zettel ist Platz für die Initialen der Eltern und am Dienstag der Folgewoche wird der Zettel dann abgegeben.

Eine 45-Minuten-Stunde gibt es nicht, der Unterricht fängt morgens an und wird dann vor der Lunch-Pause unterbrochen.

 

Inhaltlich wird bei Robin neben "social studies" und "science" fast nur Mathe gemacht. Das Mathebuch ist toll und sehr dick. Normalerweise bleibt es in der Schule aber in den ersten Wochen habe ich Robin die Seiten noch übersetzt damit er dem Unterricht besser folgen kann. Zu jedem Kapitel im Buch gibt es einen erklärenden Lehrfilm, der von der Lehrerin im Unterricht abgespielt wird. Insgesamt orientieren sich die Inhalte (in allen Fächern) mehr an praktischen Beispielen aus dem Leben und so etwas wie der Rechenweg ist zweitrangig. Fast immer werden Textaufgaben gestellt und Antworten überwiegend angekreuzt.

 

Etwas ähnliches wie "PISA" gibt es hier auch: Der TAKS ist ein Vergleichstest der jedes Frühjahr gemacht wird und die Ergebnisse jeder Schule sind im Internet einzusehen. Auf diesen Test bereiten sich die Schulen intensiv vor. Je besser eine Schule abschneidet, desto besser ist es für die Community denn das erhöht die Werte der Immobilien drum herum. Hauspreise richten sich nämlich zum großen Teil danach, wie gut die umliegenden Schulen sind!

 

Viel wird in Gruppen oder Einzelarbeit gemacht und wenn die Schüler schnell sind, gibt es zur Belohnung einen Film. Das ist nicht immer ein Lehrfilm sondern durchaus auch mal ein Disney-Film oder dergleichen. Ich muss wohl nicht erklären wie begeistert Robin davon ist ...

Auch die PC's stehen den Kindern zum Lernen aber auch zum Spielen zur Verfügung.

 

Vor der Lunch-Pause gehen alle dritten Klassen (die Pause wird klassenweise nacheinander gemacht) auf den Schulhof: Gymnastik! Die Klassen stellen sich in Reihen auf und jedes Kind hat dabei seinen festen Platz. Aus jeder Klasse ist reihum ein Kind dran, nach vorn zu gehen und die Kommandos zu geben. Z.B. "running on the place" oder "arm circles" usw. Von Liegestützen bis Kopfkreisen ist alles dabei und es macht den Kindern Spaß.

Dann geht es in die Cafeteria. Die meisten Kinder kaufen das Essen hier. Es gibt einen Essensplan und demnach leider nur Fastfood: Burger, Pancakes, Spaghetti, Nachos, Corndogs (Würstchen im Maismehlmantel), Pizza, ... Sorry, nicht für meine Kinder! Die müssen einen Lunchbag mitnehmen und bekommen gesunde, vollwertige Sachen mit.

 

Da es hier recht heiß wird, können die Kinder nicht nur Getränke kaufen oder mitbringen sondern es gibt natürlich auch Trinkbrunnen in Kinderhöhe.

 

Nach dem Lunch gibt es eine ziemlich lange Pause auf dem Schulhof, wo es tolle Spielgeräte, 6 Basketballkörbe, einen großen schattigen Pavillion, ... gibt.

 

ESL

Robin hat drei ELS-Lehrer, die ihm verschiedene Dinge beibringen - meist vom Computer unterstützt. Er lernt, woran man beim Lesen erkennt wie man ein englisches Wort ausspricht, wie man Wörter schreibt und welche Bedeutung sie haben. Da er schon seit seinem 5. Lebensjahr Englisch gelernt hat (Starchild-English), verfügt er bereits über ein gutes Vokabular. Ab und zu schreibt er einen Test und erreicht immer 90-100%. So macht Schule natürlich Spaß! Hin und wieder erhalten die Kinder auch kleine Belohnungen aus der Schatzkiste - ich frage mich wer das alles zahlt?!

