Flaschennahrung - vom richtigen Umgang mit der Milchflasche

Gewichtszunahme bei Babys durch Flaschenernährung

Flaschennahrung ist heutzutage von sehr guter Qualität und auch wenn sie nicht an die Muttermilch heran kommt, so ist sie doch nah dran. Für Mütter die nicht stillen können, ist sie ein Segen, für Väter, die auch mal füttern wollen, die Lösung und für Baby ist sie das warme, satte Gefühl im Bauch, auf das es ankommt. Beim Umgang mit der Flasche und dem Milchpulver ist aber auch das eine oder andere zu beachten.

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Bonding

Gestillte Kinder bekommen viel und häufigen Hautkontakt mit der Mutter, dies ist für Babys wichtig und fördert das Bonding (= die Bindung zwischen Eltern und Kind). Auch mit Fläschchen kann man beim Füttern auf Hautkontakt achten. Wichtig für das Bonding ist auch der Augenkontakt. Schau Dein Baby beim Füttern an. Sein Sehvermögen reicht gerade für die Entfernung von Deinem Schoß bis zu Deinem Gesicht und das innige gegenseitige Betrachten ist von großer Bedeutung für Eure Beziehung. Das gilt übrigens auch, wenn Väter füttern.

Rechtzeitig füttern

Anders als beim Stillen, ist die Nahrung nicht sofort parat wenn das Baby Hunger hat. Das Fläschchen muss erst zubereitet werden und das dauert einen Augenblick. In dieser Zeit kann sich Dein Kind ins Weinen hinein steigern und wenn die Flasche dann fertig ist, ist es vielleicht zu aufgebracht, um in Ruhe zu trinken. Darum solltest Du möglichst genau darauf achten, immer saubere Flaschen und eine abgemessene Menge Milchpulver, Wasser etc. bereit zu haben, damit es schnell geht. Mache Dich mit dem Trinkrhythmus Deines Babys vertraut und bereite die Flasche zu, wenn es an der Zeit ist.

Ist Dein Baby zu aufgewühlt weil es warten musste, beruhige es erst ein wenig, damit es ohne Schluchzer trinken kann.

In Ruhe füttern

Achte beim Füttern auf eine ruhige Atmosphäre. Lass den Fernseher, das Radio etc. aus und sorge für wenig Ablenkung. Die „Ess-Erfahrungen“ Deines Babys können sich auf sein späteres Essverhalten auswirken. Sich Zeit nehmen und auf das Essen konzentrieren sind die beste Vorbeugung gegen spätere Essprobleme.

Aufstoßen lassen

Bei den meisten Flaschen lässt es sich kaum vermeiden, dass mit der Milch auch viel Luft geschluckt wird. Dies kann dazu führen, dass das Baby viel spuckt oder Bauchweh bekommt. Mache daher beim Füttern viele Pausen und lass Dein Baby das „Bäuerchen“ machen. Wenn Du Dein Baby an Deine Schulter legst (Spucktuch über die Schulter legen!) streiche sanft den Rücken auf und ab. Die meisten Babys beginnen dann, sich zu strecken und lassen dabei die Luft entweichen.

Genug ist genug

Die Maßangaben auf der Milchpackung entsprechen vielleicht nicht dem Hunger Deines Kindes. Wenn Dein Kind spürt, dass es satt ist, dann ist es wirklich satt und Du solltest nicht versuchen, den verbliebenen Rest der Flasche auch noch in es hinein zu füttern. Du kannst Dich auf das Sättigungsgefühl Deines Babys verlassen und solltest jede Überfütterung vermeiden. Neben zusätzlichem Spucken, kann es auch zu Übergewicht führen.

Der richtige Mix macht’s

Die Zubereitungsangaben des Milchherstellers sind genau einzuhalten. Zu wenig oder zu viel Milchpulver in der vorgesehenen Wassermenge kann zu Fehlernährung oder Übergewicht führen.

Es sollte stets abgekochtes Wasser verwendet werden. Wenn in eurem Haus alte Bleirohre oder sehr neue Kupferrohre verlegt sind, solltest Du auf abgepacktes Wasser zurückgreifen. Hier muss der Nitratgehalt jedoch unter 10mg/l liegen. Achte auf den Hinweis „geeignet zur Zubereitung von Säuglingsnahrung“.

Auch solltest Du die Milch nicht schon Stunden vorher zubereiten. Selbst wenn sie im Kühlschrank steht, können sich in der Milch Keime vermehren. Für die Nacht kannst Du die notwendige Pulvermenge abmessen, Wasser kochen und in einer sauberen Thermoskanne verwahren. So geht es schnell und Du kannst bald wieder zurück ins Bett kriechen.

