Finger nuckeln und Daumenlutschen

Finger nuckeln und Daumenlutschen

Nuckelt Dein Kind an den Fingern oder am Daumen? Dann machst Du Dir sicher Sorgen wegen einer Kieferverformung und späteren Zahnspange. Tatsächlich schlagen Zahnärzte gern Alarm, wenn Babys und Kinder nuckeln. Dabei muss dies nicht zwingend zu Überbiss oder anderen Fehlstellungen führen. Erfahre hier, worauf Du achten solltest und wie man mit der Nuckel-Leidenschaft des Kindes gelassen umgeht.

©Shiler via Bigstock

Warum nuckeln Babys und Kinder?

Schon im Bauch der Mutter lutschen viele Babys am Daumen. Das Nuckeln ist ein natürlicher Reflex und oft führen Babys diese Angewohnheit auch nach der Geburt fort.

Nicht alle Kinder verwenden dabei den Daumen: Manche bevorzugen den Zeige- und Mittelfinger zum Fingerlutschen. Besonders wenn sie müde, krank, gelangweilt oder überfordert sind, landet der Finger im Mund und sorgt für Wohlbefinden.

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Es beruhigt sie und hilft ihnen somit, sich an Situationen anzupassen. Dagegen ist pädagogisch nichts einzuwenden.

Muss man das Nuckeln unterbinden?

Wenn ein Baby oder Kind an den Fingern nuckelt, denkt man schnell an Zahnspangen, Überbiss und Sprachstörungen. Doch tritt dies längst nicht immer ein. Ob das Nuckeln für Dein Kind Konsequenzen hat, entscheidet einerseits die Dauer des Nuckelns und andererseits die „Nuckel-Technik“:

  • Das Kind lutscht mehr und saugt nur geringfügig – spätere Schäden sind unwahrscheinlich
  • Das Kind saugt mit großer Kraft – spätere Schäden sind gut möglich
  • Das Kind nuckelt hauptsächlich abends beim Einschlafen und selten am Tag – spätere Schäden sind unwahrscheinlich
  • Das Kind hat Daumen oder Finger fast immer im Mund – Schäden und Sprachprobleme sind gut möglich

Die meisten Kinder hören zwischen 2 und 4 Jahren von selbst auf zu nuckeln oder reduzieren es auf besondere Situationen (Krankheit, Schlafenszeit, ..).

Manche führen die Angewohnheit bis zur Schulzeit fort, geben sie dann aber meist überraschend schnell auf.

Wenn Eltern sich Sorgen machen, dass das Daumenlutschen und Nuckeln zu Problemen führt oder peinlich ist, versuchen sie oft, es zu unterbinden. Jedoch erreichen sie dabei eher das Gegenteil: Das sonst unbewusste Nuckeln wird thematisiert und wird dadurch noch begehrlicher. Gerade wenn deswegen durch die Eltern viel Druck und Kritik ausgeübt wird, braucht das Kind das Nuckeln um so mehr, um sich sicher und geborgen zu fühlen.

Auch Maßnahmen wie „ekliges Nagelgel“, „Fausthandschuhe“ oder „Verbände“ werden vom Kind als ungerechte Strafe empfunden und können das Bedürfnis allenfalls verstärken – um so schlimmer, wenn es dann nicht befriedigt werden kann.

Dem Kind helfen, das Nuckeln aufzugeben

Die beste Möglichkeit, das Daumenlutschen zu reduzieren und aufzugeben besteht darin, zu schauen, in welchen Situationen das Kind nuckelt.

Ist es älter, kann man dann darauf achten, dem Kind alternative Möglichkeiten zur Befriedigung seiner Bedürfnisse zu vermitteln: Nuckelt es aus Hunger, kann es statt dessen etwas essen, nuckelt es aus Müdigkeit, kann es rechtzeitig schlafen gelegt werden oder ein Kuscheltier knuddeln. Generell lernen Kinder außerdem mit zunehmendem Alter, sich auf andere Weise zu beruhigen, wenn sie aufgeregt oder verunsichert sind, z.B. indem sie ihre Gefühle oder Bedürfnisse durch Worte ausdrückt.

Situationen mit großen Veränderungen eignen sich nicht, für Entwöhnungen: Kindergartenstart, Ankunft eines neuen Geschwisterkindes, Urlaub … dies alles verunsichert Kinder.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im richtigen Timing und der genauen Beobachtung der Nuckel-Situationen. Ist das Kind altersgemäß bereit und in der Lage, Alternativen zum Nuckeln zu verwenden, wird es diese Gewohnheit bald aufgeben. Eltern die unsicher sind, sollten die Situation sowohl mit dem Kinderarzt als auch mit einem Kinderzahnarzt besprechen.

Was Eltern vermeiden sollten

Man sollte die Gefühle seines Kindes nicht durch Aussagen wie „Das machen doch nur kleine Babys“ oder „Du bist ja wie ein Baby“ verletzen. Auch die Geschichte vom Daumenlutscher aus dem Struwelpeter ist weniger hilfreich als ängstigend. Das Bloßstellen vor anderen Kindern oder Erwachsenen wirkt auch nicht motivierend. Sollten andere Personen solche Sätze in Gegenwart des Kindes aussprechen, sollten Eltern ihrem Kind beispringen: „Wir haben das im Griff!“

Was Eltern tun sollten

Wenn das Kind aus Langeweile nuckelt, sollten Eltern für ausreichend Beschäftigung sorgen. Manchmal ist das Nuckeln – gerade bei größeren Kindern – auch ein Zeichen, dass das Kind unerfüllte emotionale Bedürfnisse hat, z.B. nach der Nähe, Anerkennung oder Aufmerksamkeit der Eltern. Dann sollten Eltern genau hinschauen, was dem Kind fehlen könnte und für Ausgleich sorgen.

Wenn die Nuckelfinger sich röten, der Fingernagel dünn und flach wird, können Eltern in den Schlafzeiten des Kindes ein wenig unparfümierte Creme auf die Stellen auftragen. Meist bilden sich die plattgelutschten Finger später ganz normal weiter, wenn das Nuckeln aufgegeben wurde.