Krabbeln

Autorin: Barbara Schniebel
Zuletzt überarbeitet: 07.06.2016

Durch das Krabbeln werden die Muskeln des Babys für das spätere Laufen gestärkt. Außerdem ist es der Beginn der effektiven, selbstständigen Fortbewegung und wichtig für eine gute Verknüpfung der linken und rechten Hirnhälfte.
Beim normalen Krabbeln lernt Dein Baby zunächst auf Händen und Knien zu balancieren. Dann findet es bald heraus, wie es sich aus dieser Position durch Verschieben der Knie nach vorn und hinten bewegen kann. Dies passiert schrittweise ...

Wann sich das Krabbeln entwickelt

Die meisten Babys lernen zwischen dem 6. und 10. Lebensmonat zu krabbeln. Da dies ist eine recht große Zeitspanne ist, brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, wenn andere Kinder früher krabbeln als Dein Baby. Manche Babys robben zuvor noch eine längere Zeit auf dem Bauch umher, dadurch wird auch die Arm-, Schulter- und Nacken-Muskulatur gestärkt und für das Krabbeln vorbereitet.
 

Wie sich das Krabbeln entwickelt

Üblicherweise beginnen die meisten Babys zu krabbeln, wenn sie gut und ohne Hilfe sitzen können, etwa mit 6 oder 7 Monaten. Zum Zeitpunkt des Sitzens kann Dein Baby seinen Kopf gut genug hochhalten, um sich umzusehen. Seine Arm-, Bein- und Rückenmuskeln sind außerdem stark genug, um ein Umfallen zu vermeiden, wenn es sich auf Hände und Knie begibt.

Während der nächsten Monate lernt Dein Baby sich aus dem Sitzen auf alle Viere zu begeben. Schon bald wird es erkennen, dass es seinen Körper vor- und rückwärts schaukeln kann wenn es die Arme durchdrückt und den Körper parallel zum Boden hält.

Etwa um den 9. oder 10. Monat wird es erkennen, dass das Vorwärtsschieben der Knie genau das ist, was es braucht um mobil zu werden. Außerdem wird es lernen, aus der Krabbelposition zurück in Sitzposition zu gelangen. Jetzt wird Dein Baby auch koordinierte Krabbelbewegungen ausführen: Rechter Arm, linkes Knie, linker Arm, rechtes Knie - die Gliedmaßen also nicht parallel, sondern diagonal bewegen. Diese diagonale Bewegung ist für die Gehirnreifung wichtig. Ab jetzt ist alles nur noch eine Frage der Übung.

 

Lass Deinen Kinderarzt wissen, wenn Dein Baby ausschließlich rückwärts krabbelt, ein Po-Rutscher ist oder das Krabbeln überspringt und direkt mit dem Laufen beginnt. Oft hilft schon ein wenig Krankengymnastik, um die Krabbelphase oder zumindest die entsprechende Bewegungs-Koordination nachzuholen. Das Auslassen des Krabbelns wird oft mit Lese-Rechtschreibschwäche und anderen Schulproblemen in Verbindung gebracht. Untersuchungen hierzu ergaben dazu jedoch kein klares Ergebnis.

 

 

 

   

Wie geht es weiter?

Wenn Dein Kind es geschafft hat zu krabbeln, steht nur noch eines zwischen ihm und der absoluten Mobilität: Das Laufen.
Es wird ab jetzt schnell lernen, sich an allem hochzuziehen was es erreichen kann, egal ob es der Tisch oder Dein Bein ist. Wenn es die Balance auf den Füßen gefunden hat, wird es an Möbeln stehen können und bald auch daran entlang laufen. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es freihändig geht, läuft und springt.

  

Krabbeln auf glatten Böden

Holzfußböden, Laminat, Fliesen - glatte Böden machen das Krabbeln nicht unbedingt leichter, jedoch werden sie ein Baby auch nicht davon abhalten. Rote, wunde Knie sind dann allerdings oft die Folge und auch Hosen nutzen sich im Kniebereich schnell ab. Abhilfe schaffen spezielle Knieschoner für Babys.
 

Auch ein kleiner, weicher Teppich im Spielbereich ist vielleicht etwas einladender zum Üben. Mit ein paar kleinen, weichen Kissen darunter, wird er schnell zu einer interessanten "Wackelstrecke" und sorgt für weitere Balance-Übungen.

  

Deine Aufgabe

Genau wie beim Erlernen des Greifens, ist es auch hier der beste Weg, das Baby zum Krabbeln durch das Platzieren von Spielsachen, interessanten Dingen oder der eigenen Person knapp außerhalb von Babys Reichweite zu ermuntern.

