Autorin Barbara Schniebel

 

 

Barbara Schniebel
Mutter, Journalistin

Entwicklung 4-Jährige

Immer in Bewegung!

 

Veröffentlicht: 17.01.2016

4-Jährige immer in Bewegung 
Im Alter von 4 Jahren wird Dein Kind zunehmend vernünftiger wenn es um die Einhaltung von Regeln geht. Es wird empfänglicher für das was Du ihm sagst, verfügt aber zugleich über solch enorme Energie, dass Du nur schwer mithalten kannst. Dein Kind ist nun ständig in Bewegung und kann kaum still sitzen.

Motorische Entwicklung: Kleine Entdecker

4-Jährige wollen die Welt erforschen will: In Pfützen plantschen, auf Dinge klettern, durch die offene Gartentür entwischen und wie im Kinderlied "in die weite Welt hinein" gehen ...

4-Jährige brauchen viel Platz zum Austoben! Körperliche Aktivitäten an der frischen Luft sind daher jetzt wichtiger denn je und bieten viele interessante Reize, sowohl körperlich als auch kognitiv. Toben, klettern, rennen, hüpfen, werfen, balancieren, Laufrad oder Tretfahrzeug fahren ... immer sind die Kleinen in Bewegung und das ist auch gut so.

Achte darauf, dass der Bewegungs- und Forscherdrang Dein Kind nicht in Gefahr bringt. Teiche, Bäche und Planschbecken, Straßen und andere Gefahrenzonen dürfen ihm nicht zum Verhängnis werden.

 

Kinder nehmen Wissen in diesem Alter regelrecht über die Hand in den Kopf auf. Was sie anfassen, können sie leichter be-greifen. Dabei stehen nicht Stift und Papier im Vordergrund sondern Matsch, Stein, Schnecke und Stock.

 

Die großen Muskelpartien wie Bein- und Armmuskulatur werden in diesem Alter trainiert und Eltern tun gut daran, dies zu fördern.

Auch ein Verständnis für Entfernungen, Geschwindigkeit, Beschleunigung, lenken und bremsen wird jetzt entwickelt und wird beim Fahrradfahren helfen, diese Dinge miteinander in Einklang zu bringen.

 

 

Erste sportliche Aktivitäten wie Tanzen und Fußball spielen können ausprobiert werden. Besonders kreative Bewegungsspiele stehen bei diesen Kindern jetzt hoch im Kurs.

 

Vierjährige schauen oft in die Ferne, der Blick ist gen Horizont gerichtet, kein Wunder vielleicht, dass sie in der kurzen Distanz oft etwas verpassen und daher leicht stürzen oder Dinge umschmeißen.

 

Feinmotorisch werden Stifte noch mit der Faust gehalten und beim Zeichnen bewegen sich Hand und Arm als Einheit. Entsprechend ungelenk sind die Ergebnisse, siehe auch "Entwicklungsschritte beim Malen". In der zweiten Hälfte dieses Lebensjahrs lernen Kinder manchmal bereits einen Knoten zu machen.

 

Soziale Entwicklung: Endlich mehr Vernunft

Dein Kind wird natürlich weiterhin Blödsinn machen, sich gegen Dich auflehnen oder gelegentlich Regeln brechen - jedoch bekommt dies alles nun eine andere Qualität. Dein Kind entwickelt ein neues Verständnis für die Kooperation mit seinen Bezugspersonen.

Während das 3-Jährige Kind noch häufig ignorant gegenüber Deinen Wünschen war, wird es nun zunehmend auf Deine Forderungen eingehen und auf Aufforderung seine Schuhe wegräumen oder die Katze in Ruhe lassen. Es wird  sich leichter an einfache Regeln halten können.

 

Die Aufmerksamkeitsspanne Deines Kindes ist noch immer recht kurz und es wird häufig von einer Aktivität zur nächsten wechseln. Zu viele Spielsachen oder ein laufender Fernseher können dabei von Nachteil sein, da sie zu sehr ablenken.
Stelle vielleicht mehrere kleine Spielstationen für Dein Kind zur Verfügung, z.B. eine Ecke mit Kinderküche, eine mit einfachen Puzzles, eine Kiste mit Fahrzeugen und Figuren und eine Ecke mit Bauklötzen.

 

Für etwa 10 Minuten lässt sich Dein Kind beim Vorlesen oder Singen aufmerksam halten, plane daher die Buchauswahl oder andere Aktivitäten für ungefähr diese Zeitspanne und biete dann wieder Abwechslung an.

 

Sein Interesse an anderen Kindern steigt und es entwickeln sich erste kleine Freundschaften (siehe auch "Erste Verabredungen") die aber oft nicht von langer Dauer sind. Gemeinsames Spiel findet häufig noch nebeneinander statt, doch ist auch hier die Fähigkeit zur Kooperation ein deutliches Plus: Warten können, sich abwechseln, Konflikte mit Worten lösen ... sind im gemeinsamen Spiel gefragt. Beim Spielen wird vielleicht viel geplappert, nicht alles macht dabei Sinn aber die Kinder scheinen damit kein Problem zu haben.

