Studie: Sitzen Kinder zu viel vor Bildschirmen, lernen sie später sprechen

Studie: Zu viel Zeit vor Bildschirmen verzögert Sprechenlernen

Kinder wachsen heutzutage völlig anders auf, als noch vor zehn Jahren. Sie kommen tagtäglich mit digitalen Geräten wie Smartphones und Tablets in Berührung und nutzen diese schon in jungen Jahren ganz selbstverständlich. Laut Studie kann diese Entwicklung jedoch einen gravierenden Einfluss darauf haben, wie gut und schnell unsere Kinder sprechen lernen.

Bild: Kleinkind spielt mit Tablet
© Half Point via Bigstock

Hast du dich auch schon einmal gefragt, ob die digitale Entwicklung unserer Welt, die geistige Entwicklung deines Kindes stören könnte? Was geschieht, wenn Babys und Kleinkinder regelmäßig vor einem Laptop, Tablet oder Smartphone sitzen? Kanadische Wissenschaftlicher haben sich mit dieser Frage beschäftigt.

Ein erster Einblick wie Kinder heute sprechen lernen

In einer Studie fanden Forscher der University of Toronto heraus, dass sich die Sprachentwicklung von Kleinkindern verzögert, je mehr Zeit sie mit handlichen Bildschirmen wie Smartphones oder Tablets verbringen.

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Knapp 900 Kinder im Alter von 18 Monaten wurden bei der Studie untersucht. Die Forscher wollten wissen, wie viel Zeit die Kinder pro Tag mit oder vor einem Bildschirm verbringen. Bei 20 Prozent der Kinder kam dabei eine durchschnittliche Zeit von 28 Minuten pro Tag heraus.

Wie viel Zeit die Kinder täglich vor einem Bildschirm verbrachten, verglichen die Wissenschaftler mit folgenden Faktoren:

  • Allgemeine Sprachentwicklung, sprich: Benutzen die Kinder eher Wörter oder Geräusche, um auf sich aufmerksam zu machen und zu kommunizieren?
  • Wie gut können sie Wörter kombinieren?
  • Wie viele Wörter werden überhaupt benutzt?

Alarmierende Zusammenhänge

Das beunruhigende Ergebnis: Pro 30 Minuten, die ein Kind täglich vor einem Bildschirm sitzt, wächst das Risiko langsamer sprechen zu lernen um 49 Prozent. Soll heißen: Allein 20 Prozent der untersuchten Kinder haben bereits ein erhöhtes Risiko von knapp 50 Prozent langsamer sprechen zu lernen.

Weitere Zusammenhänge zwischen der Zeit vor dem Bildschirm und Gestik, Körpersprache oder sozialer Interaktion haben die Wissenschaftler nicht erkennen können.

Die Leiterin der Studie, Catherine Birken, betont, dass die genauen Gründe für die Verzögerung der sprachlichen Entwicklung in einem zweiten Schritt noch gründlicher und vor allem über einen längeren Zeitraum untersucht werden müssten. Es handelt sich um die erste Studie dieser Art und so seien noch weitere Forschungen notwendig, um verlässliche Aussagen zu treffen was das sprechen lernen von Kinder anbelangt: Waren die Eltern anwesend? Welchen Inhalt haben die Kinder konsumiert?

Richtlinien für die Zeit vor dem Bildschirm

Experten der American Academy of Pediatrics (AAP) – eine ärztliche Organisation, die sich auf die Gesundheit von Kindern spezialisiert hat – unterstützen Eltern mit folgenden Richtlinien, damit die Sprachentwicklung beim Kind nicht gefährdet wird:

Noch verbietet die AAP die Bildschirmzeit nicht komplett. Babys unter 18 Monate sollten so wenig Zeit wie möglich vor Tablet & Co. verbringen. Gelegentliche Videotelefonate sind okay, sollten aber nicht überhandnehmen. Kinder, die älter als 18 Monate sind, können durch anspruchsvolle Programme und vor allem in Anwesenheit der Eltern durchaus von der Zeit vor dem Bildschirm profitieren. Hilfreich ist es dabei, wenn die Eltern erklären, was die Kinder sehen und somit viel Interaktion stattfindet – und nicht nur pures ‚Glotzen‘. Mehr als eine Stunde pro Tag sollte es aber nicht werden.

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Laut einer Studie von Common Sense Media hat sich das Verhalten von Kleinkindern und Babys mit einem mobilen Gerät wie Smartphone oder Tablet allein vom Jahr 2011 auf 2013 stark verändert. Hatten 2011 noch zehn Prozent aller Kleinkinder und Babys unter zwei Jahren bereits einmal ein mobiles Gerät wie ein Smartphone oder Tablet benutzt, waren es 2013 bereits 38 Prozent.

In einer digital so schnell fortschreitenden Welt, wie die, in der wir leben, solltest du dich deshalb stets als eine Art Mentor für das Medienverhalten deines Kindes sehen. Vermittle ihm, wie es mit Tablet & Co. sinnvoll umgeht und wie viel Zeit vor dem Gerät in Ordnung ist, anstatt es einfach mal für eine halbe Stunde vor den Bildschirm zu setzen.