 

Kann Dein Baby Krabbeln, musst Du mehr denn je an seine Sicherheit denken. Ein krabbelndes Kind kann vieles anstellen und sich selbst in einige Schwierigkeiten bringen. Mach Dein Haus kindersicher:

 

  • Sichere Treppen durch Gitter/Türen denn die Treppe wird Dein Kind anziehen wie der Mount Everest den Bergsteiger. Bevor Dein Baby nicht gelernt hat Stufen hinauf oder hinab zu klettern sind sie gefährlich – und selbst wenn es das gelernt hat solltest Du die „Treppen-Expeditionen" streng im Auge behalten.
  • Sichere auch Steckdosen, spitze Möbelkanten und den heißen Backofen. Denke auch an heiße Kaminöfen, Schränke mit Putzmitteln, ...

 

Dein Baby ist nun insgesamt stärker und kann sich besser Balancieren, das ermutigt es vielleicht zu riskanten Manövern im Hochstuhl, Kinderwagen, auf dem Wickeltisch ...

 

In Schuhe brauchst Du Dein Geld jetzt noch nicht zu investieren. Dein Baby benötigt Schuhe erst, wenn es frei laufen gelernt hat. Zum Schutz vor kalten Füßen eignen sich meistens warme weiche Krabbelschühchen, ABS-Socken oder Lederslipper.

 

Krabbel-Nebeneffekte

Babys die krabbeln wachen nachts öfter auf, hat Dr. Dina Cohen von der Universität in Haifa herausgefunden. Die Babys blieben bei diesen Wachenphasen auch länger wach (ca. 10 Minuten). Eine Veränderung des Schlafs konnte besonders bei Babys festgestellt werden, die recht früh krabbeln gelernt hatten. Dr. Cohen erklärt diese Veränderungen u.a. mit einer Phase der Instabilität, bedingt durch psychologische Neuorganisation und einer gesteigerten Erregung durch das Krabbeln. Auch erzeugt das Krabbeln oft eine größere Distanz zwischen Mutter und Baby, was Ängste hervorrufen kann und zu häufigerem Aufwachen führen könnte. KLeiner Trost: Diese Phase des häufigeren Aufwachens dauert nur etwa 3 Monate an.

 

Auffälligkeiten in der Entwicklung

Babys entwickeln ihre Fähigkeiten sehr unterschiedlich und einige Faktoren können sich auf den Zeitpunkt des Krabbelns auswirken. Hier ein paar Beispiele:

 

  • Jahreszeit der Geburt: Winter-Babys krabbeln frühzeitiger als Sommer-Babys - das behauptet zumindest eine Studie von 2014 der Universität von Haifa. 47 gesunde Babys mit durchschnittlicher Entwicklung wurden für die Studie beobachtet. Im Winter geborene Babys erreichen das Krabbelalter im Sommer, wenn weniger Kleidung getragen wird. Dies macht das Krabbeln für sie leichter als für Sommer-Babys, die im Winter mit mehreren Kleiderlagen krabbeln lernen.
  • Gewicht: Babys mit überdurchschnittlich hohem Gewicht lernen laut einer Studie der University of North Carolina at Chapel Hill später krabbeln. Insgesamt ist die motorische Entwicklung bei diesen Kindern im Vergleich leichteren Babys doppelt so häufig verzögert

 


Wenn Dein Kind jedoch bis zum 1. Geburtstag keinerlei Interesse daran zeigt, mobil zu werden (egal ob durch kriechen, krabbeln, rollen oder rutschen), wenn es noch nicht gelernt hat Arme und Beine in koordinierten Bewegungen oder zumindest gleichzeitig zu benutzen, dann solltest Du den Kinderarzt darauf hinweisen.

Wenn Dein Baby das Krabbeln ganz auslässt und gleich beginnt zu laufen, ist auch dies wichtig für den Kinderarzt.

Bedenke, dass Frühgeborene Babys diese oder andere Fähigkeiten möglicherweise erst Monate später erreichen als andere Babys.

 

 

 

 

Quellen:

Ellis, M. (2014, September 12). "Winter babies crawl sooner than summer babies, study says." Medical News Today. Retrieved from
http://www.medicalnewstoday.com/articles/282484.php.

 

University of Haifa. "If baby's crawling, you'll probably be up more at night, study reveals." ScienceDaily. ScienceDaily, 2 January 2013. www.sciencedaily.com/releases/2013/01/130102104555.htm .

  

University of North Carolina at Chapel Hill. (2010, March 31). "Too Much Weight May Delay Infants' Ability To Crawl, Walk." Medical News Today. Retrieved from
http://www.medicalnewstoday.com/releases/183978.php.

 

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