 

Dein Kind wird nun wissen, dass es einem von zwei Geschlechtern zugehörig ist. Vielleicht wird es von anderen Kindern lernen, was nach gesellschaftlicher Ansicht "typisch Junge" oder "typisch Mädchen" ist. Freundschaften werden oft bevorzugt mit dem gleichen Geschlecht getroffen. Biete Deiner Tochter unbeirrt Autos und sogenannte typische Jungs-Spielzeuge und Aktivitäten an und Deinem Sohn "typisches Mädchen-Spielzeug" und Aktivitäten, so dass sie sich uneingeschränkt entwickeln können. Heutzutage werde Mädchen Ingenieure und Väter gehen in Elternzeit oder werden Erzieher - alte Rollenmuster werden aufgeweicht und es wäre ein Fehler, sein Kind wegen seines Geschlechts in seinen Interessen und Aktivitäten einzuschränken.
Es kann sein dass Dein Sohn sich für glitzernden Schmuck oder sogar für Kleider interessiert und ist vermutlich nur Ausdruck normaler Neugierde und seines persönlichen Geschmacks.

 

Wenn ein anderes Kind weint, ein Elternteil fröhlich oder ein Fremder ärgerlich ist, dann ist Dein Kind nun zunehmend in der Lage dieses zu erkennen und in Worte zu fassen. "Der Mann ist wütend", wird es vielleicht sagen, wenn im Buch eine Abbildung eines ärgerlichen Mannes ist. Fördere diese Fähigkeit mit Bildern und Geschichten in denen Personen Gefühle zeigen. Es ist für das Zusammenleben wichtig, dass ein Mensch die Gefühle anderer Menschen erkennen und einordnen kann, ebenso dass er seine eigenen Gefühle erkennen und äußern kann.

 

 

Sprachliche Entwicklung: Plappermäulchen

Vierjährige sprechen viel, sie plappern oft ohne Pause, experimentieren dabei mit Sprache. Für manches fehlen ihnen noch die Worte, da ist dann die Hilfe der Erwachsenen gefragt, die ihnen neues Vokabular vermitteln und Wünsche in Worte wandeln.

Sätze sind nun sechs bis 10 Wörter lang und deutlich komplexer als noch mit 3 Jahren. Dein Kind kann vielleicht schon kleine Geschichten erzählen. Grammatikfehler kommen häufig vor, jedoch wird die Ausdrucksweise zunehmend die Babysprache verlassen und Laute werden mehr und mehr korrekt ausgesprochen.

Zugleich entdeckt Dein Kind vielleicht, dass bestimmte Wörter bei Erwachsenen zu interessanten Reaktionen führen: Es beginnt mit Fäkalsprache oder Schimpfwörtern zu experimentieren und hat daran einen großen Spaß. Eltern tun gut daran, möglichst gelassen zu reagieren, um das Spiel nicht unnötig interessant zu machen.

 

Personalpronomen wie er/sie, ich, wir ... werden verwendet und Dein Kind beginnt damit zu experimentieren indem es Nomen durch diese ersetzt. Statt "Der Junge spielt mit meinem Auto!" sagt es "Er spielt mit meinem Auto!"

 

Dein Kind sollte nun auch lernen, was gestern und morgen ist und diese Begriffe mit Ereignissen in der Vergangenheit und der Zukunft in Verbindung bringen. Du kannst dies fördern, indem Du ihm jeden Tag erzählst was gestern war und was morgen geplant ist. Es kann auch nicht schaden, dabei schon Wochentage zu nennen: "Heute ist Mittwoch. Gestern war Dienstag, da waren wir beim Kinderarzt. Morgen ist Donnerstag, da gehen wir zur Spielgruppe."

 

Übe mit Deinem Kind auch seinen Vor- und Nachnamen und buchstabiere seinen Vornamen, z.B.: L - E - N - A

 

Lieder, Fingerspiele und Bewegungsspiele dürfen jetzt anspruchsvoller sein. Anweisungen mit drei Komponenten kann es schon ausführen, z.B. "Stell das Auto auf den Tisch, geh ins Badezimmer und hole ein Handtuch."
Rhythmus, Reime und sich wiederholende Muster machen Deinem Kind viel Spaß, Verkleiden ist ebenfalls sehr beliebt.

 

 

Kognitive Entwicklung

 

Entwicklung vierjährige

 

Das Spiel Deines Kindes spiegelt nun wieder, dass es die große weite Welt da draußen zunehmend besser versteht. Es spielt vielleicht Themen nach, die mehr außerhalb seines Alltags stattfinden, wie z.B. Zoobesuch, beim Kinderarzt usw.

 

Es kann mit seinen Augen noch nicht gut zwischen nahen und fernen Objekten wechseln, daher wird es beim Malen oder "schreiben" noch nichts nachmalen können, auch ist seine Feinmotorik dafür noch nicht ausreichend entwickelt. Es braucht zu diesem Zeitpunkt eher grobmotorische Spiel-Aktivitäten mit großen Objekten die wenig Details aufweisen.

