Kinder sind unbezahlbar. Der Kostenfaktor Kinderwunsch

Kinder sind unbezahlbar. Der Kostenfaktor Kinderwunsch

Die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen, ihre Entwicklung mitverfolgen zu können, sie von den ersten Schritten bis zum selbstständigen Leben beobachten und begleiten zu können – das sind für die Eltern unschätzbar wertvolle und mit keinem Geld der Welt zu bezahlende Erfahrungen. Klar ist dennoch, dass der Kinderwunsch seinen Preis hat: Rund 130.000 Euro nämlich, das hat das Statistische Bundesamt ermittelt, kostet die Versorgung eines Kindes bis zu seinem 18. Lebensjahr.

Das sollte Dich aber nicht schocken und schon gar nicht von der Realisierung Deines Kinderwunsches abhalten. Denn obwohl das Geld an verschiedenen Stellen natürlich einen Unterschied machen kann, ist es nun einmal längst nicht alles – Kinder sind und bleiben unbezahlbar.

fotolia.com © kichigin19

Es sollte das Letzte sein, worüber Du Dir Gedanken machst, wenn es um die Kinderplanung geht – trotzdem wird das liebe Geld immer ein Thema sein, denn mehr Haushaltsmitglieder bedeuten nun mal höhere Kosten. Das ist eine einfache Rechnung, die in den Medien gerne unter der Fragestellung „Was kostet ein Kind wirklich?“ behandelt wird, was bei Eltern wiederum fast zwangsläufig die Frage „Können wir uns das überhaupt leisten?“ aufwirft.

Wäre man überkritisch könnte man an dieser Stelle anmerken, dass Kinder keineswegs nur materielle Bedürfnisse haben, dass es deswegen nicht in eine reine Kostenkalkulation ausarten sollte, sie aufzuziehen. Es geht bei der Erziehung Deines Kindes auch nicht um eine teure Anschaffung, bei der der Nutzen (und sei es nur der Spaß an eben dieser Anschaffung selbst) den Kosten gegenüber gestellt werden könnte. Wie sollte das bei einem Kind funktionieren?

Noch dazu verfälschen Durchschnittswerte, ganz gleich von wem sie ermittelt werden, den Blick für das Wesentliche: Die Kosten für Dein Kind mögen zwar schlussendlich auf einen sechsstelligen Betrag hinauslaufen, allerdings über einen Zeitraum von 18 Jahren. Das relativiert den notwendigen finanziellen Aufwand doch schon ein wenig. Die Summe muss also keineswegs in ihrer gesamten Höhe sozusagen zum Geburtstermin bereitliegen. Genauso wenig, wie Du zur Vollendung des 18. Lebensjahres Deines Kindes mit einer Übersicht der bis dahin verursachten Kosten aufwarten wirst.

Kinder wissen oft genug schon selbst, was ihnen gefällt, allerdings wissen sie eben noch nicht, die damit verbundenen Kosten einzuschätzen.
Kinder wissen oft genug schon selbst, was ihnen gefällt, allerdings wissen sie eben noch nicht, die damit verbundenen Kosten einzuschätzen. fotolia.com © Kadmy

Das läuft letztlich auf Folgendes hinaus: So sehr der Faktor Geld selbstverständlich eine Rolle spielen wird, bei Deiner Entscheidung für ein Kind sollte er nicht das ausschließliche Argument sein. In erster Linie geht es darum, die Verantwortung für einen neuen Menschen zu übernehmen bzw. übernehmen zu wollen. Dazu gehören eben auch Ausgaben für Nahrung und Kleidung, für Betreuung und Ausbildung. Investitionen, die Dein Kind nicht zurückzahlen kann – nicht mit Geld jedenfalls. Und deshalb sollte es auch nicht mit Geld aufgewogen werden.

