Aufräumen mit Kindern

Aufräumen lernen – der Ordnung halber!

Ordnung ist der ewige Zankapfel zwischen Eltern und Kindern und sorgt regelmäßig für Unmut auf beiden Seiten.

©Pexels/Markus Spiske

Seit einer Stunde habe ich meine Kinder nicht gesehen – sie spielen friedlich im Kinderzimmer und ich genieße die Ruhe, um die Wäsche zu erledigen. Doch alles hat seinen Preis: Als ich das Kinderzimmer betrete, wird aus der Urknall-Theorie knallharte Gewissheit! Er hat soeben hier in diesem Raum stattgefunden und ganz offensichtlich ist noch immer alles in Bewegung. Wohin soll ich nur meinen Fuß setzen um die Wäsche im Schrank zu verstauen? Der Boden ist über und über mit einem kreativen Chaos aus Legosteinen, Playmobil-Kleinteilen, Haarspangen, Papierschnipseln und allerhand Krimskrams bedeckt.

Im Gegensatz zu mir, scheinen meine Kinder darin eine Landschaft zu erkennen und spielen unbeeindruckt von meiner Schnapp-Atmung seelenruhig weiter. „Das wird noch vor dem Abendbrot aufgeräumt!“ melde ich an. Ihr Blick sagt alles: Spaßbremse!

„Alles aufgeräumt!“ verkünden meine beiden Unschuldslämmer wenig später voller Stolz und ich mache mich ein wenig misstrauisch auf den Weg zu einem kleinen Kontrollgang. Auf den ersten Blick bin ich beeindruckt: Der Boden ist praktisch spielzeugfrei – zumindest im Vergelich zu vorher. Doch bei näherer Betrachtung stelle ich fest, dass ein Großteil der Sachen einfach Richtung Wände und unter Bett und Schreibtisch geschoben wurde – so geht das nun wirklich nicht!

Meine Kinder verstehen das nicht. Sie fanden es vorher nicht unordentlich:“ Das ist ein Piratennest und die werden jetzt von den Drachen angegriffen die Feuer und Asche (= Papierschnipsel) speien!“ Und jetzt erst recht nicht. Ich bin eben auch nur eine Expertin für Schweineställe und nicht für Piratennester! Höchste Zeit, hier auf einen Nenner zu kommen!

Wie viel Ordnung muss sein?

Schon zwischen Ehepartnern ist das Bedürfnis nach Ordnung unterschiedlich: Manch einem gelingt es, das schmutzige Geschirr in der Küche zu ignorieren, ein anderer findet jedoch nicht zur Ruhe bevor es nicht in die Spülmaschine geräumt ist. Im Kinderzimmer verhält es sich offenbar ähnlich: Was Mamas Blut in Wallungen bringt, ist für ihre Kinder „griffbereit“ oder „zum Weiterspielen aufgebaut“. Doch nichtsdestotrotz muss auch mal Staub gesaugt werden!

Erste Aufräum-Erfahrungen

Ordnung ist auch ein Stück weit eine Gewohnheit. Eltern, die von Anfang an darauf achten dass ihr Kind alle benutzen Spielsachen wieder zurück räumt, haben bessere Chancen auf ein ordnungsliebendes Kind als solche, die selbst alles weg räumen. Darum richtet es sicher keinen Schaden an, wenn das Krabbelbaby „helfen“ darf, die Rasseln, Motorikschleife, etc. in die Spielzeugkiste zu befördern. Noch mehr Spaß macht es, wenn es dabei ordentlich laut zugehen darf.

Oder Mama spielt mit dem 2-Jährigen „die Vergessliche“ und kann sich gar nicht erinnern, wo dieses Spielzeug her gekommen ist. Da helfen kleine Kinder doch gern mal dem Gedächtnis auf die Sprünge.

Altersgerechtes Aufräumen

Noch bis zum Grundschulalter sind praktisch alle Kinder mit dem pauschalen Auftrag „räum Dein Zimmer auf“ überfordert. Meine Tochter drückte das – mitten im Chaos stehend – mit den Worten „aber WAS soll ich aufräumen?“ aus. Sie wusste einfach nicht, wo sie anfangen sollte und ich konnte es ihr nicht verdenken.

Ein Konzept musste her!

Die richtigen Voraussetzungen schaffen

„Einen Platz für alles, dann ist für alles Platz“ lautet das Motto.

Es gibt eine Kiste für Playmobil, eine für Lego, eine für Puppenzubehör, eine für Schleich-Tiere, … und ganz wichtig: eine Kiste für den ganzen namenlosen Rest!

Mit Bild-Aufklebern wird auch jedem Gastkind schnell klar, in welcher Kiste was steckt und später wieder zu verschwinden hat.

Für Übersicht sorgen

Das klingt jetzt sicher erst einmal nicht nach Übersicht aber für Kinder ist ein klar umgrenzter Arbeitsbereich wichtig. Daher ist es hilfreich, sämtliche auf dem Boden liegenden Spielsachen in der Mitte des Zimmers auf einen Haufen zu schieben (auch unter Bett und Schreibtisch hervor) und zu erklären: „Das wird nun alles an seinen Platz zurück geräumt.“

Es kann sich übrigens lohnen, eigens zu diesem Zweck eine Laubharke aus dem Gartengeschäft zu besorgen! Die Schneeschaufel tut es aber auch.

Eine Reihenfolge vorgeben

Jüngere Kinder brauchen eine konkret benannt Aufgabe. Am Besten holt man eine der Spielzeugkisten herbei und verkündet: „Da tun wir nun alle Legosteine hinein!“

Man kann auch einen kleinen Wettkampf anregen, um ein bisschen mehr Spiel und Spaß in die Situation zu bringen. Jeder erhält eine Kiste und eine Spielzeugart die dort hinein kommt: z.B. Paul räumt die Legos ein, Lisa die Playmobil-Sachen und Mama die Teile aus dem Kaufmannsladen – wer zu erst fertig ist!