Neugeborenen-Gelbsucht und Phototherapie

Gelbsucht bei Neugeborenen

Etwa 60% aller Neugeborenen sind von der Neugeborenen-Gelbsucht betroffen. Sie tritt in den ersten Lebenstagen auf, äußert sich durch eine gelbe Hautfärbung. Ist der Bilirubin-Wert im Blut deutlich erhöht, muss behandelt werden, um Schäden im Gehirn zu verhindern.

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Was ist Neugeborenen-Gelbsucht?

Neugeborene haben meist noch keine voll funktionsfähige Leber, daher können sie zerfallene rote Blutkörperchen (Bilirubin) oft nicht abbauen. Dadurch lagert sich das Bilirubin im Körper ab und kann – wenn nichts unternommen wird – auch eine Schädigung des Gehirns bewirken, wenn der Bilirubinwert im Blut deutlich zu hoch ist.

Wie stellt man die Diagnose?

Betroffene Neugeborene fallen durch eine gelbe Hautfärbung (Neugeborenenikterus) meist schon optisch auf. Beim Neugeborenenscreenig wird in der Regel auch eine Blutuntersuchung auf Bilirubin durchgeführt. Ein erhöhter Wert zeigt das Problem und die Höhe des Wertes das Ausmaß.

Welche Therapie hilft?

Neugeborene sind in der Lage, Bilirubin durch Licht über die Haut in Lumirubin abzubauen, welches dann über den Urin ausgeschieden wird. Darum erfolgt die Therapie in den meisten Fällen durch Licht: Das Neugeborene wird nur mit einer Windel und einem Augenschutz bekleidet in ein Wärmebett unter ultraviolettes Licht (Wellenlänge 425 – 475 nm) gelegt. Manchmal wir das Kind auch zusätzlich von unten mit einer Lichtmatte bestrahlt.

Im Abstand von 6 – 8 Stunden (bei sehr hohen Werten 2 -4 Stunden) wird der Blutwert kontrolliert.

In besonders schweren Fällen (selten) kann es erforderlich sein, einen Blutaustausch vorzunehmen. Der Säugling erhält dann Spenderblut mit einem normalen Bilirubin-Wert.

Was kann unterstützend wirken?

Das Neugeborene sollte möglichst oft zum Trinken angelegt werden. Es braucht viel Flüssigkeit. Leider sind Babys mit Neugeborenen-Gelbsucht meist sehr schläfrig und schlapp, so dass ihnen das Wach bleiben und Trinken schwer fällt. Manchmal ist daher eine zusätzliche Flüssigkeitsgabe per Flasche notwendig.

Das Baby sollte schon früh in einer tageshellen Umgebung liegen (keine direkte Sonneneinstrahlung) wenn eine leichte Gelbsucht erkennbar wird.

Wie ist die Prognose?

Heute kann man bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie davon ausgehen, dass das Baby nach ein paar Tagen wieder „rosig“ ist und keine weiteren Schäden davon trägt. Wichtig ist nur, dass – gerade bei Hausgeburten oder frühen Krankenhausentlassungen – eine Hebamme oder der Kinderarzt die Gelbsucht rechtzeitig erkennt und behandelt.

Welche Probleme gibt es noch?

Die Notwendigkeit, das Baby bei erhöhtem Bilirubin-Wert mit Phototherapie zu behandeln, ist unbestritten, doch bringt diese Maßnahme mit sich, dass Mutter und Baby getrennt sind. In vielen Kliniken ist es inzwischen möglich, das Wärmebett ins Zimmer der Mutter zu bringen, sodass das Baby wenigstens die Stimme der Mutter hört. Dennoch stört diese Maßnahme das Bonding der ersten Tage. Es sollte der Mutter ermöglich werden, das Baby regelmäßig zum Stillen herauszunehmen und diese Zeit intensiv für Körperkontakt zu nutzen.