Verhütung nach der Schwangerschaft

Verhütung nach der Geburt – aber sicher!

Nach der Geburt dauert es oft einige Wochen, bis sich die Lust auf Zärtlichkeiten wieder einstellt. Erst sollte alles abgeheilt und der Wochenfluss versiegt sein. Ist dann das Verlangen nach Zweisamkeit wieder da, darf die Frage nach einer sicheren Verhütung nicht vernachlässigt werden. Macht Euch deshalb rechtzeitig Gedanken darüber, welche Verhütungsmethode nun die richtige ist. Wir geben Dir einen Überblick über die gängigsten Methoden, ihre Vor- und Nachteile, und was sich in der Stillzeit eignet.

 

Mann und Frau schlafen im Bett
©Twenty20/Isaiah Stofferahn

Um dem Körper genügend Zeit zu geben, sich von den Strapazen der Schwangerschaft zu erholen, sollte eine erneute Schwangerschaft frühestens sechs Monate nach der Geburt eintreten. Außerdem erhöht ein zu kurzer Abstand zwischen zwei Schwangerschaften das Risiko für Komplikationen. Wann eine Frau nach der Entbindung zum ersten Mal wieder einen Eisprung hat, ist individuell verschieden. Auch wenn noch keine Menstruationsblutung stattgefunden hat, könntest Du schon wieder fruchtbar sein und schwanger werden, da der Eisprung bereits ca. 14 Tage vor der Blutung stattfindet. Beginne also nicht zu spät damit, für ausreichenden Schutz zu sorgen.

Bietet Stillen einen sicheren Schutz?

Nein! Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, das Frauen während der Stillzeit nicht schwanger werden können. Wenn eine Frau voll stillt, unterdrückt das Hormon Prolaktin zwar in aller Regel den Eisprung, dennoch ist das Stillen als alleiniger Empfängnisschutz eher unsicher. Einigermaßen geschützt bist Du nur, wenn die Geburt weniger als sechs Monate zurückliegt, die Stillpausen tags und nachts nie mehr als vier Stunden betragen und nichts zugefüttert wird. Sobald aber die Abstände etwas länger werden oder die Mahlzeit mal etwas geringer ausfällt, kann der Prolaktinspiegel im Blut soweit abfallen, dass trotz des Stillens ein Eisprung stattfindet. Verlasse Dich also nicht alleine darauf, wenn ein Geschwisterchen noch nicht in Frage kommt.

Die ideale Verhütungsmethode

Kein Verhütungsmittel ist für jede Frau optimal, denn es muss zur persönlichen Einstellung, Lebensführung und Familienplanung passen. Dabei werden an den Empfängnisschutz einige Anforderungen gestellt:

Es sollte möglichst sicher und einfach anzuwenden sein, gleichzeitig wenig Nebenwirkungen haben, darf sich auf die sexuelle Spontaneität nicht negativ auswirken, sollte bezahlbar sein und keine dauerhaften Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.
Bevor Du Dich für die Methode entscheidest, solltest Du Dir darüber im Klaren sein, welche Faktoren Dir bei der Empfängnisverhütung am Wichtigsten sind:

  • Wie sicher sollte das Verhütungsmittel sein?
  • Wie lange soll der Abstand zum nächsten Kind mindestens sein?
  • Kommt eine erneute Schwangerschaft überhaupt in Frage?
  • Habe ich wechselnde Sexualpartner?
  • Wie regelmäßig ist der Menstruationszyklus?
  • Wie bin ich mit bisherigen Verhütungsmethoden zurecht gekommen?
  • Wie diszipliniert kann ich gegebenenfalls Zeiten einhalten?
  • Habe ich Vorerkrankungen, Allergien oder muss regelmäßig Medikamente einnehmen?
  • Welche Methoden eignen sich für Raucher?
  • Wie darf ich in der Stillzeit verhüten ohne die Milchbildung negativ zu beeinflussen oder das Baby zu gefährden?
  • Was darf das Mittel kosten?
  • Wie wichtig ist mir die Spontaneität beim Sex?
  • Nehme ich die Verhütung lieber selbst in die Hand oder kann ich das meinem Partner überlassen?

Dein Frauenarzt ist bei der Frage nach der richtigen Methode der beste Ansprechpartner. Außerdem kannst Du Dich auch an das Gesundheitsamt wenden oder Du lässt Dich bei Einrichtungen wie z.B. Pro Familia beraten. Auch den Partner solltest Du bei der Wahl nach einem geeigneten Mittel mit einbeziehen, schließlich geht Verhütung immer beide an!

Natürlich verhüten

Natürliche Verhütungsmethoden solltest Du nur in Erwägung ziehen, wenn Du mit der Methode gut vertraut bist und wenn eine erneute Schwangerschaft kein grundsätzliches Problem darstellen würde. Denn durch die Hormonumstellung nach der Geburt und auch während der Stillzeit sind natürliche Verhütungsmethoden vergleichsweise unzuverlässig.
Bei der Empfängnisverhütung mittels Temperaturmessung muss erst der Menstruationszyklus wieder regelmäßig stattfinden, was zumindest in den ersten Wochen nach der Geburt oft nicht der Fall ist.

Außerdem darf der Schlafrhythmus nicht gestört sein, da die nächtlichen Unterbrechungen die Aussagekraft der Morgentemperatur mindert.

Bei der Temperaturmethode wird jeden Morgen zur gleichen Zeit die Körpertemperatur gemessen, um so den Zeitraum des Eisprungs bestimmen zu können. Nach dem Eisprung ist die Temperatur an drei aufeinanderfolgenden Tagen erhöht, das bedeutet aber, dass Du erst nach dem Eisprung weißt, dass dieser stattgefunden hat.
Auch das Beobachten des Zervixschleims (Billingsmethode) setzt viel Erfahrung und einen relativ regelmäßigen Zyklus voraus. Hierbei wird die Konsistenz des Schleims im Gebärmutterhals genau beobachtet und wie er sich im Verlauf des Zyklus verändert. Diese Methode erfordert aber viel Erfahrung, Disziplin und Vertrautheit mit dem eigenen Körper.
Bei beiden Methoden solltest Du bereit sein in der fruchtbaren Zeit auf Geschlechtsverkehr zu verzichten oder zusätzlich zu verhüten. Verhütungscomputer können erst eingesetzt werden, wenn der Menstruationszyklus dreimal hintereinander regelmäßig war, da die Daten sonst nicht sicher ausgewertet werden können.

Der Pearl-Index

Der Pearl-Index gibt an, wie sicher ein Verhütungsmittel ist. Er errechnet sich daraus, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger werden, trotz korrekter Anwendung. Je niedriger die Zahl im Pearl-Index, desto sicherer ist die jeweilige Verhütungsmethode. Die Angaben zur Sicherheit eines Verhütungsmittels können variieren, je nachdem ob sie sich nur auf die Herstellerangabe beziehen oder auf unabhängige Studien. Außerdem werden oft unterschiedliche Kriterien miteinbezogen (z.B. Anwendungsfehler, vorangegangene Geburt etc.).