Ab wann kann mein Baby sehen und wie viel?

Ab wann kann mein Baby sehen und wie viel?

Wann kann ein Baby sehen und welche Augenfarbe wird es später haben? Sehen und das Verarbeiten des Gesehenen sind erlernte Fähigkeiten. Babys Welt wird zuerst mit den Augen erkundet. Die Augen liefern somit wichtige Reize und Informationen und sind für die Entwicklung des Babys sehr wichtig. Probleme beim Sehen können also die gesunde Entwicklung des Babys beeinträchtigen, daher ist es wichtig, solche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

 

Baby liegt in seinem Bettchen und lächelt
©Twenty20/Darby S

Wie sich die Sehfähigkeit von Babys entwickelt

Vor der Geburt

Tatsächlich entwickelt sich die gesunde Sehfähigkeit eines Babys bereits im Bauch der Mutter. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung der Mutter ist wichtig. Rauchen und die Einnahme von Medikamenten (auch Aspirin) in der Schwangerschaft kann zu einem geringen Geburtsgewicht führen. Ein geringes Gewicht bei der Geburt wird mit einem erhöhten Risiko für Sehprobleme in Verbindung gebracht.

Geburt

Nach der Geburt können Babys die Welt zunächst nur in Schwarz-Weiß-Grau-Schattierungen wahrnehmen. Die Nervenzellen in der Retina und im Gehirn sind noch nicht ausreichend ausgereift. Starke Kontraste, wie z.B. schwarz-weiß Mobiles werden zwar angestarrt, jedoch kann das Baby noch nicht zwischen den Objekten unterscheiden oder auswählen, welches es sich ansehen will.

Bis zu etwas drei Monaten können Babys höchstens 20 bis 25 cm weit sehen. Dies entspricht etwa dem Abstand zum Gesicht der Mutter, wenn das Baby an der Brust trinkt. Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass Babys schon wenige Tage nach ihrer Geburt Abbildungen vom Gesicht der Mutter lieber ansehen als von fremden Personen. Vermutlich ist dies auf starke Kontraste z.B. zwischen dem Gesicht und dem Haaransatz der Mutter zurückzuführen, welches dem Baby hilft, das Bild zu erkennen. Wurden diese Details des Gesichts der Mutter verdeckt (z.B. mit Schals oder Mützen), verschwand die Vorliebe für das Gesicht der Mutter. Du solltest also in den ersten Lebenswochen Deines Babys möglichst jeden Tag gleich aussehen und wenig Veränderungen vornehmen.

Bei der Geburt haben die Augen Deines Babys bereits 65% seiner Erwachsenen-Größe.

1. Monat

Dein Kind ist nicht besonders lichtempfindlich. Damit es Licht wahrnimmt, muss der Lichtreiz 50 Mal höher sein als bei einem Erwachsenen.

Das Farbsehen entwickelt sich schon recht schnell: Eine Woche nach seiner Geburt kann ein Baby schon rot, gelb, grün und orange erkennen. Blau und Lila dauern etwas länger, da diese Farben kürzere Wellenlängen haben und das Menschliche Auge weniger Rezeptoren für Blautöne besitzt.

2 bis 4 Monate

Es kann die Augen noch nicht bewusst auf ein Objekt richten, das es interessiert. Die Augen arbeiten noch nicht zusammen, somit kann es vorkommen, dass ein Auge nach rechts und das andere nach links schaut oder dass das Baby schielt. Dies ist normal, sofern dies nicht permanent der Fall ist. Das Tiefensehen, welches ermöglicht zu erkennen ob ein Objekt nah oder fern ist, kann noch nicht funktionieren, da für eine dreidimensionale Sicht die Koordination beider Augen benötigt wird.

Doch mit etwa drei Lebensmonaten beginnen beide Augen mehr und mehr zusammenzuarbeiten und das Baby kann Objekten, die sich langsam bewegen, mit den Augen folgen. Wenn das Kind auf dem Wickeltisch liegt und vor seinem Gesicht ein Spielzeug von links nach rechts bewegt wird, so wird es dieses mit den Augen verfolgen.

Auch die Lichtempfindlichkeit nimmt mit drei Monaten deutlich zu. Es braucht nur noch 10 Mal mehr Lichtreize, um Licht wahrzunehmen – Zeit das Zimmer abends und nachts mehr zu dimmen.

5 bis 8 Monate

Etwa mit 5 Monaten wird die Zusammenarbeit der Augen besser und das Baby kann dreidimensional Sehen. Somit kann es mit Beginn der aktiven Fortbewegung (sich drehen, robben, krabbeln) visuell bereits zwischen nahen und fernen Zielen unterscheiden.

Auch wenn das Farbsehen des Babys noch nicht so gut ist wie das von Erwachsenen, so ist es mit etwa 5 Monaten doch schon recht gut.

Das Baby lernt und verbessert jetzt auch die Hand-Augen-Koordination.

Mit 6 Monaten hat sich das Sehzentrum im Gehirn des Babys schon deutlich verbessert. Während die Sehfähigkeit bei der Geburt eines gesunden Kindes noch etwa 20/400 beträgt, so ist sie nun etwa bei 20/25.

Der erste Augenarzt-Besuch sollte zwischen 6 und 12 Monaten stattfinden.

9 bis 12 Monate

Das Baby kann nun schon recht gut sehen und Dinge ziemlich gezielt werfen. Die Augen-Hand-Koordination ist ebenfalls verbessert.

