Eltern im Stress

Eltern im Stress: Auslöser, Symptome und Maßnahmen

Schlaflosen Nächte durch ein Baby oder durch kranke Kinder, ein unerledigter Haushalt, Spannungen in der Partnerschaft, Doppelbelastung durch Beruf und Familie, keine Zeit für eigene Wünsche, nervige Schwiegermutter, zu kleine Wohnung, finanzielle Engpässe – für Eltern bieten sich unzählige Möglichkeiten inneren Druck aufzubauen. Darum sollten sie rechtzeitig auf ihr seelisches Gleichgewicht achten und regelmäßig Stress abbauen.

©Unsplash/Aidan Meyer

Ursprüngliche Funktion der Stressreaktion

Stress war ursprünglich eine Flucht- oder Kampfreaktion mit einer Generalmobilmachung des Körpers. Sie stellte das Überleben sicher, indem sie uns auf ein aktives Bewältigen einer schwierigen Situation (z.B. Flucht vor dem Säbelzahntiger oder Kampf mit dem Mammut) vorbereitete.

Über die Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Cortisol, erhöht sich bei Stress die Spannung in der Muskulatur. Energien aus der Leber werden mobilisiert, die Sauerstoffversorgung wird erhöht. Wir sind voll konzentriert und nervlich gespannt, also sprung- oder einsatzbereit.

Eigentlich ist Stress also eine natürliche körperliche Reaktion auf eine Herausforderung. Wir Menschen brauchen für eine normale körperliche und seelische Entwicklung angemessene Belastungen, die uns zum Handeln, zur Anpassung zwingen.
Stress kann aber krank machen, wenn die Beanspruchungen sehr stark sind bzw. wenn sich der Körper fast ständig in erhöhter Alarmbereitschaft befindet.
Der Wechsel zwischen Anspannung und der nötigen Entspannung ist Voraussetzung für das Wohlbefinden eines Menschen.

Man unterscheidet zwischen Eustress (eu: gut, schön) und Distress (dis: schlecht, krankhaft) und es ist bei seelischem Stress meistens die innere Bewertung, die Stress zu Eustress oder Distress macht: Wir können uns über tobende Kinder ärgern oder uns freuen dass sie so gesund und aufgeweckt sind und ihre Kindheit genießen.
In diesem Fall ist also nicht die Situation ein Stressauslöser, sondern die individuelle Bewertung. Zusätzlich gibt es noch äußere Faktoren die uns in Stress versetzen wie z.B. Schlafmangel und Lärmbelastung.

Typische Stresserzeuger

  • Eile/Hetze/Zeitdruck Probleme
  • zu hohe eigene Ansprüche
  • andauernder Lärm
  • Schuldgefühle
  • Ärger im Beruf
  • Angst
  • Überlastung, zusätzliche Aufgaben
  • Neid/Missgunst
  • Ärger mit dem Partner
  • räumliche Enge
  • finanzielle Schwierigkeiten
  • andauernde Leistungsforderung
  • Minderwertigkeitsgefühl

Typische körperliche Stresssymptome:

  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Magenverstimmung
  • Angespanntheit
  • Vergesslichkeit
  • Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
  • Schlaflosigkeit
  • Erhöhter Konsum von Tabak, Alkohol, Medikamenten
  • Durchfall oder auch Verstopfung
  • Konzentrationsprobleme
  • fehlende Energie
  • übermäßiges Essen
  • weglassen von Mahlzeiten
  • häufige Erkältung
  • Ärger
  • Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder Machtlosigkeit
  • Depression

Stress aktiv abbauen

Spannungen im Wechsel mit Entspannung gehören zum Alltag. Alles was wir gern tun, wirkt Stress entgegen: lesen, musizieren, tanzen, singen, Umgang mit Tieren, Nichtstun, Urlaub, usw. – aber Verspannungen müssen oft zusätzlich gelöst werden. Dazu eignen sich Entspannungsübungen.

Wenn die Stressbelastung jedoch schon lange andauert oder wenn sie besonders groß oder akut ist, helfen andere Maßnahmen:

Wir erinnern uns an den oben genannten Ursprung der Stressreaktion: Stress ist ursprünglich eine lebensnotwendige Flucht- oder Kampfreaktion mit einer Generalmobilmachung des Körpers.
Heutzutage sind wir jedoch nur selten in der Lage, Stressereignisse mit starker muskulärer oder körperlicher Aktivität (z.B. Flucht oder Kampf) zu beantworten, auch wenn das die natürlichste und effektivste Form der Bewältigung wäre.
Haben wir es dauerhaft mit unverarbeiteten Stressreaktionen zu tun, dann entwickeln sich negative Stressfolgen in unserem Körper, die zu seelischen Erkrankungen und körperlichen Symptomen führen können.

Darum sollte Stress regelmäßig und gezielt über Bewegung abgebaut werden.
Damit erreicht man insbesondere einen schnellen Abbau von Stresshormonen und somit Abbau von körperlichen und psychischen Stressreaktionen. Spannungszustände in der Muskulatur lösen sich, die Stimmung verbessert sich und Atmung und anderer Körperfunktionen werden wieder harmonisiert.

Wenn wir in Gesellschaft sind und uns gestresst fühlen, können wir unbemerkt Spannung abbauen indem wir versteckte Spannungsübungen durchführen:

1.-Hilfe-Maßnahmen in akuten Stress-Situationen

  • Hand ausschütteln oder Finger zappeln lassen (hinter dem Rücken durchführen)
  • Faust in der Tasche ballen
  • Arme an den Körper klemmen
  • Knie aneinanderdrücken
  • Gesamtkörper anspannen

Später kann der Stress durch diese Übungen komplett abgebaut werden:

Langfristiger Stressabbau durch Bewegung

  • eingedrehtes Handtuch auf das Bett oder Sofa schlagen, dabei laut schimpfen
    in Kissen beißen
  • schreien / weinen
  • wiederholt einen Ball gegen die Hauswand werfen und auffangen
  • Seilsprünge / Hüpfen
  • Kurzsprint
  • im Wald mit Kastanien, Tannenzapfen o.ä. werfen bzw. am See Steine ins Wasser schmeißen
  • Alle Ausdauerbelastungen wie Jogging, Nordic Walking, Tanzen, Aerobic, … helfen Stresshormone abzubauen

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