Erwärme Babys Milchflasche niemals in der Mikrowelle! Die Erhitzung in der Mikrowelle ist ungleichmäßig und es kann zu sogenannten „hotspots“ kommen. Nicht nur, dass dabei hitzeempfindliche Vitamine zerstört werden können, Dein Baby kann sich auch den Mund verbrennen.

Nicht im Bett trinken lassen!

Vermeide wirklich von Anfang an, Dein Baby im Bett bzw. zum Einschlafen zu füttern. Solche Rituale sind schwer wieder abzugewöhnen und schon bald wird Dein Baby „Bett und Flasche“ nicht mehr von einander trennen können. Zahnschäden können die Folge sein und Dein Baby wird nicht mehr ohne Flasche einschlafen wollen -selbst nicht, wenn es in der Nacht einmal wach wird. Eltern erleben dann oft, dass sie die Flasche selbst noch nach dem ersten Geburtstag mehrfach in der Nacht nachfüllen müssen, damit es wieder einschlafen kann. Neben der dauerhaften Schlafunterbrechung birgt das auch das Problem, dass die Windel diese Mengen über Nacht nicht aufnehmen kann …

Lass beim abendlichen Ritual die Flasche der Beginn sein und dann wickeln, spielen und evtl. singen das Einschlafen einläuten.

Sauberkeit

Flaschen müssen vor allen Dingen gut abgewaschen werden! Milchreste sind ideale Keimböden. Manche Hygieniker vertreten gar die Meinung, dass eine gut ausgewaschene Flasche genügt und nicht noch extra ausgekocht werden muss. Dennoch ist es vielleicht ratsam, in den ersten Monaten die Flaschen möglichst keimfrei zu reinigen. Die beste Methode ist das Abkochen in Wasser, z.B. so:

  • Nach dem Abwaschen 3 Minuten in kochendes Wasser geben.
  • Ein sauberes Geschirrtuch ausbreiten und die Flaschen und Sauger mit einer Zange aus dem kochenden Wasser nehmen und darauf ablegen – die Flaschen „kopfüber“ abstellen.
  • Mit einem sauberen Geschirrtuch bedecken.

Lies mehr über die richtigen Methoden zur Reinigung von Flaschen  …

Welche Nahrung?

Das Regal im Supermarkt ist voller Baby-Milchpackungen, wofür soll man sich entscheiden? Zunächst einmal – bevor es um die Frage des Herstellers und des Preises geht – solltest Du überlegen, was Dein Baby braucht:

  • HA-Milch: Ist Dein Baby allergiegefährdet, z.B. weil bei Dir oder Deinem Partner Allergien vorliegen? Dann ist „HA“-Nahrung für Dein Baby im ersten Lebensjahr die Lösung. Zwar kostet sie ein wenig mehr, kann aber das Risiko von Allergien deutlich  verringern.
  • Pre-Nahrung: Diese Nahrung ist für die ersten Lebenswochen und evtl. -monate ideal. Solange Dein Kind von dieser Milch satt wird, brauchst Du nicht auf andere Sorten umzusteigen. Als einziges Kohlenhydrat enthält die Pre-Nahrung „Lactose“. Pre-Nahrung wird auch „adaptierte Milch“ genannt.
  • 1-Nahrung: Reicht die Pre-Nahrung nicht mehr aus oder verliert das Baby an Gewicht, wird meist der Umstieg auf 1-Nahrung empfohlen. Sie enthält mehr Kohlenhydrate in Form von Saccharose und ist daher sättigender. 1-Nahrung wird auch „teiladaptierte Milch“ genannt.
  • 2-Nahrung / Folgemilch: Diese Milch enthält mehr Kohlenhydrate und wird von vielen Ernährungsexperten weniger empfohlen. Sie ist ab dem 4 Monat verwendbar, gilt aber aufgrund der vielen Kohlenhydrate als Dickmacher. 2-er Nahrung basiert auf Kuhmilch.

Schlechtes Gewissen?

Du stillst nicht – na und? Falls Du das Gefühl hast, dass stillende Mütter Dich schief ansehen, dann sei versichert, dass diese sich auch oft schief angesehen fühlen wenn sie ihr Kind anlegen. Wozu dieser Grabenkrieg? Am Ende zählt doch, dass es den Kindern gut geht – und denen geht es meist dann am Besten, wenn es den Müttern auch gut geht. Wenn du die Flasche gibst, dann wirst Du Dir die Sache sicher gründlich überlegt haben. Du hast festgestellt, was für Euch am besten funktioniert – steh dazu! In einem Jahr wird Dich niemand mehr fragen, ob du gestillt oder mit Flasche gefüttert hast.