Milchbildung anregen: Was tun, bei zu wenig Milch?

Milchbildung anregen: Was tun, bei zu wenig Milch?

Stillmütter haben es nicht immer leicht: Sie können nicht sehen, wie viel Milch ihr Baby trinkt. Ist es dann nörgelig, bleibt immer die Frage, ob es denn auch satt geworden ist. Oft denken Mütter, dass sie vielleicht nicht genug Milch haben, um ihr Baby zu stillen. Doch wie kann man wissen, ob die Milch reicht und wie kann man im Bedarfsfall die Milchproduktion erhöhen?

Mutter stillt ihr Kleinkind auf einem Sessel
©Angie Mahlke via Twenty20

Was fehlt meinem Baby?

Die kleine Lena ist 2 Wochen alt. Wenn sie an der Brust ihrer Mutter getrunken hat, läuft ihr noch ein Tröpfchen Milch aus dem Mundwinkel und beim Bäuerchen kommt ein kleiner Schwung Muttermilch heraus – kein Zweifel, das Kind ist satt. Anders sieht es beim kleinen Carl aus. Er ist ebenfalls zwei Wochen alt, möchte praktisch pausenlos an die Brust und weint dazwischen viel. „Ich glaube, ich habe nicht genug Milch, um ihn satt zu bekommen“, fürchtet seine Mutter. Mit dieser Sorge ist sie nicht allein, viele stillende Mütter sind ähnlich verunsichert.

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Zunächst einmal muss man sich klar machen, dass auch Flaschen-Babys oft sehr weinerlich sind, obwohl sie messbar satt gefüttert wurden. Das Weinen von Babys steht also nicht unbedingt im Zusammenhang mit dem Füllstand des Magens. Das Trinken an der Brust ist für Babys aber viel mehr, als nur Nahrungsaufnahme: Es bedeutet Nähe, das Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit, Wärme, beruhigendes nuckeln, der Geruch der Mutter, … manche Babys brauchen diese Dinge mehr, andere hingegen weniger. Wichtig ist, zu verstehen, dass ein Baby beim Stillen (oder nuckeln an der Brust) auch emotional gefüttert wird. Der Hautkontakt spielt dabei eine Rolle. Gerade in den Phasen des Wachstumsschubs braucht das Baby mehr Nahrung aber auch mehr Nähe.

Und während das eine Baby klischeehaft viel schläft und zufrieden ist, kommt ein anderes mit einem anderen Temperament und stärkeren Bedürfnissen zur Welt. Auch die Geburtserfahrung kann hierbei eine wichtige Rolle spielen. Außerdem wird die auch Stimmungslage der Mutter auf das Baby übertragen: Ist sie angespannt, gestresst oder unsicher, wird ihre Körperspannung dies dem Baby signalisieren und es in Alarmbereitschaft versetzen. Ist die Mutter hingegen entspannt, gelöst und sicher, kann sich auch das Baby gut beruhigen und entspannen.

Wird mein Baby satt?

Mütter, die Zweifel daran haben, dass das Baby genug Milch bekommt, können mit Hilfe einer Waage kontrollieren, wie viel das Baby trinkt. Eine Babywaage wiegt recht genau, und wer sein Baby direkt vor und nach dem Stillen (in gleicher Kleidung und ohne zwischendurch zu wickeln) wiegt, bekommt durch die Gewichtszunahme eine ungefähre Vorstellung davon, wie viel das Baby getrunken hat.  Allerdings neigen manche Mütter dazu, ihr Kind stets vor und nach dem Stillen zu wiegen, und das führt dann oft zu Stress wenn das Kind weniger trinkt, denn eine Baby hat – wie jeder Mensch – auch mal weniger Hunger. Auch ändert sich die Zusammensetzung der Milch und ist mal mehr und mal weniger sättigend. Die zuverlässigste Methode, um herauszufinden ob das Baby genügend Nahrung bekommt, ist, es regelmäßig ein Mal in der Woche zu wiegen:

  • Nimmt das Kind pro Woche 115 – 230 g zu, ist alles in Ordnung.
  • Stagniert das Gewicht oder ist die Gewichtszunahme geringer als 115 g pro Woche, sollte man Babys Gewicht ein paar Tage im Auge behalten und mit der Hebamme / dem Kinderarzt darüber sprechen.
  • Verliert das Baby an Gewicht, sollte man die Hebamme informieren oder den Kinderarzt aufsuchen.

 

Auf diese Getraenke solltest du beim Stillen verzichten

Weitere Anzeichen, dass das Baby genügend Milch bekommt, sind:

  • 5 – 8 nasse Windeln am Tag.
  • Das Baby trinkt 8 – 12 Mahlzeiten am Tag.
  • Du hörst Dein Baby beim Trinken schlucken.
  • Beim Aufstoßen oder nach dem Trinken spuckt das Baby etwas Milch (kann, muss aber nicht so sein).

