Wenn nichts gegen das Weinen hilft

Schreibaby – Wenn nichts hilft

Die meisten Eltern versuchen, das Baby durch Schaukeln, Wippen, auf und ab Laufen, Singen und Ähnliches zu beruhigen. Meist macht es zunächst auch den Eindruck, als würden diese Maßnahmen helfen. Das Baby hört vielleicht auf zu weinen, wenn Sie mit ihm auf dem Sitzball auf und ab wippen oder wenn Sie mit ihm im Zimmer umher gehen. Vielleicht erinnert es sich dabei an die Zeit im Bauch und schläft zufrieden ein. Doch die Ruhe ist bei manchen Babys nicht von langer Dauer und das Geschrei geht wieder los. So können oft mehrere Stunden vergehen.

Baby liegt eingewickelt auf einer Decke
©Unsplash/Tim Bish

Sie müssen sich in die Situation Ihres Babys versetzen. Stellen Sie sich vor, Sie liegen warm und kuschelig im Bett und plötzlich finden Sie sich in einer völlig fremden Umgebung wieder. So geht es ihrem Kind: 40 Wochen im Bauch waren voller Wärme, Ruhe und einer gewissen Schwerelosigkeit. Umgeben von gluckerndem, warmen Wasser und einer schützenden Hülle hat es sich sicher gefühlt, das war die Welt, die es kannte. Plötzlich ist der Raum um es herum grenzenlos, Wärme und Kälte wechseln sich ab, die Geräusche – sogar Mamas Stimme – klingen plötzlich laut und das grelle Licht, Bewegung, Schwerkraft, … es ist alles neu, ungewohnt, ängstigend. Ihr Kind ist erschrocken und dieser Schreck ist nicht so schnell überwunden. Es erinnert sich an das Gefühl im Bauch und sehnt sich zurück. Dies kann großer Stress für Ihr Kind sein und es schreit seine Verzweiflung heraus.

Wie kann man seinem Baby da helfen? Die Lösung ist eigentlich nahe liegend aber dennoch fremd. Lassen Sie Ihr Baby seinen Unmut herausschreien! Nun haben wir in diesem Artikel bisher viel darüber geschrieben, dass man auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen und sich um das schreiende Baby kümmern soll und nun diese Aussage? Doch beides lässt sich miteinander vereinbaren. Wenn es das Bedürfnis Ihres Kindes ist, seinen Stress, seine Ängste und vielleicht auch seinen Zorn herauszuschreien, dann sollten Sie ihm das zugestehen. Jedoch setzt es voraus, dass Sie Ihr Kind durch diese Situation begleiten.

Setzen Sie sich mit Ihrem Kind möglichst bequem hin und halten Sie es fest im Arm. Sehen Sie es an und lassen Sie es alles heraus schreien, was es bedrückt. Sprechen Sie leise mit Ihrem Baby, sagen Sie, dass Sie es verstehen, dass es weinen muss und dass Sie da sind, um es zu halten. Das Schreien wird sich vielleicht steigern aber Sie werden feststellen, dass Sie es besser aushalten können, weil Sie nicht versuchen müssen, etwas dagegen zu unternehmen. Ihr Baby wird irgendwann (vermutlich ganz unvermittelt) aufhören zu schreien. Vielleicht wird es entspannt lächeln und einschlafen. Halten Sie es weiter im Arm, so dass Sie da sind, wenn es nach einer Weile erwacht. Vielleicht wird es erneut weinen doch ist es schon viel entspannter und das Weinen wird weniger. Eine genaue Anleitung und detaillierte Erklärung zu dieser Methode (Festhaltetherapie) finden Sie unter http://www.geburtskanal.de

Mythen

Schreien kräftigt die Lungen und ist gut für das Kind

In Wirklichkeit ist es so, dass ein Baby, dass man einfach allein schreien lässt, lernt, dass es für alles was es braucht und möchte zunächst weinen muss. Auf diese Weise lernt Ihr Baby also mehr zu weinen als weniger. Eine positive Auswirkung auf Lungen konnte nicht nachgewiesen werden. Statt dessen werden Stresshormone ausgeschüttet und Frustration erlebt.

Babys werden verwöhnt wenn man immer gleich auf das Schreien reagiert

Ein Baby, das von seinen Eltern beachtet wird, wenn es weint, lernt, dass es selbst wichtig ist. Es weiß, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden und gewinnt Vertrauen in seine Bezugspersonen und seine Umwelt. Eine positive Einstellung wird geprägt denn es erfährt die Welt als gut und freundlich. Lässt man hingegen ein weinendes Baby lange unbeachtet, führt es zu Passivität und Depression. Man kann ein Baby nicht verwöhnen, genauso wenig, wie man ein Baby erziehen kann (damit beginnt man erst nach dem ersten Geburtstag).