Der erste Augenarzt-Besuch sollte zwischen 6 und 12 Monaten stattfinden.

Im zweiten Lebensjahr

In diesem Alter kann ein Kind seine Welt genau beobachten. Es erkennt Objekte in Büchern wieder, zeigt auf Dinge und kann schon mit einem Wachsmalstift auf Papier kritzeln. Die Augen-Hand-Koordination sollte nun schon recht gut sein.

Ändert sich Babys Augenfarbe?

Babys mit afrikanischer oder asiatischer Herkunft werden bereits mit dunklen Augen geboren. Die meisten Babys in Deutschland kommen hingegen mit blauen Augen zur Welt. Die Farbpigmente (Melanin) der Iris, welche eine andere Augenfarbe geben, sind bei der Geburt noch nicht vollständig vorhanden. Gegen Ende des ersten Lebensjahrs ändert sich dies eventuell. Dunklere Pigmente kommen dann hinzu, die Augenfarbe des Babys verändert sich von blau zu braun, grün, grau oder einer Farbmischung und kann bis zum ersten Geburtstag sogar mehrfach wechseln.

Blaue Augen haben wenig Melanin. Kommt mehr Melanin hinzu, ergeben sich grüne Augen, noch mehr Melanin und die Augen werden braun bis hin zu dunkelbraun. Die größte Veränderung der Augenfarbe findet meist zwischen 6 und 9 Monaten statt, jedoch kann es bis zum 3. Geburtstag noch leichte Änderungen der Schattierung geben. Bei etwa 10% der Kinder kann eine Veränderung der Augenfarbe noch bis ins Erwachsenenalter stattfinden – jedoch sind keine dramatischen Veränderungen zu erwarten wie etwa von braun zurück zu blau. Welche Augenfarbe Dein Kind bekommt, hängt von seinen Genen ab. Die Augenfarbe der Eltern und evtl. auch Großeltern spielt dabei eine Rolle.

Aktivitäten, welche die Sehentwicklung fördern

Geburt bis 4 Monate

  • Füttere abwechselnd von der linken und von der rechten Seite.
  • Sprich mit Deinem Baby, während Du Dich durch den Raum bewegst.
  • Lege Dein Kind an verschiedenen Stellen des Raumes ab, wechsle ab, wo die Krabbeldecke liegt.
  • Gib ihm einen Babytrainer, an dem erreichbare Gegenstände hängen, nach denen es versuchen kann zu greifen.
  • Verwende ein Nachtlicht oder eine Lampe zum Dimmen in Babys Schlafraum.
  • Ein Zimmer mit starken Farben und bunten Kunstwerken, starken Kontrasten zwischen Möbeln und Wänden kann das Sehen stimmulieren.

5 bis 8 Monate

  • Häng ein Mobile über Babys Bett und Wickeltisch.
  • Gib Deinem Baby so oft wie möglich die Gelegenheit zu robben und zu krabbeln und seine Umgebung zu erkunden.
  • Spiel mit Deinem Kind „Backe-Kuchen“ und andere Spiele, die die Hände involvieren.
  • Der erste Augenarzt-Besuch sollte zwischen 6 und 12 Monaten stattfinden.

9 bis 12 Monat

  • Spiele „Guckuck“ und Versteck-Spiele, um die visuelle Erinnerung deines Kindes zu trainieren.
  • Benenne Dinge, so dass Dein Baby eine Verbindung zwischen Wörtern und Gegenständen herstellen kann und seinen Wortschatz aufbaut.
  • Fördere das Kriechen und Krabbeln Deines Kindes und lass diese Phase möglichst lange anhalten. Kinder die nur kurz gekrabbelt haben, haben oft eine schlechter entwickelte Sehfähigkeit.
  • Der erste Augenarzt-Besuch sollte zwischen 6 und 12 Monaten stattfinden.

Im zweiten Lebensjahr

  • Rolle mit Deinem Kind einen Ball hin und zurück, so dass es übt ein Objekt mit den Augen zu verfolgen.
  • Gib Deinem Kind Spielsachen mit verschiedenen Formen.
  • Lies oder erzähle Geschichten die die visuelle Vorstellungskraft Deines Kindes fördern.

Hinweise auf Probleme mit den Augen oder beim Sehen

  • Starkes Tränen der Augen – möglicherweise durch verstopfte Tränenkanäle
  • gerötete oder verkrustete Augen – Hinweis auf eine mögliche Infektion der Augen
  • Häufiges Augenrollen – Hinweis auf mögliche Probleme der Augenmuskeln
  • große Lichtempfindlichkeit – kann ein Hinweis auf erhöhten Augendruck sein
  • weiße Pupille bei Blitzfotografien – kann ein Hinweis auf Augenkrebs sein

Bei diesen Symptomen sollte ein Kinder- oder Augenarzt aufgesucht werden. Auch ohne Symptome sollte eine Augenuntersuchung zwischen dem 6. und 12 Lebensmonat stattfinden.

Schielen

Babys mit „Silberblick“ (Umgangssprachlich für „schielen“) sehen vielleicht süß aus und in den ersten Lebenswochen ist dies auch nicht ungewöhnlich, jedoch sollte sich das Schielen ab dem dritten Lebensmonat langsam legen. Wenn Dein Kind dauerhaft schielt, sich ein Auge häufig wegdreht oder sich die Augen asynchron bewegen, dann solltest Du den Kinderarzt darauf hinweisen. Eine frühzeitige Behandlung des Schielens ist für den Behandlungserfolg sehr wichtig.

Weitere Themen