Während bei manchen Frauen die Milch auch ohne zu stillen aus der Brust läuft und sie mit Stilleinlagen die Fluten eindämmen müssen, kommt bei anderen Frauen freiwillig kaum ein Tropfen heraus. Wenn Du zu der zweiten Gruppe Frauen gehörst, dann solltest Du dies nicht als „Milchmangel“ interpretieren: Dein Milchspendereflex ist wahrscheinlich einfach nur nicht so stark.

Beim Abpumpen kommt nur wenig Milch

Wenn Mütter sich ein wenig mehr Freiraum wünschen, dann können sie Muttermilch mit der Hand ausstreichen oder mit einer Pumpe abpumpen. Dabei stellen manche Frauen fest, dass sie nur unter großer Mühe auf eine Menge von vielleicht 30 ml oder gar weniger kommen. Ist dies ein Zeichen für zu wenig Milch?

Das Ausstreichen oder Abpumpen von Milch entspricht leider nicht dem Saugen des Babys. Es ist zudem praktisch unmöglich, mit einer Milchpumpe an der Brust oder während man mit der Hand ausstreicht, eine entspannte Körper- und Geisteshaltung zu bewahren. Beides sind aber wichtige Voraussetzungen für den Milchfluss. Auch technisch unterscheidet sich das Trinken des Babys von diesen alternativen Methoden. Wenig Milch in der Flasche ist also kein sicheres Zeichen für wenig Milch in der Brust, sondern vielleicht wieder ein Hinweis auf einen weniger ausgeprägten Milchspendereflex.

Auch muss man bedenken, zu welchem Zeitpunkt abgepumpt bzw. ausgestrichen wird: Hat das Baby gerade erst getrunken? Wie viel Zeit ist seit der letzten Stillmahlzeit vergangen, konnte sich seither genügend neue Milch bilden?

Die Milch ist so wässrig… kann die überhaupt satt machen?

Muttermilch unterscheidet sich deutlich von Kuhmilch – nicht zuletzt im Aussehen. Gerade in den ersten Tagen ist Muttermilch eher durchsichtig, dafür aber voll gepackt mit wichtigen Immunglobulinen, die das Baby für seine Abwehr benötigt. Auch im weiteren Verlauf des Stillens, ist es so, dass zunächst eine etwas flüssigere Milch heraus kommt, um Babys Durst zu löschen und dann die gehaltvollere, sättigende Milch. Darum ist es auch wichtig, dass beim Stillen immer eine Brust wirklich leer getrunken wird, bevor man das Baby an der anderen Seite anlegt oder wenn man während des Stillens zwischen den Seiten hin und her wechselt. Trinkt es von beiden Seiten nur die durstlöschende Milch, wird es schon bald wieder hungrig sein, und der Eindruck entsteht, dass es nicht genug Milch bekommen hat.

Wie wird mein Baby länger satt?

„Die Nachfrage bestimmt das Angebot“ – diesen Spruch hören frisch Entbundene meist schon in der Klinik. Je öfter das Baby trinkt, desto mehr Milch wird produziert. Wenigstens acht Stillmahlzeiten in 24 Stunden sollte das Baby bekommen. Schön und gut, aber man kann ja nicht den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und dem Baby die Brust geben. Zudem brauchen gerade in den ersten Wochen die Brustwarzen ab und zu eine Pause, um nicht wund zu werden bzw. um davon zu heilen. Was kann man also tun, wenn das Baby ständig hungrig ist?

Eine Grundvoraussetzung ist, dass die Milch auch wirklich sättigen kann. Wer sich nach der Geburt schnell von den Pfunden der Schwangerschaft trennen möchte und daher fett- und kohlehydratarm isst, kann nicht erwarten, eine gehaltvolle Milch zu produzieren. Es ist also wichtig, eine ausgewogene, gehaltvolle Ernährung und regelmäßige Mahlzeiten einzuhalten, damit das Baby die nötige Energie bekommt. Bevor man also über einen Wechsel zu Flaschennahrung nachdenkt, sollte man erst einmal versuchen, die eigene Ernährung den aktuellen Anforderungen anzupassen:

  • statt fettarmer Milch vielleicht ruhig mal Vollmilch verwenden
  • anstelle von Magerquark einfach mal zum Sahnejoghurt greifen
  • statt nur Salat lieber ein paar Kartoffeln dazu essen
  • statt Halbfettmargarine genieße mal Butter auf dem Brot
  • usw.