Die Budgetfrage

Zugegeben, nach den einleitenden Worten mag die Frage nach dem „Budget“ möglicherweise widersprüchlich wirken. Nur um das einmal mehr klarzustellen: Dass es mit Kosten verbunden ist, wenn es im Familienhaushalt einen weiteren Kopf zu versorgen gilt, dürfte nicht zur Debatte stehen. Dass diese Kosten mit Deiner Einkommenssituation in Einklang gebracht werden müssen – ebenfalls völlig klar. Angesichts statistischer Erhebungen und durchschnittlicher Resultate darfst Du aber nicht vergessen, wie sehr sich Untersuchungen zu den Kosten der Kindererziehung von Deiner alltäglichen Erfahrung unterscheiden können. Allgemeingültige, pauschale Aussagen sind deswegen kaum möglich.

Einkommensunterschiede zwischen Paaren und Alleinerziehenden

Das liegt beispielsweise schon an den unterschiedlich hohen Budgets, die etwa Paaren und Alleinerziehenden für die Versorgung ihrer Kinder zur Verfügung stehen. Das Statistische Bundesamt kam in einer 2014 veröffentlichen Studie zu den Konsumausgaben von Familien für Kinder zu dem Schluss, dass sich die verfügbaren Einkommen zwischen diesen Gruppen auf ganz unterschiedliche Weise entwickeln.

  • Bei Paaren mit Kindern konnte für den damals maßgeblichen Untersuchungszeitraum ein Anstieg des Erwerbseinkommens festgestellt werden – der mit jedem weiteren Kind höher ausfiel. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einem generell höheren Einkommen bis hin zu Vermögenseinnahmen. Auch selbstgenutztes Wohneigentum schafft unter Umständen finanzielle Freiräume, die Mietzahlungen nicht erlauben würden.

Ganz gleich, worauf das finanzielle Mehr beruhte, es war in jedem Fall ausreichend, um steigende Verbraucherpreise abzufangen.

Die Entwicklung bei den Alleinerziehenden sah hingegen deutlich anders aus, denn trotz leicht ansteigender Einkommen lagen die verfügbaren Geldmittel nicht nur hinter denen von Paaren mit Kindern, sondern auch hinter dem Gesamtdurchschnitt zurück.

Alleinerziehende haben auch in der Budgetfrage deutlich schwierigere Voraussetzungen als Paare.
Alleinerziehende haben auch in der Budgetfrage deutlich schwierigere Voraussetzungen als Paare. fotolia.com © Ingo Bartussek

Dem stehen zwei weitere Phänomene gegenüber, die für die Einkommenssituation Alleinerziehender von Bedeutung sind: Zum einen sank der Anteil der sogenannten Transferleistungen, also von Unterhaltszahlungen, Kindergeld oder ähnlichen Leistungen. Zum anderen sind Alleinerziehende mit der höchsten Steuerbelastung konfrontiert, die zu einer weiteren Schmälerung des Geldbeutels führt.

  • Positiv, wenn man so will, konnte jedoch eine weitgehende Angleichung der Einkommen von alleinerziehenden Elternteilen in Ost und West vermeldet werden. Was angesichts der bedingt positiven Entwicklung der Einkommen mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden kann.

Andererseits waren die Ost-West-Unterschiede der Einkommen von Paaren deutlich größer, was den Trends des Arbeitsmarktes geschuldet war, der sich in Westdeutschland erheblich günstiger entwickelte.

Die Konsequenzen: Wer für was wieviel aufwenden kann

Die Folgen der unterschiedlichen Einkommenssituationen liegen auf der Hand: Wer weniger zur Verfügung hat, kann auch nur weniger ausgeben. Das ändert jedoch nichts an der Gewichtung der einzelnen Rechnungsposten im Allgemeinen. In allen Familien gilt:

  • Wohnen und Energie verursachen die höchsten Ausgaben.
  • Insgesamt steht vor allem die materielle Grundversorgung mit Nahrung, Kleidung und einem Dach über dem Kopf im Vordergrund, allerdings mit leichten Unterschieden – rund 60 Prozent der gesamten Konsumausgaben wurden von alleinerziehenden Eltern dafür aufgewendet, bei Paaren liegt der Anteil leicht über 50 Prozent.
  • Was nach einem Nachteil klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung allerdings als Vorteil: Die „eingesparten“ Ausgaben stehen Paaren nämlich an anderer Stelle zur Verfügung, was insbesondere Angeboten jenseits der Grundversorgung zu Gute kommt. Entsprechend häufiger können sich Kinder von Paaren über einen Restaurantbesuch oder kulturelle Aktivitäten freuen – also Dinge, für die Alleinerziehenden schlichtweg die finanziellen Ressourcen fehlen, wenn sie sich nicht verschulden wollen.

