Stillen: Will ich das überhaupt? Und worauf muss ich achten?

Stillen – eine ganz persönliche Entscheidung

Erstgebärende Frauen können sich oft nicht vorstellen, dass sie in der Lage sind, Milch für Babys Ernährung zu „produzieren“. Manchmal kommt auch die Sorge auf, die Muttermilch sei durch Umwelteinflüsse zu stark belastet und könne somit dem Säugling schaden. Manchmal hört man auch von Frauen, die nicht stillen konnten. Solche Berichte und Gedanken verunsichern, denn andererseits heißt es, dass das Stillen für das Kind das Beste sei. Welche Mutter will für ihr Baby nicht das Beste?

Manche Frauen, die ihr Baby nicht oder nur kurze Zeit gestillt haben, berichten von Schuldgefühlen und davon, dass sie sich von stillenden Müttern abgewertet fühlten. Andererseits erzählen stillende Mütter häufig, sie würden von „Flaschenmüttern“ misstrauisch beäugt, wenn sie länger als 6 Monate stillten und Verwandte, Freunde oder die Öffentlichkeit würden geniert oder naserümpfend auf das Stillen reagieren. Dabei gibt es doch eigentlich nur zwei Menschen, die mit der Art der Ernährung zufrieden sein müssen: Mutter und Kind!

Stillen geht nur Mutter und Kind etwas an

Ob eine Frau stillt oder nicht, entscheidet sie selbst. Sie kann sich im Voraus über die verschiedenen Vor- und Nachteile Gedanken machen und sich über das Stillen und über Fertignahrung informieren. Gute Auskünfte können hier immer ausgebildete Stillberaterinnen geben. Diese zeichnen sich durch die Bezeichnung IBCLC aus, welches „International Board Certified Lactation Consultant“ bedeutet und die Garantie für eine lange und intensive Zusatzausbildung und regelmäßige Fortbildungen ist.

Mütter, die beim ersten Baby Probleme mit dem Stillen hatten, entscheiden sich oft beim zweiten Kind gegen das Stillen. Dabei bedenken sie nicht, dass sie beim nächsten Kind in vielen anderen Dingen routinierter sind. Sie können sich nun besser auf das Stillen konzentrieren. Der empfundene gesellschaftliche Druck und der Rollenwechsel zur Mutter, die vielleicht beim ersten Kind zu Stillproblemen geführt haben, entfallen. Außerdem ist jedes Kind anders, somit auch jede Stillzeit.

Wer schon früh aufgegeben hat zu stillen, wird nicht erfahren, wie viel beim Stillen eines mehrere Monate alten Kindes auch vom Kind zur Mutter zurückgegeben wird. Der dankbare, vertraute Blickkontakt, die genüsslichen Schmatzer, die beiderseits innige Beziehung.Hebammen und Kinderärzte raten: Jede auch noch so kurze Stillzeit ist wertvoll. Ein Versuch zu Stillen lohnt sich auf jeden Fall. Aufhören kann man immer – nachträglich anfangen ist jedoch schwierig.Wenn sich in Dir aber beim Gedanken an das Stillen alles sträubt, und Du Dich dagegen entscheidest, solltest Du diese Entscheidung klar nach außen vertreten. Lass Dir kein schlechtes Gewissen machen. Dieses Kind wird genau so groß wie jedes andere und spätestens nach einem Jahr fragt keiner mehr nach „stillen oder nicht stillen“ – allenfalls den Kieferorthopäden wird es viele Jahre später bei der Anamnese beiläufig interessieren.

