Die ersten Tage zu Hause mit deinem neugeborenen Baby

Die ersten Tage mit Baby

„In der Schwangerschaft hatte ich eifrig gelesen was in meinem Bauch passiert, wie sich unser Baby entwickelt, was ich am Besten essen sollte oder auch nicht. Ich hatte die Erstausstattung organisiert, als gelte es, eine Grönlandexpedition auf die Beine zu stellen und mich mit Erziehungsratgebern eingedeckt. Ich fühlte mich gut vorbereitet und informiert. Doch schon wenige Stunden nach der Geburt musste ich erkennen, dass das Leben mit unserem Baby viel mehr Überraschungen für uns Eltern bereit hielt, als wir gedacht hätten.“ Das erste Jahr – es ist das schönste und spannendste, zugleich aber auch das schwierigste und anstrengendste Jahr. Was genau erwartet Eltern in den ersten zwölf Lebensmonaten Ihres Babys?

Baby liegt eingewickelt auf einer Decke
©Unsplash/Tim Bish

Die Tage nach der Geburt

In den ersten Tagen nach der Geburt erlebst Du verschiedene hormonelle und körperliche Veränderungen. Du wirst vielleicht sehr mit Dir selbst beschäftigt sein und willst Dich gleichzeitig kompetent um Dein Baby kümmern. Stress und Verunsicherung sind dann typische Begleiterscheinungen. Vielleicht fühlst Du Dich nach der Geburt auch zum Bäume ausreißen, bist einfach nur glücklich und zufrieden, hast ein friedlich schlafendes Kind und freust Dich über jeden Besuch. Es ist eben bei jedem anders. Genieße auf jeden Fall, dass Du im Krankenhaus bekocht wirst, nicht putzen musst und Du Dich wirklich auf Dich selbst und das Baby konzentrieren kannst. Lass Dir zeigen wie man Babys wickelt und badet, den Nabel pflegt und wie man puckt. Und dann sorge für Deine Entlassung, denn zu Hause ist es doch am Schönsten!

Das erwartet Dich im Wochenbett:

Mögliche Probleme oder Krisen

  • Nachwehen: Nachwehen treten insbesondere in den ersten Tagen nach der Entbindung auf. Sie sind weniger schmerzhaft als die Geburtswehen aber dennoch unangenehm. Sie sind besonders dann zu spüren, wenn das Baby zum Trinken an die Brust angelegt wird (Ursache ist das Hormon Oxytocin). Durch die Nachwehen zieht sich die Gebärmutter schneller zusammen, das fördert die Wundheilung und sorgt für eine schnellere Rückbildung.
  • Wochenfluss: Die Plazenta hinterlässt in der Gebärmutter eine handtellergroße Wunde. Es dauert etwa 4 – 6 Wochen, bis die menstruationsähnlichen Blutungen aufhören. Durch aufsteigende Bakterien ist der Wochenfluss infektiös, daher ist eine gute Hygiene wichtig (Hände waschen, Binden häufig wechseln).
  • Dammriss oder Dammschnitt: Bei der Geburt kann es zu einem Riss im Damm kommen, manchmal wird auch geschnitten, damit das Baby besser heraus kommen kann. Die Wunde muss meistens genäht werden, verheilt aber recht schnell. In den ersten Tagen kann das Sitzen und Laufen mit Dammriss/-schnitt schmerzhaft sein.
  • Milcheinschuss: Nach etwa 3 Tagen kommt es zum Milcheinschuss. Dieser kann etwas schmerzhaft oder auch unbemerkt verlaufen – es ist von Frau zu Frau verschieden. Bei schmerzhaftem Milcheinschuss kann Kühlung helfen. [siehe auch Stillen]
  • Stillprobleme: Stillprobleme gibt es in vielfältiger Art. Das Problem kann darin liegen, dass das Baby die Brust nicht richtig nimmt oder die Brustwarzen der Mutter wund werden und beim Stillen schmerzen. Es gibt für fast alle Probleme eine Lösung. Frage im Krankenhaus nach einer ausgebildeten Stillberaterin, wende Dich zu Hause an Deine Hebamme oder an eine examinierte Still- und Laktationsberaterin (IBCLC) in Deiner Nähe. [siehe auch Stillen]
  • Baby Blues: Etwa am 3. Tag nach der Geburt sinkt der Hormonspiegel und die meisten Frauen stürzen in eine innere Krise. Meistens fließen dann Tränen doch am nächsten Tag ist für gewöhnlich alles vorüber. Nur in wenigen Fällen kommt es zu einer Postnatalen Depression (Wochenbett-Depression).
  • Zu viel Besuch: Besucher können im Wochenbett zum Problem werden weil sie Unruhe bringen, vielleicht beim Stillen stören und Dir durch sie die nötige Zeit fehlt, dich von der Geburt zu erholen. Auch der Besuch der Bettnachbarin muss bedacht werden. Lege mit ihr gemeinsam Besuchszeiten fest, damit die nötige Ruhe und Privatsphäre einkehren kann.

