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Sprachproblemen von Beginn an vorbeugen (3)

 

Sprachverzögerung

Hallo-Eltern.de: Darf oder soll man denn Kinder beim Sprechen korrigieren?

Fr. Mende-Kurz: Nein auf keinen Fall! Das Kind, welches bisher vielleicht statt „Konrad“ „Tonrad“ gesagt hat, ist sonst zutiefst schockiert und verunsichert, weil das bisher gesprochene Wort plötzlich nicht mehr für „gut“ befunden wird. Eltern sollten Sprache einfach nur gut vormachen.

 

Ilse Bilse

keiner will se

kam der Koch

und nahm sie doch!

 

Hallo-Eltern.de: Viele Kinder lispeln, wie können Eltern ihrem Kind helfen?

Fr. Mende-Kurz: Lispeln ist eines der häufigsten Probleme in meiner Praxis, man nennt es „Sigmatismus“. Beim Lispeln kommt die Zunge entweder durch die Zähne durch oder sie befindet sich mehr seitlich. Die Ursache ist meist beim Schnuller zu suchen - das Saugende ist bei diesen Kindern noch einprogrammiert. Durch Kinderreime lässt sich das neu und richtig programmieren: „Hast einen Taler, gehst auf den Markt, kaufst eine Kuh, ein Kälbchen dazu …

Die Alten wussten sehr wohl auch, wie wichtig die Bewegungen sind, die man zu den Reimen machen muss. Somit ist dieser Reim eine perfekte Übung für den Sigmatismus.

Ich empfehle die alten Kinderreime den Eltern immer wieder und sie geben mit hinterher Recht.

 

Hallo-Eltern.de: Lernen Kinder das Sprechen auch von Kassetten und CD’s?

Fr. Mende-Kurz: Nein, es hat Untersuchungen gegeben, die zeigen, dass Kinder mittels Medien wie Fernsehen oder CD’s kaum sprechen lernen, hingegen jedoch sehr gut durch menschliche Zuwendung und Nachahmung einer echten Person.

 

Hallo-Eltern.de: Haben Kinder in Regionen mit Dialekt beim Spracherwerb eigentlich einen Nachteil?

Fr. Mende-Kurz: Nein, der Dialekt macht gar nichts, weil die Laute als solche trotzdem gelernt werden. Woher ein Laut kommt ist letztlich egal.

Kinderreime findet man überall auf der Welt!

 

Hallo-Eltern.de: Warum sind gerade die alten Kinderreime für den Spracherwerb so gut geeignet?

Fr. Mende-Kurz: Kinderreime findet man überall auf der Welt. Unsere Vorfahren haben schon gewusst, dass solche Reime für Kinder wichtig sind. Sie enthalten viele wichtige Laute und verankern diese sehr früh im Kopf des Kindes.

 

Hallo-Eltern.de: Sie haben drei Kinderbücher mit alten Versen bereits herausgegeben, ein viertes „Das bucklig Männlein“ ist bereits im Druck. Diese Bücher sind in drei Altersstufen aufgeteilt, warum?

Fr. Mende-Kurz: Das erste Buch enthält Verse die den ganz nahen Raum zwischen Mutter und Kind voll Wärme, Nähe und dazugehörige Bewegungen bestimmt. Z.B. „Kinnewippchen, rotes Lippchen… „ oder „Wie reiten denn die Herren - ra ra ra…“ – dort sitzt das Kind auf dem Schoß, ist also nah bei der Mutter.

Im zweiten Buch „Gretel Pastetel“ hat das Kind bereits einen weiteren Raum und lernt Haus und Garten kennen: „Guten Tag Herr Gärtnersmann, haben Sie Lavendel …“ oder „Morgens früh um sechs, kommt die kleine Hex …

Beim dritten Buch „Wer will fleißige Handwerker sehen“ ist die Erlebniswelt des Kindes wieder erweiterte denn jetzt werden die Handwerksreime mit Tätigkeiten verbunden. Z.B. der Schreiner: „Säge, säge Holz entzwei …“ hierbei sägt das Kind bei mir tatsächlich z.B. einen Ast. Oder beim Schneider „Säcke, flicken, Säcke flicken …“ näht das Kind ein Säckchen.

 

Hallo-Eltern.de: Eine Frage zum Abschluss. Was raten Sie Eltern generell für das Sprechen lernen ihres Kindes?

Fr. Mende-Kurz: Die Kleinen sollen nicht nur mit Brei gefüttert werden, sie brauchen genauso auch rhythmische Sprachnahrung.

Leider hat das elektronisch erzeugte Wort den selbstgesprochenen Kinderreim vielfach verdrängt. Dagegen wirkt der von der Mutter selbst gesprochene Reim wahre Wunder. Er kann trösten, beruhigen, Unlust vertreiben, einem Wutanfall vorbeugen, Freude erzeugen, etc. Es sollten Eltern und Erzieher viel öfter ihre Tätigkeiten im Kinderalltag mit Reimen begleiten.

 

Frau Mende-Kurz...

ist Diplom-Sprachgestalterin, praktizierende Sprachtherapeutin und Logopädin. Auch veranstaltet sie als Sprecherin und Schauspielerin Kinder- und Erwachsenenprogramme. Immer kombiniert sie Musik und Sprache und tritt auch als Sprecherin in anderen Sprach-Musik-Ensembles auf.

Sie hat zwei erwachsene Söhne und betreibt ihre Praxis in Beuren bei Stuttgart.

In Vorträgen und Seminaren über Sprachentwicklungsstörungen wendet sie sich nicht nur an Eltern sondern besonders auch an Schwangere, damit die Sprachentwicklung der Kinder von Beginn gesund verläuft.

www.wortforum.de

 

Die Sprachbilderbücher von Frau Mende-Kurz:

"Ein Kind will die Qualität der einzelnen Laute in rhythmischer Wiederholung kosten, schmecken, und mit allen Sinnen in sich aufnehmen, und daran seine eigene Sprachfähigkeit entwickeln. Wo findet das Kind heute Menschen, die mit ihm „Backe, backe, Kuchen....“ oder „Hoppe, hoppe, Reiter....“ bewegen und sprechen?"
Heide Mende-Kurz hat einen kleinen Schatz alter Kinderreimen zusammengetragen und für drei verschiedene Altersstufen aufbereitet. In diesen Reimen steckt das Wissen aus Generationen über das Erlernen des Sprechens. Liebevoll illustriert und großformatig gedruckt sind diese Bücher bei Kindern im wahrsten Sinne des Wortes "ausgesprochen beliebt" und ein wunderschönes Geschenk z.B. zu Weihnachten. Weitere Infos und eine Bestellmöglichkeit gibt es unter www.wortforum.de

 

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