Top 3 Stillpositionen für Mama und Baby

Für Diäten ist später noch Zeit genug und das Stillen und Spazierengehen mit dem Kinderwagen wirken im Prinzip ja auch schon Figur fördernd. Das ist natürlich kein Freifahrtschein für Junk-Food und Sahnetorten! Die Ernährung sollte so natürlich wie möglich sein, wenig Konservierungs-, Farb- oder andere Zusatzstoffe enthalten, und auch Zucker sollte nur in geringen Maßen konsumiert werden:

  • Statt Schokolade also lieber eine Banane essen
  • statt Milchbrötchen besser ein Vollkornbrot oder Feinbrot
  • statt Honig-Pops lieber Cornflakes ohne Zucker aber dafür mit Erdbeeren oder Müsli

Du wirst bald merken, dass sich Deine Ernährung auf Dein Baby auswirkt und es um so zufriedener ist, je besser Du isst.

Die Milch scheint nicht so richtig zu fließen

Manchmal muss sich ein Baby schon sehr anstrengen, um an die Milch zu gelangen und wird dabei vielleicht frustriert, quengelt nach ein paar Schlucken und ist unruhig. Dann solltest Du ein paar Dinge überprüfen:

  • Sitze ich in einer bequemen Haltung?
  • Schnürt mein BH die Milchgänge ab?
  • Bin ich entspannt und ausgeruht?

Vielleicht sorgt ein Stillkissen unter den Ellenbogen für entspannte Schultern oder Du änderst die Stillhaltung, z.B. indem Du Dich mit Deinem Baby ins Bett legst und es somit in einer anderen Position stillst. Am Besten nimmst Du dabei den BH ganz ab. Gegen die innere Anspannung hilft wahrscheinlich Musik, die Du als angenehm empfindest oder die entspannend wirkt: Fahrstuhlmusik wie sanfter Jazz oder Blues (hör mal bei Till Brönner rein) oder Meditationsmusik.

Vielen Frauen hilft es, wenn ihr Mann ihnen während des Stillens sanft den Nacken und die Schultern massiert. Am Besten sitzt du dabei in einem Sessel und Dein Partner steht dahinter (siehe „Väter helfen beim Stillen„). Dies ist vielleicht keine praktikable Dauerlösung, es hilft aber durch die ersten Tage oder Wochen. Die Mundmuskulatur Deines Babys wird in dieser Zeit mit jeder Stillmahlzeit stärker und während die ersten beiden Wochen eine Mahlzeit vielleicht 45 Minuten dauert, wird es schon bald schneller gehen und sich mit der Zeit auf 15 bis 10 Minuten reduzieren.

Zusätzlich wirkt es sich positiv auf das Stillen aus, wenn die Mutter ausreichend Schlaf bekommt. Falls das nachts nicht möglich ist, nutzte tags die Ruhezeiten Deines Babys, um selbst ein wenig zu schlafen.

Ich habe zu kleine Brüste, also auch nur wenig Milch

Man muss nicht mindestens Körbchengröße D aufweisen, um viel Milch zu haben. Auch Frauen mit Größe A können viel Milch produzieren, u.U. sogar mehr als ihnen lieb ist. Zwei Hormone spielen beim Milchfluss eine wesentlich wichtigere Rolle als die Brustgröße: Prolactin und Oxytocin. Sie sind für den Milchfluss und die Menge verantwortlich. Wird das Baby gestillt, wird vor allen Dingen Oxytocin ausgeschüttet, welches nebenher auch noch für die Kontraktionen der Gebärmutter zuständig ist. Daher haben viele Frauen auch beim Stillen vermehrt Nachwehen, da sich die Gebärmutter dabei stärker zusammenzieht und  somit zurückbildet. Je öfter das Baby also gestillt wird, desto öfter wird auch Oxytocin ausgeschüttet, welches den Milchfluss und somit wiederum das Stillen fördert.

Stillkrisen

Zeiten, in denen man Zweifel daran hat, ob man weiterhin stillen kann, sollte oder möchte, gehören in der Stillzeit dazu. Es gibt vielleicht Tage, an denen Du denkst, dass Du das Genuckel an Deiner Brust nicht mehr magst oder Tage, an denen Du denkst, dass Dein Kind nicht ausreichend versorgt wird. Oft ist dies nur eine Krise von wenigen Tagen und dann bist Du mit dem Stillen wieder glücklich und zufrieden und möchtest es nicht missen.  Bevor Du Dich also kurzfristig entschließt, abzustillen, warte lieber ein paar Tage ab und gib der Sache eine zweite Chance. Hält das Gefühl an, dann ist vielleicht tatsächlich der Zeitpunkt zum Umstieg gekommen. Aber Du solltest Dir dabei sicher sein, denn Abstillen kann man jederzeit – später neu anfangen zu stillen ist meist nicht möglich. Auch lösen sich Probleme wie „schreien“ oder „nicht durchschlafen“ meist nicht durch einen Umstieg auf Flaschennahrung. Oft ist dies sogar kontraproduktiv, weil dann Verdauungsstörungen wie Verstopfung oder Bauchweh noch hinzu kommen.