 

Disziplin

Gegenseitiger Respekt und Disziplin sind hier sehr wichtig. Zwar werden die Kinder hier sehr nette behandelt aber sie müssen sich trotzdem streng an Regeln halten.

Wenn die Klasse durch das Schulgebäude geht, muss sie sich immer in einer Reihe aufstellen und darf weder rennen noch reden. Wer im Schulgebäude rennt muss zurück an den Start und den Weg noch einmal - langsam - gehen.

Die Lehrerin geht der Klasse vorweg - aber rückwärts, so dass sie die Schüler im Blick hat. Bei Lilith geht auch mal ein Kind vorweg, das ist dann "first leader" und stolz wie Bolle!

 

Steigt der Lärmpegel einer Klasse z.B. beim Lunch zu sehr, dann wird per Ampel an der Wand angezeigt, welche Farbe die Klasse gerade hat. Grün = alles Ok, gelb = es ist zu laut, rot = sofort leiser werden. Wenn eine Klasse bei rot nicht leiser wird, hat sie am nächsten Tag "silent lunch" und darf dann beim Essen nicht reden. Manchmal wird "silent lunch" auch einzelnen Kindern auferlegt, die müssen dann für einen Tag an einem Einzeltisch essen.

Eine andere Strafe bei undiszipliniertem oder lautem Verhalten ist das "Runden laufen" - allerdings ist das für meine Kinder weniger eine Strafe als eine Belohnung ...

 

Bei ganz schweren Verfehlungen muss ein Kind zum Direktor oder sogar einen Tag "inhouse suspension" ertragen. Da ist das Kind für einen Tag aus der Klasse suspendiert und muss diesen Tag mit Stillarbeit im Büro der Direktorin verbringen.

Ein Klassenkamerad von Lilith hatte kürzlich das Vergnügen, er hatte den Mädchen vor dem Waschraum seinen Penis präsentiert ... erstaunlich dass nicht die Nationalgarde gerufen wurde!

 

Kontakt mit den Lehrern

Von jeder Lehrerin habe ich die e-Mail-Adresse und ich kann jederzeit schreiben und Fragen stellen. Manche haben mir sogar ihre private Telefonnummer gegeben falls ich mal Hilfe brauche. Auf Fragen per Mail bekomme ich immer kurzfristig eine Antwort und an Liliths erstem Schultag fand ich sogar nachmittags einen total netten Bericht über Liliths ersten Tag der eine Seite lang war.

Manchmal kommen die Lehrer auch nachmittags kurz ans Auto und geben einem eine kurze Mitteilung während die Kinder einsteigen.

 

Ich könnte noch so viel mehr erzählen über den 8-seitigen Dresscode für die Schule, darüber dass Eltern mittags McDonalds-Essen bringen und das mit ihren Kindern in der Schule essen, wie ich pro Kind ca. 15 Seiten Anmeldung ausfüllen und meine Kinder gegen sonstwas impfen lassen musste damit sie die Schule besuchen dürfen, ... aber ich denke dieser Einblick in den Schultag hier genügt. Es ist natürlich nur ein Bericht über unsere Schule und es kann sein, dass eine Schule 5 Straßen weiter ganz anders funktioniert. Jedenfalls gehen die Kinder hier sehr gern hin und Lilith ist am Wochenende regelmäßig sauer, dass kein Unterricht statt findet. Vor uns liegen nun bald knapp 3 Monate Sommerferien. In dieser Zeit werden meine beiden Racker einige Wochen kostenlos die Summer-School besuchen, die zweisprachigen Kindern noch mehr Englisch vermittelt. Zum Glück geht sie nur bis mittags, so dass wir nachmittags noch genügend Zeit für den Pool haben!

Schule

Auf zur Schule - mit Lunchbag ...

 

Texas

... und Backpack!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schule

Auf dem Schulhof ...

 

Texas

 

... gibt es viele tolle ...

 

Texas

Spielgeräte!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schule

Baseball auf dem Schulfest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cafeteria (beim Schulfest)