Wenig überraschend kommt vor diesem Hintergrund die Erkenntnis, dass einkommensschwache Haushalte sehr viel weniger für ihre Kinder ausgeben als einkommensstarke. Das liegt ausschließlich an den unterschiedlichen finanziellen Grundvoraussetzungen: Beide Haushaltstypen mögen einen ähnlich hohen Anteil an Konsumausgaben vorweisen, wenn allerdings das zugrundeliegende Einkommen deutlich höher ist, sind folgerichtig die aufgewendeten Summen höher.

Die Rechnungsposten

Ganz gleich allerdings, was Du verdienst, die grundlegenden Bedürfnisse Deines Kindes unterscheiden sich nicht von denen anderer Kinder. Alle Kinder brauchen Essen, Kleidung, ein Zuhause. Sie brauchen Betreuung, spätestens wenn Du wieder arbeiten gehen möchtest. Sie benötigen medizinische Versorgung, um ihre Gesundheit gewährleisten zu können. Alle diese Punkte sind wichtig und dürfen nicht zu kurz kommen, sie fallen aber durchaus verschieden schwer ins Gewicht.

Quelle: Konsumausgaben von Familien für Kinder. Berechnungen auf der Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008, Tab. 6
Quelle: Konsumausgaben von Familien für Kinder. Berechnungen auf der Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008, Tab. 6 fotolia.com © Africa Studio

Die Problematik bei der Erfassung der Kosten: Es lassen sich kaum alle individuellen Unterschiede der Lebenssituationen von Eltern und Kindern soweit berücksichtigen, dass eine pauschale Aussage möglich wäre. Hinzu kommt, dass die Konsumausgaben nicht die einzigen Kosten sind, die für ein Kind anfallen: Ausgaben für Vorsorge und Versicherung sind bei den statistischen Erhebungen gar nicht berücksichtigt. Sie sind aber ebenfalls nicht zu vermeiden und schlagen noch oben auf die Rechnung des Statistischen Bundesamtes drauf. Die – auf das Alter der Kinder bezogenen – Ausgaben von rund 520 Euro für die Jüngsten bis 700 Euro für die Ältesten dürften daher noch höher liegen, wenn wirklich alle Kostenfaktoren aufgegriffen würden.

Du wirst am Ende aber selbst am besten wissen, wie viel Geld dir im Monat zur Verfügung steht und wie viel davon wo hingeht. Nichtsdestotrotz dürfte die Tendenz der Anteile an den Gesamtausgaben plus/minus den einen oder anderen Prozentpunkt nah genug an der Realität dran sein.

  • Wohnen und Energie

Ohne sonderlich große Überraschung verursachen Wohnung und Energieverbrauch den größten Kostenanteil. Das ist deswegen so wenig überraschend, weil es in gleicher Weise für Haushalte ohne Kind wahr sein dürfte, wenn auch in einem anderen Umfang. Der Anteil liegt durchweg bei etwa 30 Prozent der monatlichen Gesamtausgaben.

  • Kleidung und Ernährung

Der nächstgrößere Posten der Gesamtrechnung sind die Ausgaben für Bekleidung und Lebensmittel. Allerdings verschiebt sich die Gewichtung mit zunehmendem Alter, so dass die Ausgaben für Teenager und Heranwachsende in diesem Bereich – logischerweise – höher ausfallen als bei kleinen Kindern. Ebenso unterschiedlich fällt die Höhe der Ausgaben zwischen Eltern und Kindern generell aus, denn bei den Erwachsenen kommen die Kosten für die Mobilität noch deutlich vor denen für Essen und Getränke.

Überschaubare Unterschiede von lediglich ein paar wenigen Prozentpunkten gibt es hingegen bei der Kleidung für Erwachsene und Kinder.