Kann ich zufüttern?

Das Zufüttern von Flaschenmilch scheint vielen Müttern die beste Lösung, wenn das Baby nicht satt zu werden scheint. Hierbei muss man bedenken, dass, je seltener das Baby an der Brust trinkt, um so weniger Milch produziert wird. Hat das Baby also gerade einen größeren Bedarf, würde häufigeres stillen innerhalb weniger Tage für eine größere Milchmenge sorgen. Wenn man statt dessen Flaschenmilch zufüttert, trinkt das Baby wahrscheinlich eher seltener an der Brust und die Milchmenge reduziert sich. Oftmals ist das Zufüttern von Flaschenmilch also der Beginn des Abstillens und daher nicht zu empfehlen, wenn Du noch länger stillen möchtest.

Wann sollte ich dennoch zufüttern oder abstillen?

Wie bereits erwähnt, muss Dein Baby ausreichend versorgt werden und das erkennt man u.a. an seiner Gewichtszunahme. Nimmt das Baby nicht zu oder sogar ab, dann ist zusätzliche Flaschennahrung angebracht.

Ein anderer guter Grund ist, wenn die Mutter durch das Stillen oder aus anderen Gründen sehr gestresst ist und an ihre persönlichen Grenzen gerät. Stillen ist zwar die beste Nahrung für das Baby und stärkt die Bindung, jedoch nicht um jeden Preis. Wenn sich die Mutter durch das Stillen oder andere Umstände zu sehr gestresst fühlt, kann der Umstieg zur Flasche für Entlastung sorgen, auch wenn das Zubereiten der Nahrung und Reinigen der Flaschen zusätzliche Arbeit bedeuten.

Wenn möglich, sollte man dann jedoch versuchen, wenigstens eine Stillmahlzeit beizubehalten, um dem Baby mit der Muttermilch wichtige Abwehrstoffe zuzuführen.

Was die Milchbildung anregt

  • Fencheltee
  • Milchbildungstee aus Drogerie oder Apotheke (2-3 Tassen über den Tag verteilt)
  • ein Glas alkoholfreies Bier (der Hopfen wirkt) oder Malzbier
  • Malzkaffee (Karokaffe)
  • Bier- und Nährhefe über das Essen gestreut

Warme, feuchte Waschlappen kurz vor dem Stillen auf die Brust zu legen, verbessert zudem den Milchfluss

Was die Milch verringert

  • Pfefferminz (z.B. als Tee)
  • Salbei (Bonbons, Tee, …)

Andere Ursachen für Stillprobleme mit zu geringer Zunahme des Kindes:

  • zu kurzes Zungenbändchen – kann mit einem kurzen Eingriff behoben werden, das Bändchen wir dabei von einer Ärztin einfach nur ein Stückchen weiter eingeschnitten.
  • saugschwaches Baby – evtl. abgepumpte Milch geben aber zwischendurch auch die Brust geben, so dass die Mundmuskulatur gestärkt wird.
  • falsche Anlegetechnik, z.B. wenn das Kind zum Trinken den Kopf drehen muss. Merke: Dein Baby muss beim Stillen „geradeaus“ auf die Brust schauen, ohne den Kopf dabei drehen zu müssen. Wenn Du in sitzender Position stillst, bedeutet das, dass ihr „Bauch an Bauch“ seid.

Hilfe für verzweifelte Stillmütter

Nur sehr weniger Mütter haben wirklich nicht die richtigen Voraussetzungen, um ein Kind stillen zu können und oft fehlt es leider nur an der richtigen Anleitung oder Unterstützung. Staatlich ausgebildete Stillberaterinnen (IBCLC) kennen zahlreiche Lösungen und Tricks, die Müttern helfen, eine lange, erfolgreiche und zufriedene Stillzeit zu erleben. Es lohnt sich wirklich, sich diese professionelle Hilfe zu holen, wenn die Ratlosigkeit so groß ist, dass ein vorzeitiges Abstillen unmittelbar bevorsteht. Selbst  wenn die Krankenkasse die Kosten nicht oder nur teilweise übernimmt, sollte man bedenken, dass die Kosten für Babymilch die Beratungskosten einer Stillberaterin schnell übersteigen.

Hier findest Du eine Stillberaterin in Deiner Nähe: Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V.