Angstformen: Vor diesen Dingen haben Kinder Angst

Angstformen: Vor diesen Dingen haben Kinder Angst

Dieser Artikel hilft dir dabei die Ängste deines Kindes besser zu verstehen.

©Unsplash/Annie Spratt

Gewissensangst

Hat das Kind schon einen gewissen Grad an Autonomie erlangt, dominiert die Angst davor, die Zuneigung der Eltern verlieren zu können. Nach und nach kommt die Angst vor Strafe dazu. Darüber hinaus verinnerlicht das Kind im Laufe der Entwicklung die Forderungen der Eltern und die sozialen Regeln. Das Über-Ich entsteht somit als innere Kontrollinstanz, die eine weitere Quelle der Angst darstellt: Die Gewissensangst

Kastrationsangst

Aus der inzwischen entwickelten Fähigkeit des Kindes, Zeitlichkeit und Begrenztheit zu erfassen, entsteht die viel zitierte „Kastrationsangst“: Das Kind erkennt, dass man das was man hat, auch wieder verlieren kann. Darüber hinaus ist der Körper schon in Ansätzen sexualisiert, und diese Tatsache macht die Angst vor Beschädigung des Körpers verständlich.

Angst vor Liebesverlust

Sie tritt häufig auf, wenn das Kind eine Schwester oder einen Bruder bekommt

Umweltangst

Kleinkinder können Umwelt nur entsprechend ihrer allmählich sich entwickelnden Fähigkeiten begreifen; vieles bleibt unverständlich und erregt dadurch Angst, z.B. unbekannte Geräusche, Donner, Wasserspülung, Wasser, dunkle Farben; Veränderungen der gewohnten Raumordnung (z.B. umgestellte Möbel); Umzug in eine andere Wohnung, Stadt, Angst auf Reisen.

Sozialisationsangst

Sozialisationsangst tritt im Kindergarten- und Schulalter auf. Angst vor dem Zusammensein mit vielen fremden Personen, mit Gleichaltrigen, vor Kindergärtnerin oder Lehrern. Kinder haben Angst davor, gerügt zu werden, bzw. davor ausgelacht oder verspottet zu werden.

Realangst

Realangst wird von oft erst mit dem 9./10. Lebensjahr angesetzt. Voraussetzung ist, dass die kognitive Entwicklung so weit fortgeschritten ist , dass das Kind sich mit den Tatsachen auseinandersetzen kann, die ihm vorher verschwiegen wurden, z.B. Sexualität, Gewalt, Tod; Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Hunger, Atomkrieg, u.a.
Die meisten Kinder werden aber schon viel früher durch die Medien mit diesen Problembereichen konfrontiert.

Angstlust

Angstlust bedeutet schließlich eine Verknüpfung der Angst mit erregenden und lustvollen Gefühlen. Angstgefühle machen gerade den Reiz durch den Nervenkitzel aus und macht das Wagnis interessant. Die Angst auszuhalten, intensiviert die Lust, ob nun bei einer Achterbahnfahrt oder einem öffentlichen Auftritt, etc. Es hat den Anschein als sei insbesondere bei jungen Menschen ein starkes Bedürfnis vorhanden, sich dieser Angstlust auszusetzen, lässt aber manchmal die scharfen Grenzen vermissen, die es zu einem selbstgefährdenden Verhalten, wie z.B. S-Bahn-Surfen, machen.

Angst in besonderen Lebenssituationen

Scheidung:

Das Kleinkind hat große Angst, weil es noch völlig abhängig von den Eltern ist und die Welt aus „ich“-bezogenen Perspektive sieht. Oft kommt es zu Alpträumen, Aggressionen, schweren Schuldgefühlen, Trotzreaktionen, Regressionen. Erst im Volksschulalter gibt es ein erstes Verständnis für die Motive der Eltern; trotzdem empfindet das Kind große Trauer und einen großen Wunsch nach Wiedervereinigung der Eltern. Es kommt zu einer schwere Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls der Kinder, weil sie der Scheidung machtlos gegenüberstehen. Depressionen können auftreten. Es wächst aber auch die Fähigkeit, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden und die Probleme sachlicher zu betrachten.

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Schulangst:

Normalerweise ist der Schulbesuch für Kinder eine aufregende und interessante Angelegenheit, aber für einige von ihnen der Grund für Angst oder Panik. Die Angst vor dem Schulbesuch ohne ersichtliche Ursache tritt meistens in der Vorschule, dem Kindergarten oder im ersten Schuljahr auf und erreicht ihren Höhepunkt im zweiten Schuljahr. Kurz bevor sie zur Schule gehen sollen, treten bei den Kindern z.B. Kopf-, Hals- oder Magenschmerzen auf. Wenn sie zu Hause bleiben dürfen, lässt die „Krankheit“ nach, tritt aber am nächsten Morgen vor dem Schulbesuch wieder auf. Manchmal weigern sich die Kinder auch nur, das Haus zu verlassen. Die Weigerung, zur Schule zu gehen, beginnt oft nach einer Zeit, die die Kinder zu Hause verbracht haben, mit viel Nähe zur Mutter, z.B. den Sommerferien oder einer kurzen Krankheit. Sie kann aber auch nach einem belastenden Ereignis wie dem Tod eines Haustiers oder eines Verwandten, einem Schulwechsel oder einem Umzug in eine neue Umgebung auftreten. Wenn ein Kind sich krank fühlt, „krank spielt“ oder geringe körperliche Beschwerden vorbringt, um nicht zur Schule gehen zu müssen, sollten Eltern dies ernst nehmen. Für die Eltern ist es als emotional Beteiligte schwer, mit den Ängsten ihres Kindes umzugehen. Die möglichen Langzeitfolgen für ein Kind, das immer Ängste hat und keine adäquate Hilfe bekommt, sind schwerwiegend. Bei manchen Kindern müssen die tiefer liegenden Ursachen geklärt und über einen längeren Zeitraum behandelt werden. Bei älteren Kindern oder Jugendlichen ist die Schulangst in machen Fällen eine schwerwiegendere Krankheit, die oft einer intensiven Behandlung bedarf. In jedem Fall kann die unbegründete Angst, das Haus oder die Eltern zu verlassen, erfolgreich behandelt werden und Eltern sollten nicht zögern, professionelle Hilfe bei (Schul-) Psychologen zu suchen. Siehe dazu auch Prüfungsangst und Lehrerängste – Schülerängste.

Schulangst tritt auch als Begleitstörung bei anderen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen, des Sprechens und der Sprache, bei Lese-Rechtschreibstörungen und bei Rechenstörungen auf.

 

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