Ob groß oder klein, gegessen wird immer – allerdings machen sich Altersunterschiede auch bei den Ausgaben für Lebensmittel bemerkbar.
Ob groß oder klein, gegessen wird immer – allerdings machen sich Altersunterschiede auch bei den Ausgaben für Lebensmittel bemerkbar. fotolia.com © pololia
  • Mobilität

Die Kosten für die Verkehrsteilnahme steigen hingegen kontinuierlich und übergreifend an. Das mag mit steigenden Kosten für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr zusammenhängen und Kraftstoff zusammenhängen, spiegelt aber gleichzeitig die Notwendigkeit zu größerer Mobilität wieder. Das betrifft Wege zu den Betreuungsangeboten genauso wie zu den Freizeitaktivitäten. Je nach Qualität und Ausbau der umliegenden Infrastruktur ist der Rückgriff auf ein Verkehrsmittel dabei unerlässlich.

  • Betreuung und andere Dienstleistungen

Insbesondere bei der Betreuung zeigt sich – naturgemäß – ein umgekehrter Trend zu Bekleidung und Ernährung: In diesem Punkt sind es die ganz Kleinen, die höhere Kosten verursachen. Mit dem Erreichen des schulpflichtigen Alters verlieren Betreuungsangebote an Bedeutung, dafür werden Ausgaben für die Bildung (und zwar schulisch wie außerschulisch, siehe unten) wichtiger. Dass die Ausgaben im Gesamtdurchschnitt steigen, dürfte unter anderem mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für die Unter-Dreijährigen zusammenhängen. Damit dürfte die Zahl der Kinder, die schon frühzeitig von einem solchen Angebot profitieren ebenso steigen wie die durchschnittlichen Kosten.

Obwohl es in dieser Hinsicht übrigens allen Eltern ein Anliegen ist, den Kindern schon frühestmöglich den Zugang zu Bildungs- und Betreuungseinrichtungen zu ermöglichen (was umgekehrt  auch einer gewissen Notwendigkeit geschuldet ist, kein Einkommen zu verlieren), ist die Umsetzung dieses Wunsches jedoch bisweilen von der Einkommenssituation abhängig: Besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien werden vielfach in den ersten Jahren ausschließlich zu Hause betreut.

Ob groß oder klein, gegessen wird immer – allerdings machen sich Altersunterschiede auch bei den Ausgaben für Lebensmittel bemerkbar.
Ob groß oder klein, gegessen wird immer – allerdings machen sich Altersunterschiede auch bei den Ausgaben für Lebensmittel bemerkbar. fotolia.com © Andrey Kuzmin

Wer nur mit einem niedrigen Einkommen auskommen muss und zusätzlich keine Unterstützung von Seiten der Gemeinden bekommt (etwa in Form einer Freistellung von Elternbeiträgen), muss die anfallenden Kosten deswegen wesentlich genauer kalkulieren – nicht zuletzt deshalb, weil neben den Beiträgen weitere Ausgaben für Mittagessen, Ausflüge etc. geschultert werden müssten.

Allerdings ist nicht allein das Einkommen maßgeblich bei der Entscheidung für oder gegen eine institutionelle Betreuung. Eine Rolle spielen daneben genauso der Familienstand, das Bildungsniveau der Eltern, die Anzahl von Geschwisterkindern oder die generelle Einstellung zur Kinderbetreuung.

  • Gesundheit und Absicherung

Was die Gesundheit der Kinder anbelangt, machen sich die Unterschiede hauptsächlich im Bereich der Ernährung bemerkbar. Das liegt vornehmlich an den Schwierigkeiten, mit einem begrenzten monatlichen Budget eine gesunde Ernährungsweise zu gewährleisten, die dauerhaft zu einer positiven Entwicklung (immerhin trägt das richtige Essverhalten dazu bei, Diabeteserkrankungen und Übergewicht schon im Kinderalter zu vermeiden) beiträgt. Dabei wäre dieser Punkt umso wichtiger, weil gerade Fettleibigkeit durch Folgeerkrankungen nur noch mehr Kosten verursacht.

