Britisches Modelabel schafft Geschlechter-Trennung ab

Britisches Modelabel schafft Geschlechter-Trennung ab

Typisch Junge, typisch Mädchen? Die Kaufhauskette John Lewis hält dieses Klischee für überholt und schafft deshalb für seine Kindermode Geschlechter-Labels ab. Wichtige Meinungsmacher in England halten diese Entscheidung für „übergeschnappt“.

Kleines Kind mit rosa Tüllrock
Mädchen oder Junge? Nicht die Klamotten sollen entscheiden © Marjorie Bertrand via Unsplash

Das britische Unternehmen John Lewis verzichtet ab sofort für sein Kindermodelabel bewusst auf die Unterteilung „Für Jungs“ und „Für Mädchen“. Stattdessen tragen alle Klamotten entweder das Etikett „Girls & Boys” oder “Boys & Girls“.

Das bedeutet aber nicht, dass sich auch das Design der Kleidung grundlegen ändert. Es wird nach wie vor Kleider, Hosen, Röcke und Shirts in allen möglichen Farben geben. Nur werden sie keinem bestimmten Geschlecht mehr zugewiesen. Eine mutige Grundsatzentscheidung mit Signalwirkung.

Ein ersten Schritt in die richtige Richtung…

Die Kaufhauskette John Lewis gibt es bereits seit den 1860ern und ist damit in Großbritannien eine echte Hausnummer. Der Schritt, auf eine Geschlechtertrennung zu verzichten, erzeugte daher ein großes Echo. Gegenüber der Independent, einer britischen Web-Zeitung, begründet Caroline Bettis, Verantwortliche für die Kindermode bei John Lewis, die Entscheidung so: „Wir möchten mit unseren John Lewis Kollektionen keine Geschlechtsstereotypen verstärken.“ Kinder sollen frei entscheiden können, was ihnen gefällt, losgelöst von gewachsenen Geschlechter-Klischees. Dass John Lewis damit einen Nerv trifft, zeigen die vielen Reaktionen über verschiedenen Social-Media-Netzwerke. Viele finden, dass sei ein richtiger Schritt gewesen:

… das sehen nicht alle so!

Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, der Schritt gehe in die falsche Richtung. Einige dieser Stimmen sind in England keine unbekannten: etwa die von Piers Morgan. Der Meinungsmacher und ehemalige Moderator beim CNN meldet sich via Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. Er ist bekannt für seine klaren Ansagen und so fällt die Kritik dementsprechend scharf aus: „Großbritannien ist offiziell übergeschnappt“. Der konservative Politiker Andrew Bridgen hält es sogar für fahrlässig von John Lewis, die Label zu entfernen. Das würde die Käufer nur unnötig verwirren, zitiert ihn The Independent.

Es gibt aber auch wesentlich reflektiertere Kritik an John Lewis‘ Unternehmensentscheidung. Einige Twitter-User merken an, dass ein Label an Klamotten noch lange nicht ausreicht, um über Jahrhunderte gewachsenen Geschlechterrollen zu ändern. Damit haben sie sicher recht. Doch die überkochenden Emotionen zeigen zumindest, dass ein fehlendes Label ausreicht, um eine Diskussion zu einem so wichtigen Thema erneut anzuregen.

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