Fernreisen mit Baby

Fernreisen mit Baby

Elternzeit scheint eine perfekte Gelegenheit, mal eine längere Auszeit von allem zu nehmen und mit Baby im Gepäck die Welt zu erkunden. Immer wieder liest man in den Medien von Eltern, die mit Baby Weltreisen, Weltumsegelungen oder zumindest Fernreisen unternehmen. Ist das ratsam? Und was sollte man dabei bedenken?

Mutter und Vater halten ihr Baby am Strand in den Armen
©Unsplash/Jay Dantinne

Jedes Baby ist anders

Wärend manche Babys von geradezu stoischer Ruhe sind, gibt es auch Babys mit besonderes starken Bedürfnissen. Daher sollte man sich vielleicht zunächst die Frage stellen, wie viel Tolleranz das eigene Baby gegenüber Veränderungen mitbringt. Braucht es den immer gleichen Rhytmus und die gewohnte Umgebung, Routine und vertraute Menschen? Oder ist es neugierig und an allem Neuen interessiert?

Je nach Charakter des Babys sollte man entweder von einer Fernreise zunächst absehen oder zumindest die Art des Transports so wählen, dass das Baby gut damit zurecht kommt.
Hast Du ein flexibles Baby, dann sind lange Flugreisen und Wartezeiten am Flughafen vielleicht kein Problem. Auch Bustransfers in unruhiger Umgebung mit vielen Menschen sollte man seinem Kind vielleicht zutrauen. Manche Eltern entscheiden sich auf langen Reisen lieber für ein zum Wohnen umgebautes Fahrzeug und reisen damit an Land, während sie mit Schiffen zu anderen Kontinenten übersetzen. So ist das Baby weniger Stress ausgesetzt.

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Profitieren Babys von Reisen?

Ob sich ein Baby an Einzelheiten der Reise erinnert, ist schwer zu beurteilen. Die bewusste Erinnerung ist meist an die Sprachentwicklung geknüpft. Dennoch werden Reize und Eindrücke wie Farben, Gerüche und Geräusche von einem Baby aufgenommen und fließen in seine Entwicklung ein. Sofern Dein Kind keine Probleme mit der Reizverarbeitung hat, wird also die Vielfalt an Eindrücken auf der Reise sein Bild von der Welt erweitern und Einfluss auf seine Entwicklung haben.

Schutzimpfungen für das Reiseziel

Für einen Urlaub in den USA braucht es meist nur Geduld für die lange Flugreise. Medizinische Versorgung und das Risiko von Erkrankungen sind meist identisch mit der Situation in Deutschland. Soll es aber nach Afrika, Mittel- bzw. Südamerika, Australien oder Asien gehen, dann sind spezielle Schutzimpfungen oft wichtig. Es muss also vorab geklärt werden welche Impfungen für das Reiseziel erforderlich sind und ob Dein Kind diese bereits bekommen kann. Manche Impfungen müssen einige Zeit vor der Reise gegeben und mehrfach wiederholt werden, um ausreichend Schutz zu bieten. Auskunft über empfohlene Impfungen für ein Reiseland bietet das Tropeninstitut.

Visum und Reisepass – auch für das Baby

Ausweispapiere sind wichtig – auch für Babys. Auch wenn es unsinnig erscheint, so wird doch in der Regel ein Passbild vom Baby verlangt, wenn Reisepass und Visum beantragt werden. Erkundige Dich vor der Reise, welche Formalien für das Reiseziel notwendig sind und bedenke, dass manche Prozesse länger dauern.

Ärztliche Versorgung und Krankenversicherung

Viele Kinder werden im ersten Lebensjahr leicht krank oder verletzen sich bei ersten Steh-und Gehversuchen. Dann brauchen sie vielleicht ärztliche Versorgung und Medikamente. Das Reiseziel sollte nach Möglichkeit beides mit Zuverlässigkeit bieten. Wichtig ist hier auch, dass man sich sprachlich verständigen kann. Gute Englischkenntnisse sind hilfreich wenn man die Landessprache nicht spricht. Manchmal helfen auch Schaubilder oder Übersetzungsprogramm weiter – jedoch ist letzteres mit einiger Vorsicht zu genießen, denn das Ergebnis ist nicht immer besonders zuverlässig.

Auf jeden Fall gehören eine gut ausgestattete Reiseapotheke und ein Ratgeber über Kinderkrankheiten und – Notfälle ins Reisegepäck.