Stillen: Pro und Kontra

Für das Stillen spricht:

  • Das Risiko, dass das Kind später allergisch wird, sinkt durch 6 Monate Stillzeit. Dies ist besonders wichtig, wenn ein oder gar beide Elternteile Allergiker sind.
  • Die Beziehung zum Kind wird durch den intensiven Hautkontakt, die Nähe und Verbundenheit beim Stillen gefördert.
  • Durch das Stillen ist Dein Kind während der Stillzeit vor vielen Krankheiten geschützte („Nestschutz“) weil Deine Antikörper (Immunglobuline) mit der Milch in den Körper des Kindes gelangen.
  • Fertignahrung ist teuer. Mütter, die ca. ein halbes Jahr stillen, sparen dabei ungefähr 750,00 €. Zu der Nahrung kommen noch Kosten für die Flaschen und Sauger, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen und evtl. auch für Wasser, das für die Säuglingsernährung geeignet ist, sofern das Wasser aus der Leitung bei Dir nicht geeignet sein sollte.
  • Muttermilch ist leichter verdaulich und führt seltener zu Magen-Darm-Störungen.
    Stillen ist praktisch, Du hast es immer dabei, die Menge und Zusammensetzung entspricht genau den Bedürfnissen Deines Kindes und es hat immer die richtige Temperatur.
  • Du sparst (insbesondere nachts) Zeit, die Du sonst mit der Zubereitung der Nahrung und mit der Reinigung und der Sterilisation der Flaschen zubringen müsstest.
  • Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass gestillte Kinder schlauer werden.
    Keine Gefahr der Überfütterung wie bei der Flasche.
  • Durch das Stillen kommst Du schneller wieder zu Deinem Normalgewicht.
  • Die Hormone beim Stillen fördern die Rückbildung der Gebärmutter, machen „mütterlich“ und helfen, mit dem Stress (insbesondere mit nächtlichen Störungen) besser zurecht zukommen.

Für die Flasche spricht:

  • Du bistunabhängiger und kannst Dein Baby auch einmal von anderen Personen längere Zeit betreuen lassen.
  • Du weißt immer, wie viel Dein Kind getrunken hat.
  • Dein Partner kann in die Mahlzeiten des Kindes besser einbezogen werden und fühlt sich weniger ausgegrenzt.
  • Das Kind nimmt meist schneller zu.
  • Du kannstals Mutter normal essen und auch mal Alkohol trinken und rauchen.
  • Wenn man nicht stillt, kann man eine Diät machen.
  • Keine „auslaufenden Brüste“ mit nassen Shirts.
  • Keine Brustentzündungen oder Schmerzen beim Anlegen.
  • Die Brust wächst nicht weiter durch die Milchproduktion, somit ist die Gefahr von (evtl. zusätzlichen) Dehnungsstreifen gebannt.

Weitere Faktoren:

Wenn Du bald wieder anfangen willst/musst, zu arbeiten, kann eine Ernährung mit der Flasche einfacher sein. Allerdings lässt sich das oft auch mit abgepumpter Milch gut bewerkstelligen. Wenn Du im Alltag viel Stress hast z.B. bereits mehrere Kinder versorgst, kann Dir vielleicht die Ruhe für das Stillen fehlen. Hier solltest Du Dir Unterstützung holen oder – sofern es dadurch zu Stillproblemen kommt – einen Umstieg oder einen Kompromiss anstreben.

Kompromisse beim Stillen:

Es gibt immer auch einen Mittelweg: Z.B. kannst Du Dir für mehr Unabhängigkeit einen Vorrat an abgepumpter, tiefgekühlter Muttermilch zulegen und somit gelegentlich ohne Kind aus dem Haus gehen. Auch Dein Partner lässt sich durch das Füttern von abgepumpter Milch gut mit einbeziehen. Wer Probleme beim Stillen hat, die sich nach verschiedenen Versuchen nicht zufriedenstellend lösen ließen, kann auch darüber nachdenken, sowohl zu stillen, als auch gelegentlich Fertignahrung zu geben. Die hierbei vielfach befürchtete Saugverwirrung wird ganz unterschiedlich bewertet. Es kann vorkommen, dass Dein Kind das schnelle und einfache Saugen an der Flasche bevorzugt und dann die Brust verweigert. Um dem vorzubeugen, solltest Du stets Sauger mit kleiner Lochung verwenden und in den ersten Wochen zunächst auf Flaschensauger und Schnuller weitgehend verzichten.