Stillen - alte Ammenmärchen rund ums Stillen

Stillmythen

Alte Ammenmärchen gibt es auch beim Thema Stillen – oder doch nicht?

Baby liegt im Bett und umfasst den Finger der Mutter
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Eher Durchschlafen mit Flasche – stimmt das?

Wenn ein Kind nach einigen Monaten noch nicht durchschläft, wird (oft sogar vom Kinderarzt) empfohlen, abends Fertigmilch zu füttern. Viele Eltern machen dann die Erfahrung, dass das Kind tatsächlich längere Schlafphasen hat. Nicht selten fällt es aber dann nach einiger Zeit in das alte, unruhige Schlafmuster zurück. Manchmal bringt die Flasche auch gar keine Besserung. Das Durchschlafen des Kindes hängt nicht nur vom Sättigungsgefühl ab, auch andere Faktoren wie z.B. der Verlauf des vergangenen Tages, der Bedarf an körperlicher Nähe, die Art, wie das Kind eingeschlafen ist. Übrigens kann die Umstellung auf Fertigmilch gerade am Abend auch zu Verdauungsbeschwerden führen, die das Kind schlechter schlafen lassen.

Unverdaute Milch?

Früher war man noch der Ansicht, dass zwischen den Stillmahlzeiten mehrere Stunden liegen müssen, damit sich die „vorverdaute“ Milch und die unverdaute frische Milch nicht im Magen vermischen. Man nahm an, dass dieses zu Bauchweh oder Koliken führen würde. Diese Meinung ist inzwischen überholt, auch wenn sie von einigen Hebammen immer wieder vertreten wird. Lege Dein Kind nach Bedarf an. Gerade am Anfang muss sich erst ein Rhythmus einspielen und durch das häufige Anlegen die Milchproduktion in Gang gebracht werden.

Stillabstände

Noch vor wenigen Jahrzehnten vertrat man die Ansicht, dass ein Kind nur alle 4 Stunden gestillt werden sollte, alles andere galt als verwöhnen. Schon Säuglinge sollten Disziplin erlernen. Manche Mutter oder Großmutter hat diese Denkweise noch nicht abgelegt und wird Dich vielleicht auffordern, genau so zu handeln. Heute spricht man eher vom Stillen nach Bedarf, denn ein hungriges Baby wird so lange schreien, bis sein Bedürfnis befriedigt ist. Und es ist egal, ob Du ihm als Ersatz Tee anbietest oder es umher trägst – es wird erst dann zufrieden sein, wenn es Milch in ausreichender Menge getrunken hat, da nichts anderes seinen Energiebedarf stillen kann.
Von Verwöhnen kann auch keine Rede sein denn ein Kind, auf dessen Bedürfnisse eingegangen wird, lernt, dass es selbst wichtig ist und seine Bedürfnisse erfüllt werden. Es wird seine Umwelt als freundlich und ihm zugewandt kennen lernen und dadurch Vertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl entwickeln können.

Schon nach wenigen Wochen mit Deinem Baby wirst Du auch unterscheiden können, ob Dein Baby weint weil es Hunger hat oder ob ein anderer Grund vorliegt und dann entsprechend richtig handeln. Ein Stillabstand wird vom Beginn einer Stillmahlzeit bis zum Beginn der nächsten Stillmahlzeit gerechnet. Am Anfang wird eine Stillmahlzeit auch recht lang dauern (z.B. zwischen 30 und 45 Min.), je älter das Kind wird, desto stärker wird die Muskulatur und somit die Kraft beim Saugen, dem entsprechend wird sich die Dauer mit der Zeit verringern und später ca. 10 – 15 Min betragen.