Aktuelle Empfehlungen zur Allergievermeidung bei Babys

Allergien vorbeugen: Ist Muttermilch die beste Prävention?

Stillen schützt vor Allergien – an diesem Grundsatz wurde nicht gerüttelt. Hingegen ist der Grundsatz, allergene Nahrungsmittel möglichst lange zu meiden, von neueren Studien in Frage gestellt worden. Die Frage, ob sechs Monate ausschließliches Stillen nach wie vor die richtige Empfehlung ist, wird zurzeit kontrovers diskutiert.

Baby liegt eingewickelt auf einer Decke
©Unsplash/Tim Bish

Bisher galt:

Die bisherige Empfehlung lautete allergene Nahrungsmittel möglichst lange zu meiden. Dies wird jetzt in Frage gestellt. Es gibt erste Hinweise, dass eine frühe Exposition die Toleranz fördert. Es herrscht Einigkeit in der westlichen Welt, dass die Beikosteinführung keinesfalls vor Ende des vierten Lebensmonats beginnen soll.

Beikosteinführung: Wann und womit sollten man starten?

Was geblieben ist

Die Weltgesundheitsbehörde empfiehlt nach wie vor sechs Monate ausschließlich zu stillen und anschließend Beikost einzuführen. Zudem wird empfohlen die Kinder noch bis zum zweiten Geburtstag weiter zu stillen.

Die WHO-Empfehlung basiert vor allem auf Studien, die belegen, dass Babys, die sechs Monate gestillt werden, die geringste Sterberate zeigen. Dies ist in weniger entwickelten Ländern besonders wichtig, da eine hygienisch einwandfreie Flaschennahrung dort nicht immer garantiert werden kann. Aber auch in Industrieländern zeigen aktuelle Studien, dass gestillte Kinder niedrigere Infektionsraten haben als Flaschenkinder und dass Stillen die Wahrscheinlichkeit senkt, dass das Baby wegen Infektionen des Atemtraktes oder des Darmes im Krankenhaus behandelt werden muss.

Hier hat sich etwas geändert

Fachleute sind sich einig, dass es keinen Sinn macht, Beikost vor Ende des vierten Lebensmonats einzuführen. Der präventive Effekt des Stillens für vier Monate ist also erwiesen. Es gibt hingegen immer mehr kritische Stimmen, die der Meinung sind, dass es wichtig sein könnte, Babys im Alter zwischen vier und sechs Monaten mit Allergenen zu konfrontieren, um eine Toleranz entwickeln. Es gibt also immer mehr Hinweise, dass das möglichst lange Meiden von Allergenen vielleicht die falsche Strategie war.

Inzwischen ist man sich einig, dass die Reihenfolge, in der neue Nahrungsmittel eingeführt werden, keinen Einfluss auf die Entwicklung von Allergien hat. Dennoch bleibt die Empfehlung bestehen, dass einzelne Nahrungsmittel einzeln eingeführt werden sollen, um eine eventuelle allergische Reaktion zu erfassen.

Kuhmilch im ersten Lebensjahr ist als Getränk zu meiden. Dabei geht es nicht um die Allergenität der Milch, sondern darum, dass das Kalzium in der Milch die Eisenaufnahme stark herabsetzt.

Fest steht: Das Baby bestimmt den Zeitpunkt der ersten festen Kost. Es zeigt, wann es dafür bereit ist. Dies ist sehr häufig mit sechs Monaten der Fall, manchmal auch früher.

Noch immer wird eine Vollstillzeit von vier bis sechs Monaten empfohlen aber die Eltern allergiegefährdeter Babys sind nicht mehr dazu angehalten, gewisse Lebensmittel strikt zu meiden.

Für die Manifestation von Allergien sind andere Faktoren viel bedeutsamer als der Zeitpunkt der Beikosteinführung, z. B. Genetik, optimale Kolonisation des Darmes mit Bakterien, Darmreife und umweltbedingte chemische Belastungen.

Die neuste Empfehlung

Grundsätzlich sollte die Empfehlung sechs Monate zu stillen beibehalten werden, da somit kein erhöhtes Risiko für Allergien zu erwarten ist. Die empfohlene frühe Zufütterung im 5. Lebensmonats sollte aber nicht zu einem vorzeitigen Abstillen führen, denn hierbei besteht ein erhöhtes Risiko für Infekte und SIDS (= plötzlicher Kindstod), und im späteren Leben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Adipositas (= starkes Übergewicht), eine schlechtere psychomotorische Entwicklung, ungünstigerere Kieferentwicklung und ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus beim Kind.

Festzustellen ist aber auch, dass es günstig ist, Beikost unter dem Schutz von Muttermilch einzuführen. Man muss sich vorstellen, dass die Muttermilch den Darm mit einer Art Schutzschicht auskleidet und so eine bessere Verträglichkeit der neu eingeführten Lebensmittel gewährleistet ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Teil der Babys im Alter von vier oder fünf Monaten noch gestillt werden, ist höher als im Alter von sechs Monaten. So können auch kürzer gestillte Babys von dem schützenden Effekt der Muttermilch profitieren.