Kläre vor der Reise wie Deine Krankenkasse Behandlungen am Reiseziel handhabt und ob im Ernstfall Maßnahmen wie Verlegungen in andere Städte bzw. Länder oder Rücktransporte nach Deutschland abgedeckt sind. Evtl. ist es sinnvoll eine zusätzliche Reiseversicherung mit medizinischem Rücktransport abzuschließen.

Was man am Reiseziel beachten sollte

Andere Länder, andere Sitten – wissen wir doch! Aber was heißt das im Klartext bei einer solchen Reise?
Obwohl in vielen Ländern die Menschen ausgesprochen freundlich und kinderlieb sind, gibt es doch oft andere Regeln wenn es um das Stillen oder Wickeln in der Öffentlichkeit geht. Auch für Kinder die gerade trocken werden, kann das „mal eben in der Grünfläche abhalten“ zu strafrechtlichen Folgen führen. Darum ist es ratsam, sich zu erkundigen, was im jeweiligen Reiseland erlaubt bzw. verboten ist. Schon in den USA gelten hierbei ganz andere Regeln als in Deutschland, obgleich man dort eine ähnliche Kultur vermuten würde.

Wieviel Haut am Strand gezeigt werden darf ist auch bei Kindern nicht unkritisch, sei es beim Umkleiden oder frei Herumlaufen. Auch die Geschlechtertrennung wird in vielen Ländern ernster genommen als wir es kennen, so dürfen meist kleine Jungen nicht mit in die Umkleide oder Toilette der Frauen und dasselbe gilt für Mädchen in den Männer-Bereichen.

In einigen Ländern bringt es Glück, Kinder anzufassen, darauf sollte man gefasst sein. An Orten wo hellhäutige bzw. blonde Kinder eher selten zu sehen sind, werden Menschen fragen, ob sie Fotos machen dürfen, vielleicht sogar sich selbst mit Deinem Kind fotografieren lassen wollen. Man muss und sollte dem nicht immer nachgeben, auch wenn es vielleicht unhöflich ist. Die Sicherheit und das Wohlbefinden Deines Kindes müssen hierbei immer an erster Stelle stehen und nicht jedes Kind mag auf den Arm eines wildfremden Menschen. Ein Kompromiss kann eine Foto mit dem Fremden und der Familie zusammen sein, wobei das Baby auf dem Arm der Eltern ist.

Nahrungsmittel im Reiseland

Es ist schon spannend, was man in anderen Ländern essen kann und Vieles ist ausgesprochen lecker. Aber nicht alles ist für ein Kind unter 3 Jahren geeignet.
Da man bei vielen Gerichten die Zutaten nicht kennt, lässt sich nicht immer erahnen, was das Kind essen darf und wovon man lieber Abstand halten sollte.
Generell sollte man alle unbehandelten Produkte wie Rohmilch und Milchprodukte ohne Erhitzung, Honig, rohes Fleisch und rohen Fisch (nur komplett durchgegart!) vermeiden. Bakterien die z.B. den Säuglingsbotulismus auslösen (oft im Honig), Durchfallerreger, Würmer und andere Parasiten können Dein Baby ernsthaft gefährden.

Auch ist nicht jedes Obst im Reiseland naturbelassen. In manchen Ländern ist DDT durchaus erlaubt und auch andere Chemikalien werden eingesetzt, um Insekten in tropischen Gebieten unter Kontrolle zu bekommen und die Ernte zu sichern. Manche Insekten legen auch ihre Eier auf oder im Obst. Daher ist in diesen Ländern Obst generell gut abzuwaschen – mit sauberem Wasser!

Um Gastgeber, die Eurem Kind eine Leckerei anbieten, nicht vor den Kopf zu stoßen, kann man vielleicht mit dem Zauberwort „allergies“ (Allergien) höflich anlehnen.

Sicherheit in Transportmitteln

Ein Mietwagen am Reiseziel wird wohl ohne Kindersitz sein. Selbst wenn man diesen dazu mieten kann, so sollte man darauf eingestellt sein, dass der Sitz nicht für die Gewichtsklasse des Kindes geeignet oder schon sehr alt, brüchig und somit nicht mehr sicher ist. Eine Sitzpflicht oder Anschnallpflicht gibt es in vielen Ländern nicht, das Gleiche gilt dann leider manchmal auch für Verkehrsregeln. In Taxis oder Bussen gibt es vielleicht überhauptkeine Gurte mit denen man das Kind sichern könnte.

Je nach Reiseziel und Art des Urlaubs ist also zu überlegen, ob es sich lohnt, den eigenen Autositz mitzunehmen. Bei vielen Fluggesellschaften kann man ausgewählte Sitz-Modelle auch im Flugzeugsitz verwenden und somit für mehr Sicherheit bei Turbulenzen sorgen.