Solche Kosten für die medizinische Versorgung werden auf unterschiedliche Weise gehandhabt, das heißt konkret, die Krankenkassen übernehmen manche Leistungen, andere wiederum nicht. Bei zahnärztlichen Behandlungen gilt die Kostenübernahme  in erster Linie für die verschiedenen Stufen der Individualprophylaxe, die jedoch erst zwischen dem sechsten und vollendeten 17. Lebensjahr in Anspruch genommen werden können.

Die zusätzlichen Kosten, wie sie etwa im Zuge einer kieferorthopädischen Behandlung oder bei notwendigem Zahnersatz (Unfälle lassen sich nun mal nicht immer verhindern) anfallen, musst Du wiederum selbst tragen. Unter Umständen sind das nicht unerhebliche Ausgaben, die noch dazu je nach Region deutlich voneinander abweichen können. Die einzige Lösung, diese Kosten abzufangen, eine Zahnzusatzversicherung für Kinder, kostet allerdings ihrerseits wieder.

An anderen Stellen sorgt das Gesundheitssystem allerdings für Entlastung: Die gesetzliche Krankenversicherung befreit beispielsweise Kinder bis zum 18. Lebensjahr von Arzneimittel-Zuzahlungen – darüber hinaus kannst Du Dir bei einem Kind unter 12 Jahren sogar sämtliche Arzneimittel erstatten lassen, selbst wenn diese nicht rezeptpflichtig sind. Das gilt übrigens gleichermaßen für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen.

Impfungen gehören ebenfalls zu den regelmäßigen Gesundheitsdienstleistungen, die Du unbedingt wahrnehmen solltest.
Impfungen gehören ebenfalls zu den regelmäßigen Gesundheitsdienstleistungen, die Du unbedingt wahrnehmen solltest. fotolia.com © Picture-Factory

Apropos: Damit eventuelle Probleme bei der Entwicklung möglichst früh erkannt werden können, werden für Kinder bis zum 6. Lebensjahr die sogenannten U-Untersuchungen angeboten. Bei dieser Früherkennung werden verschiedene Faktoren untersucht, die womöglich sogar Spätfolgen für die Entwicklung Deines Kindes haben können, von Verhaltensauffälligkeiten über mögliche chronische Erkrankungen bis hin zur Zahngesundheit. Das Angebot ist kostenlos, es ist lediglich erforderlich, dass Du die entsprechenden Zeitspannen für die Untersuchungen einhältst.

  • Bildungsausgaben

Schulbildung ist zuallererst Aufgabe der öffentlichen Institutionen, das meint den Bund, die Länder und die Gemeinden. Diese tragen einen Großteil der Kosten für die Bildung der Kinder, aber eben nicht alle. Dabei sind sie aus mindestens zwei Gründen besonders wichtig:

  • Sozusagen als Fördermaßnahme kannst Du mit privaten Bildungsangeboten maßgeblich auf den späteren schulischen und beruflichen Werdegang Deines Kindes Einfluss nehmen.
  • Solche Maßnahmen und Angebote kosten allerdings Geld, also musst Du möglicherweise bei anderen Konsumausgaben sparen.

Dass Familien in der Tat einen ganz erheblichen Teil ihrer Einkommen für Bildungsausgaben aufbringen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW durch seine Untersuchungen bestätigt. Wie schon an verschiedenen anderen Stellen wiederholt sich dabei das aufgezeigte Muster – bei höheren Einkommen liegen die Ausgaben ebenfalls höher. Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren, die sich auf die Bildungsausgaben auswirken. Dennoch kommt auch das DIW zu dem einfachen Schluss: Wer ein höheres Einkommen hat, gibt häufiger und mehr Geld für Bildung aus.

Vergleichst Du diese Erkenntnisse mit denen des Statistischen Bundesamtes, muss jedoch eines berücksichtigt werden, gerade wenn es um die Aufteilung der Kosten im Familienbudget geht: Das Bundesamt trennt zwischen den Ausgaben für Bildung und denen für Horte, Krippen, Spielgruppen, Kindergärten, Vorschulklassen und Kinderfreizeiten (die eher unter Kinderbetreuung gefasst werden). Das DIW unterscheidet hingegen nur zwischen formalen und non-formalen bzw. informellen Bildungsausgaben (Kindertagespflege, musische und sportliche Aktivitäten, Nachhilfeunterricht etc.).

