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Sprachproblemen von Beginn an vorbeugen (2)

 

Sprachprobleme

Hallo-Eltern.de: Können Sie genauer erklären wie diese Erfahrungen und Sprechen lernen zusammenhängen?

Fr. Mende-Kurz: Wenn die kleinen Finger den Greifreflex und später dann den Pinzettengriff üben, hinterlässt dies bildlich gesprochen "eine Furche im Gehirn". Das Greifen ist die Vorbewegung für die Sprache: Erst greift das Baby mit der Hand und den Fingern und später greift es die Sprache mit Ober- und Unterkiefer.

Das Kind hört ja auch schon sehr früh die Laute, beobachtet andere Personen beim Sprechen, wird aber erst sehr viel später in der Lage sein, diese Bewegungen und Laute nachzuahmen.

Und ist das Kind in seiner Entwicklung schließlich soweit gereift dass es selbstständig steht, dann ist die Wirbelsäule gerade, der Körper aufrecht und dann endlich sind Ober- und Unterkiefer frei für Sprache.

 

Hallo-Eltern.de: Sie sagen das Kind hört und beobachtet Sprache schon sehr früh, kann man sich das für die Sprachentwicklung zunutze machen?

Fr. Mende-Kurz: Ja. Die Laute werden schon früh einprogrammiert und werden später durch Nachahmung mit dem Mund produziert. Gerade deshalb empfehle ich, die alten Kinderreime früh vorzusprechen. Die Kinderreime enthalten alle Laute des Alphabets, die das Kind hören soll.

 

Kinnewippchen

rotes Lippchen

Nubbelnäschen

Augenbräuchen

Härichen zipp!

Hallo-Eltern.de: Viele Kinder haben einen Schnuller, wie wirkt sich dies auf das Sprechen lernen aus?

Fr. Mende-Kurz: Es wirkt sich sehr stark aus, weil die Zunge nur auf die Zungenspitze und auf die Saugbewegung programmiert ist. Die Schluckbewegung fällt weg. Der Schnuller signalisiert dass die Zunge nur saugen muss.

Das Kind sieht zwar wie sich die Erwachsenen unterhalten, die Lippen bewegen - aber die Feinnachahmung der Zunge, Lippen- und Gaumenbewegungen sind durch den Schnuller blockiert.

Wenn die Zähne da sind, sollte der Schnuller nicht mehr gegeben werden. Generell sollten die Eltern dem kleinen Kind weniger den Schnuller und dafür aber viel warme Zuwendung mit Lieder singen und Reime sprechen geben, um zukünftige Sprachprobleme zu vermeiden.

Hinzu kommt, dass der Kiefer sich auch im allerkleinsten Bereich durch die Bewegung im Mund formt. Er verformt sich durch den Schnuller aber er kann sich im Umkehrschluss durch die Bewegung beim Sprechen so formen, dass er in eine Harmonie gebracht wird.

Sprache hat also auch die wichtige Funktion den Kiefer zu formen und in eine Harmonie zu bringen – aber natürlich schließt das einen vererbten Kieferfehlstand nicht aus.

 

Hallo-Eltern.de: Hat häufiges Verschlucken auch mit dem Sprechen zu tun?

Fr. Mende-Kurz: Bei einem Baby das saugt, läuft die Flüssigkeit einfach hinunter – mitsamt der Luft. Darum müssen die Babys ja auch ein Bäuerchen machen.

Wenn man aus dem Saugalter heraus ist und eine Schluckbewegung macht, dann regelt ein eingeübter und bald unbewusster Ablauf, dass die Luft nicht mit geschluckt wird. Wenn dieser Vorgang nicht gut funktioniert, dann ist der Ablauf im Mund nicht eindeutig einprogrammiert und dann kann man sich tatsächlich häufig verschlucken.

 

Hallo-Eltern.de: Haben denn gestillte Kinder weniger Probleme beim Spracherwerb?

Fr. Mende-Kurz: Wenn Kinder zu lange gestillt werden, programmiert auch dies den Mund falsch. Wenn Zähne da sind, sollte das Kind auch festere Nahrung bekommen, wozu bräuchte es sonst die Zähne? Das ist von der Natur schon so vorgesehen und der Schluckvorgang mit Breinahrung ist Gaumenbildung in feinster Form und prägt den weichen Gaumen, wo später dann „Ch, R, G, K“ und „H“ gebildet werden.

Spricht ein Kind das „G“ als „D“  - z.B. „droß“ statt „groß“, dann ist das auf eine Unreife des Gaumens zurückzuführen.

 

Langsam und deutlich sprechen - so kann das Kind die richtigen Laute schon früh speichern.

Hallo-Eltern.de: Gibt es Grundregeln die Eltern beachten sollten wenn ihr Kind sprechen lernt?

Fr. Mende-Kurz: Eltern sollten selber immer langsam, gut und schön artikuliert sprechen. So kann das Kind die einzelnen Laute einprogrammieren.

Legasthenie hat vielleicht auch darin eine Ursache, dass das Kind in den ersten Lebensmonaten nicht genug „Lautnahrung“ sprich exakte Lautbildungen gehört hat. Z.B. kommen „Ö, Ü, Ä, Ei, Au“ in der Nutzsprache wenig vor, daher sollten Eltern also diese Laute immer sehr deutlich sprechen, z.B. „Heile, heile Segen, …“ oder „Storch, Storch, Langbein …“ – Gaumenlaute und Lippenlaute müssen stets deutlich artikuliert werden.

 

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