Muss ich wirklich immer sofort reagieren?

Muss ich wirklich immer sofort reagieren?

Kann ich mein Baby, auch wenn es etwas quengelt, mal kurze Zeit alleine lassen oder muss ich immer sofort reagieren? Diese Tipps helfen dir, dein Baby zu ein wenig früher Selbstständigkeit zu erziehen.

Baby liegt auf dem Rücken und lacht
©OksanaKozak via Bigstock

Wenn man mehrere Kinder oder auch Mehrlinge hat, wenn man mal unter der Dusche steht, Essen kocht oder aus einem von unzähligen anderen Gründen gerade nicht verfügbar ist, dann kann man nicht immer prompt reagieren wenn das Baby weint.

Dein Kind wird sich deshalb immer wieder auch damit zufrieden geben müssen, nur deine Stimme zu hören, dich zu sehen (zumindest wenn es älter ist und etwas besser gucken kann) oder zur Ablenkung ein Spielzeug in die Hand gedrückt zu bekommen. Je älter dein Kind wird, desto mehr kann es sich mit diesen Alternativen zufrieden geben, sofern bereits das Vertrauen und die Erfahrung vorhanden sind dass die Trennung zur Bezugsperson nur vorübergehend ist. Auch die Erfahrung, sich kurze Zeit allein beschäftigen zu können, ist ein Meilenstein in der Entwicklung deines Babys, den du fördern kannst.

Hier sind ein paar Strategien:

Allein spielen ab 3 Monaten

In diesem Alter lernen Babys meist das Greifen und daher bietet sich ein Babytrainer (ein Bügel an dem Spielsachen hängen) zur Beschäftigung an. Lege dein Baby auf eine Krabbeldecke unter einen Trainer. Achte darauf dass die Dinge die daran befestigt sind für das Baby erreichbar sind, so dass es dagegen schlagen und mit der Zeit auch danach greifen kann. Bleib daneben sitzen und rede mit deinem Baby. Mit der Zeit, wenn dein Baby sich daran gewöhnt hat in deinem Beisein zu spielen, rede weniger und entferne dich zunehmend. Nach einigen Wochen sollte dein Baby sich auf diese Weise für zehn bis fünfzehn Minuten beschäftigen können. Behalte es dennoch im Auge, denn es wird zunehmend mobiler!

Muss man Baby auch mal schreien lassen?

Allein einschlafen ab 3 Monaten

Das Thema „Einschlafen“ ist ein Dauerbrenner unter Eltern. Kaum ein Elternpaar, das nicht zumindest phasenweise Probleme hatte, das Kind zum Schlafen zu bringen. Gerade bei diesem Thema ist oft die Rede vom Verwöhnen des Kindes.

Experten sind sich inzwischen weitgehend einig, dass Kinder verwirrt reagieren, wenn sie beim Aufwachen eine andere Situation vorfinden als beim Einschlafen. Damit das Baby also nachts weint, weil es sich nicht wie beim Einschlafen auf Mamas Arm oder an der Brust vorfindet, wird daher empfohlen, das Baby wach ins Bett zu legen und dort einschlafen zu lassen. So wird es sich in nächtlichen Wachphasen erinnern wo es ist und weiterschlafen können. Aber auch hier wirst du mit dem Weinen Deines Kindes rechnen müssen. Wenn du dich für diesen Weg entschieden hast, bietet die Tweddle-Methode eine Unterstützung für Eltern und Kind. Sie ist nach Altersstufen aufgeteilt und kann auch in anderen Trostsituationen helfen. Besonders bei sehr kleinen Babys kann sich auch das Pucken anbieten: Hier wird das Baby nach alter Tradition eng in eine Decke gewickelt, so dass es sich wie in der Gebärmutter spüren kann. Es fühlt sich gehalten und kann sich besser beruhigen.

Ich bin immer für dich da!

Manche Eltern wünschen sich eine harmonische und unbelastete Beziehung zu ihrem Baby. Sie wollen stets für es da sein und sind gern bereit ihm jederzeit die nötige Aufmerksamkeit zu geben. Dagegen ist nichts einzuwenden, sofern sie dabei nicht der natürlichen Entwicklung des Kindes zur Selbstständigkeit im Weg stehen. Es ist letztlich einfach eine Frage der eigenen Toleranz und Geduld, wie weit man sich auf die Bedürfnisse des Babys einlassen möchte. Diese Einstellung bringt aber auch eine große Abhängigkeit mit sich, die in Ausnahmesituationen – z.B. wenn die Bezugsperson ins Krankenhaus muss – zu großen Problemen führen kann. Wenn diese Art der Beziehung auf mehrere Personen (z.B. beide Eltern plus Großeltern) verteilt, wird es einfacher, flexibel zu bleiben.

Nicht immer sind es die Eltern, die sich für diesen Weg entscheiden. Oft ist es das Baby, das durch seine starken Bedürfnisse nach besonders viel Nähe verlangt. Schon hier kann man feststellen, dass jedes Kind anders ist: Manches Baby ist recht unabhängig und zufrieden, andere sind sehr fordernd und brauchen viel Aufmerksamkeit.

Die Persönlichkeit des Kindes spielt hierbei eine wichtige Rolle, aber auch andere Gründe wie KiSS, Wahrnehmungsprobleme, Anpassungsprobleme oder Koliken sollten beachtet werden.

Erziehung im ersten Lebensjahr

Es wird meist geraten mit der Erziehung im zweiten Lebensjahr zu beginnen, dennoch sollten etwa ab dem siebenten Monat ein paar einfache Regeln eingeführt werden. Gerade wenn Dein Baby mobil wird, sollte es ein paar Grenzen kennen lernen und wissen, dass diese ernst gemeint sind. Hier sind erste Eltern-Kind-Konflikte vorprogrammiert, z.B. wenn Gefahr für das Kind besteht und Du konsequent und allem kindlichen Widerstand zum Trotz seinem Willen nicht nachgibst. Ist Dein Kind sich Deiner Liebe durch seine Erfahrungen in den ersten Lebensmonaten sicher, wird es diese ersten Krisen unbeschadet überstehen. Eine gute Eltern-Kind-Bindung hält solche verbalen Konflikte aus und ist eine solide Basis für die weitere Erziehung in den kommenden Lebensjahren.