  • Freizeitaktivitäten

Die Grenze zwischen Freizeitaktivität und Bildungsangebot ist manchmal fließend – Musikunterricht und Sport finden selbstverständlich nach der Schule statt und obwohl sie auch einem Bildungsziel folgen, sind sie zugleich Hobbys und damit der Freizeit zuzuordnen.

Wie weit die Überschneidungen gehen, zeigt sich auch daran, dass das Statistische Bundesamt die Ausgaben für Bücher, Zeitschriften und Schreibwaren (und das umfasst das volle Spektrum von Stiften über Schulhefte bis zu Klebstoff) hierunter aufgreift, genauso wie Spielwaren und Reisen. Allerdings ist dieser Bereich mit „Freizeit, Unterhaltung und Kultur“ recht weit gefasst. Insgesamt liegt der Anteil an den monatlichen Konsumausgaben mit 12 bis 16 Prozent noch vergleichsweise hoch. Dennoch sind die Zahlen rückläufig, weil etwa das Wohnen und die Energiekosten steigen und damit weniger finanzielle Spielräume übrig lassen.

Am Ende braucht Dein Kind eben doch mehr als Liebe und Geborgenheit.
Am Ende braucht Dein Kind eben doch mehr als Liebe und Geborgenheit. fotolia.com © Halfpoint

Was bleibt unberücksichtigt? Der Bericht des Bundesamtes greift zum Beispiel das Thema „Erstausstattung“ für Dein Baby bestenfalls sehr bedingt unter „sonstige Konsumausgaben“ auf, eine explizite Erwähnung finden notwendige Ausgaben für Fläschchen, Kinderwagen, die Kinderzimmerausstattung etc. nicht. Das ist unter Umständen auch schwer zu erfassen, weil es sehr individuelle Ausgaben sind, die noch dazu bei einem weiteren Kind gar nicht mehr auftreten, weil die Dinge bereits vorhanden sind. Hieran wird aber einmal mehr deutlich, wo die Grenzen solcher Erhebungen in der Konfrontation mit dem Alltag liegen.

Kleine Kinder, kleine Ausgaben – große Kinder…

… große Ausgaben? Das ist in der Tendenz wohl richtig, was keine sonderliche Überraschung darstellen dürfte. Allerdings, das wurde ja schon angemerkt, kann das im Detail doch anders aussehen. Der Vergleich zwischen den Jüngsten (unter 6 Jahren) und den Ältesten (zwischen 12 und 18 Jahren) zeigt, wo die Unterschiede liegen. Die zeigen sich besonders bei der materiellen Grundversorgung mit Kleidung und Nahrung, sowie den sonstigen Konsumausgaben, zu denen neben Anschaffungen für den Haushalt aus Ausgaben für die Gesundheitsversorgung gehören. Auch die Höhe des Taschengeldes steigert sich bei Kindern und Jugendlichen in der Regel. Die Ausgabenstruktur gewinnt so mit jedem Jahr eine neue Komplexität.

Quelle: Konsumausgaben von Familien für Kinder. Berechnungen auf der Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008, Abb. 3 und 4
Quelle: Konsumausgaben von Familien für Kinder. Berechnungen auf der Grundlage der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008, Abb. 3 und 4 fotolia.com © Africa Studio

Ein Schatz fürs Leben

Ja, Dein Kind wird Kosten verursachen. Darüber muss nicht gestritten werden, denn es ist die unumstößliche Wahrheit. Und diese Kosten können ganz erheblich sein, was ebenfalls unstrittig ist. Was Du jedoch keineswegs tun solltest, ist Dein Kind mit seinem finanziellen/materiellen Gegenwert aufwiegen. Weil das schlichtweg unmöglich ist. Kinder haben keinen messbaren Wert, schon gar nicht in Geld. Deswegen sind die Zahlen zu den Konsumausgaben letzten Endes auch sehr relativ. Denn Kinder sind und bleiben unbezahlbar.