Zusätzliche Belastungen :

  • Weinendes Baby: Manche Babys weinen schon in den ersten Tage recht viel, so dass Du kaum Zeit findest, zu duschen, zu essen oder zu schlafen. Lasse Dein Kind zwischendurch von der Kinderschwester betreuen, damit Du Dich nicht schon in den ersten Tagen übernimmst. Lass Dir auch von Deinem Partner oder Besuch helfen.
  • Vorsorgeuntersuchungen: Im Krankenhaus wird von einem Kinderarzt die U2 (Untersuchung 2) vorgenommen. Dabei werden die Hüfte, das Herz, der Knochenbau, die Lunge, das Blut … untersucht.
    Ein elektronischer Hörtest ist in vielen Krankenhäusern auch schon Standard. Diese Untersuchungen finden oft in klinischer Hektik statt und beunruhigen Eltern. Lass Dich nicht stressen und beharren darauf, dass man Dir alles was Du nicht verstehst, erklärt. Schau in das Vorsorgeheft Deines Kindes, um Untersuchungsergebnisse nachzulesen.

Babys sind so verschieden, wie alle Menschen und daher verhalten sie sich selbstverständlich auch unterschiedlich. Manche schlafen in den ersten Tagen ohne Ende und müssen zu den Mahlzeiten geweckt werden, andere schreien den ganzen Tag, wollen unentwegt an die Brust und schlafen nie länger am Stück. Andere verhalten sich hingegen so, wie man es eben von einem Baby erwartet hat.

Die folgenden Tage nach der Geburt stehen nun unter dem Motto „kennen lernen“. Du wirst bald ein Gefühl dafür entwickeln wie unterschiedlich das Schreien Deines Kindes klingt, wenn es müde oder hungrig oder gelangweilt ist. Das Wickeln wird Dir schon bald von der Hand gehen als hättest Du nie etwas anderes gemacht und nach wenigen Wochen wirst Du von Deinem Kind mit einem ersten, bewussten Lächeln belohnt.

Mögliche Probleme und Krisen

  • Schreikind: Wenn Dein Kind deutlich mehr weint als erwartet, dann solltest Du versuchen, die Reize der Umgebung zu reduzieren. D.h. weniger Besuch, ruhige Umgebung ohne Fernseher, Radio oder Musik. Werde selbst ruhiger und entspannter, damit sich Deine Nervosität nicht auf Dein Kind überträgt. [siehe auch Schreikinder]
  • Koliken, Blähungen: Oft wird hinter dem Schreien ein Verdauungsproblem vermutet. Achte auf Deine Ernährung wenn Du stillst: Was bei Dir zu Blähungen führt, kann auch für Dein Kind Bauchweh bringen. [siehe auch Koliken]
  • Besucherstress: Verzichte die ersten Tage daheim möglichst komplett auf Besuch. Kanalisieren dann Besuche, damit nicht zu viele Menschen auf einmal kommen. Lasse sie Kuchen oder Essen (falls nötig) mitbringen und bitte die Besucher nach angemessener Zeit zu gehen, damit Du in Ruhe stillen kannst. Stille in der Anfangszeit besser ohne Besucher, damit es sich besser einspielt und der Milchfluss nicht durch Stress beeinträchtigt wird.
  • Nächtliches Stillen: Fast alle Kinder verlangen in den ersten Monaten nachts nach Milch. Es ist zunächst ungewohnt, den Schlaf zu unterbrechen. Zum Glück hat die Natur den Müttern Hormone gegeben, die sie nach dem nächtlichen Stillen schnell wieder einschlafen lassen. Dennoch wirst Du am Tag sicher müde sein. Nutze die Schlafzeiten Deines Babys, um Dich selbst auch gelegentlich hinzulegen. Der Haushalt kann warten! [siehe auch Stillen]
  • Küche und Haushalt: Wenn Dir Zeit und Ruhe zum Kochen und Putzen fehlen, dann lasse Dir etwas Essbares ins Haus kommen. Verzichte auf den gründlichen Hausputz und benutze vorübergehend feuchte Reinigungstücher aus dem Handel, um Bad und Küche sauber zu halten. Statt Staubsauger tut es auch mal kurz der Besen.

Hilfe in der Not

  • Hebamme: Deine Hebamme kann Dir bei den Nachsorge-Besuchen viele Fragen beantworten und mit Dir gemeinsam das Wickeln, Baden, Stillen üben. Sie gibt Dir Rat wenn das Baby Schnupfen hat, kein Gewicht zulegt oder viel weint. Frage Deine Hebamme, zu welchen Zeiten Du sie anrufen darfst.
  • Die Entbindungsklinik: Oft stellen sich zu Hause schon nach wenigen Stunden Fragen ein, die Du beantwortet haben möchtest. Wenn in den ersten Tagen nach der Entlassung aus der Wochenstation Probleme auftreten, ist diese immer noch Ansprechpartner. Rufe an, frage nach und fahre im Bedarfsfall noch einmal hin.
  • Kinderarzt: Wenn die U2 nicht im Krankenhaus erfolgt ist, dann solltest Du diese nach einer Woche bei Deinem Kinderarzt durchführen lassen. Er kann Dir ebenfalls viele Fragen beantworten und Ansprechpartner in Deiner Nähe nennen.

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