 

Sein Verständnis für Zahlen und Mengen verbessert sich, es kann nun lernen Dinge bis 15 zu zählen. Es lernt jetzt dass etwas kleiner oder größer, leicht oder schwer, ... ist und dies fördert sein mathematisches Verständnis von Größenordnung.

 

Gegenstände sortieren (alle gelben Klötze, alle roten ...), wiederkehrende Muster entdecken (rot-gelb-grün-rot-gelb-grün) und etwas kategorisieren (Tiere, Fahrzeuge, ...) sind sinnvolle Aktivitäten und können Vierjährige eine Weile beschäftigen.

 

Dein Kind kennt jetzt die Grundfarben. Bücher helfen dabei, weitere Farben zu erkennen, aber auch Hinweise im Alltag können dies fördern. "Schau mal, das Haus ist lila."

 

Du kannst Deinem Kind eine kleine Aufgabe geben, die es ausführen kann, wie z.B. die Katze füttern oder morgens die Vorhänge öffnen. Solche Aufgaben werden schon selbstständig ausgeführt aber bedürfen wahrscheinlich noch Deiner Aufforderung oder Überwachung.

 

Mit 4 Jahren entdeckt Dein Kind seine Angst vor unbekannten Geräuschen, dem Schatten an der Wand, ... und muss zwischen realen und unrealen Dingen unterscheiden lernen.

 

  

Was die Entwicklung von 4-Jährigen unterstützt

 

 

  • Erzähle Deinem Kind Geschichten, höre ihm aber auch geduldig zu wenn es selbst erzählt.

 

  • Schau mit Deinem Kind Bilderbücher an, die keinen oder nur wenig Text, aber eine leicht erkennbare oder vorhersehbare Handlung zeigen, z.B. Mein superdickes Wimmelbuch.

 

  • Nimm ein bekanntes Buch und lass Dein Kind eine Seite daraus "vorlesen", dann liest Du die nächste Seite - wechselt Euch ab.

 

  • Dein Kind interessiert sich in diesem Alter für Themen wie Märchen, Tiere, Blut und Exkremente, Fantasie und altersgerechten TV Helden, ich und mein Körper, Dinosaurier, Fahrzeuge ... . Biete zu diesen Themen Aktivitäten an.

 

  • Sprich mit Deinem Kind über Formen, versuche mit ihm Dreiecke, Kreise, Rechtecke und Quadrate im Alltag zu entdecken.

 

  • Zeige Deinem Kind die Farben, belasse es aber zunächst bei den einfachen Farben wie rot, gelb, grün, orange und blau, bevor du lila, hellblau, türkis etc. hinzufügst. Übe mit ihm das Erkennen und Benennen von Farben im Alltag, verwende Farben z.B. indem Du sagst: "Hole Deine blauen Gummistiefel".

 

  • Zähle Dinge, z.B. beim Zuknöpfen der Jacke: "1, 2, 3, 4, 5 ... 5 Knöpfe!"

 

  • Sortiere mit ihm alle Lastwagen, alle Autos, alle Trecker, ... oder alle runden und alle eckigen Dinge.

 

  • Lege Spielsachen in wiederholenden Mustern zurecht, fordere Dein Kind auf das Muster zu vervollständigen: eine Murmel, ein eckiger Klotz, eine Murmel, ein eckiger Klotz ... was kommt jetzt dran?

 

  • Übe Zahlen und ihre Reihenfolge mit Liedern und Geschichten wie z.B. "Zehn kleine Fledermäuse" oder "Morgens früh um 6, kommt die kleine Hex".

 

 

Entwicklungsfortschritte erkennen

Zu wissen welche Fortschritte Dein Kind in seiner Entwicklung gemacht hat und wie sein Entwicklungsstand ist, kann für das Verständnis seines Verhaltens wichtig sein. Es hilft Dir darüberhinaus Deinem Kind die richtigen Aktivitäten und Reize anzubieten und dadurch seine gesunde Entwicklung zu unterstützen.

Hier findest Du eine Checkliste für wichtige Meilensteine bei 4-Jährigen:

 

 

  

Dein Kind ist nicht wie alle anderen

Die Entwicklung jedes Kindes ist individuell. Wenngleich sie auch vorhersehbare generelle Entwicklungsschritte durchlaufen, so kann es doch sein, dass sie dies auf andere Art (z.B. in anderer Reihenfolge und zu einem anderen Zeitpunkt) durchlaufen. Zudem ist die Entwicklung von Kindern durch andere Faktoren beeinflusst, wie z.B. ihr persönliches Umfeld, persönliche Erfahrungen usw.

Dieser Artikel beschreibt die allgemeinen Erwartungen an die Entwicklung eines Kindes in diesem Alter. Beim Lesen dieses Artikels behalte bitte im Hinterkopf, dass Dein Kind in seiner Entwicklung einzigartig ist. Betrachte unsere Erklärungen und Auflistungen daher mit Blick auf die persönlichen Entwicklung Deines Kindes.

 

__________

Quellen:

"Developmental Milestones of Young Children", Redleaf Press, 2010, Karen Petty, PhD

"Yardstickes", Northeast Foundation for Children, 2007, Chip Wood

 

 

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