Wenn Eltern an Burnout erkranken

Wenn Eltern an Burnout erkranken

Nicht nur Manager können am Burnout Syndrom erkranken sondern auch Eltern – egal ob berufstätig oder nicht. Stress im Familienleben und bei der Arbeit kann bei Menschen zum Ausbrennen und zur totalen Erschöpfung führen. Hier erfahren Sie, wie man Betroffenen aus der Situation heraus helfen kann und wie man einem solchen Ausbrennen vorbeugt.

Frau sitzt im Wohnzimmer im Schneidersitz
©Unsplash.com/Lena Bell

Wie äußert sich Burnout?

„Ständig unter Strom stehen, immer abrufbereit auf die Familien und äußere Anforderungen reagieren – da ist irgendwann der Akku leer!“ So oder ähnliche beschreiben Betroffene ihr Gefühl. Burnout kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „ausbrennen“. Plötzlich ist das Fell dünner als sonst und schon bei Kleinigkeiten brennen die Sicherungen durch, die Kinder werden angemotzt, jede Kleinigkeit wird zur unüberwindbaren Belastung. Morgens finden Erkrankte nur sehr schwer oder auch gar nicht mehr aus dem Bett. Ein Gefühl innerer Leere und Traurigkeit, Antriebslosigkeit und ein extremes Schlafbedürfnis sind deutliche Anzeichen, dass etwas in Schieflage geraten sind. Meist kommen auch körperliche Beschwerden wie Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Verspannungen der Muskulatur und fiebrige Zustände hinzu.
Was ein Burnout von einem einfachen Erschöpfungszustand unterscheidet, ist, dass sich die Betroffenen auch nach ein paar Tagen Ruhe und Entspannung nicht erholen. Nicht einmal ein Urlaub schafft Abhilfe.

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Eltern mit Burnout

Wenn Beruf oder Familie zu einer andauernden Überlastung führen, besteht die Gefahr eines Burnouts. Besonders gefährdet sind Personen, die in sozialen Bereichen tätig sind: Krankenschwestern, Lehrer, Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen, … und eben auch Eltern. Wenn die Familie in schwierigen Verhältnissen lebt oder ein Kind besondere, intensive Pflege oder Betreuung braucht weil es chronisch krank ist oder eine Behinderung hat, dann ist die Gefahr eines Burnout-Syndroms bei den Eltern besonders hoch. Die Eltern sind dauerhaft überfordert und geraten an ihre Grenzen, so erklärt Psychotherapeut Prof. Dr. Marcel Schär den Hergang.

Vom Perfektionisten zum Burnout-Opfer

Besonders perfektionistische Mütter sind betroffen. Sie glänzen im Beruf, hetzen zum Kindergarten oder zur Schule wo sie ehrenamtliche Aufgaben übernehmen, fahren die Kinder zur Klavierstunde und zum Ballett und bringen das Haus bis in die späte Nacht auf Hochglanz – alles soll perfekt sein. Sie bemerken gar nicht, wie unrealistisch ihre Idealvorstellung ist und wie wenig Sinn es macht, ihr ständig nachzujagen.

Auch notorische Ja-Sager, die keine Bitte abschlagen können und sich für alles verantwortlich fühlen, die für jeden ein offenes Ohr haben und allen helfen, sich selbst aber nicht helfen lassen weil sie glauben alles im Griff zu haben, sind irgendwann ausgebrannt.

Vorboten des Burnout

Oft wird nur von anderen wahrgenommen, wie sich die betroffene Person verändert. Verbissen arbeitet sie ihre Aufgaben ab und scheint kein Ende zu finden und alle Ratschläge„doch mal kürzer zu treten“ werden abgewehrt denn man ist zu wichtig, als dass man mal locker lassen dürfte. Nach und nach stellen sich dann körperliche Reaktionen wie z.B. Kopfschmerzen und Übelkeit ein, aber auch psychische Symptome wie irrationale Angstzustände kommen vor.

Burnout in der Familie

Kinder reagieren sensibel auf solche Veränderungen. Sie ziehen sich entweder zurück weil die betroffenen Eltern so gereizt sind, oder versuchen mit Ungezogenheiten die Aufmerksamkeit der Eltern zurück zu gewinnen. Die Kinder werden ernster und vermeiden es, fröhlich zu sein.

Finnische Forscher wollen außerdem herausgefunden haben, dass Kinder von Eltern, die an Burnout erkrankt sind, häufiger selbst an schulischem Burnout erkranken.

Hilfe bei Burnout

Wichtig ist, dass die Familie in dieser Situation offen und ehrlich mit einander umgeht. Kinder beziehen das Verhalten der Eltern immer auf sich und geben sich selbst die Schuld für deren Gereiztheit. Ihnen muss erklärt werden, dass der betroffene Elternteil ohne ihr Verschulden erkrankt ist und dass sie ein Recht darauf haben, fröhlich zu sein, auch wenn Vater oder Mutter dieses Gefühl gerade nicht teilen kann.

Die betroffenen Eltern hingegen leider oft an einem schlechten Gewissen gegenüber ihren Kindern und neigen daher zu Unsicherheiten beim Grenzen setzen. Sie müssen wieder lernen, eine Balance zwischen Erziehung und persönlicher Freiheit des Kindes zu erkennen, und dazu angemessen zu reagieren. Helfen kann hier eine regelmäßige Familienkonferenz, bei der die „Hochs“ und „Tiefs“ besprochen und Lösungen für Probleme gefunden werden.

Weiter ist es wichtig, dass Mutter und Vater sich absprechen, wie in bestimmten Erziehungs-Situationen reagiert werden soll, beide Partner müssen sich gegenseitig in allen Belastungs-Situationen unterstützen.

Burnout vorbeugen

Wer beim Lesen dieses Artikels festgestellt hat, dass er oder sie Gefahr läuft ebenfalls an Burnout zu erkranken oder sogar schon erste Anzeichen bemerkt, kann und sollte etwas für sich tun. An erster Stelle der Maßnahmen steht die „Auszeit“: Sich entspannen, regelmäßig Pausen machen und in sich hinein fühlen. Eigene Bedürfnisse wahrnehmen – dafür war vielleicht bisher immer zu wenig Zeit – ist eine wesentliche Voraussetzung für eine effektive Abwehr des Ausbrennens. „Was brauche ich gerade?“, für diese Frage muss man innhalten und sich selbst wieder als Person wichtig nehmen.

Entspannungsübungen und Meditation sind gute Methoden um die Selbstwahrnehmung zu fördern. Atemübungen für eine bewusste Atmung kann man sehr leicht erlernen und durch sie in Stresssituationen zur Ruhe kommen.

Ausreichend Schlaf und eine gesunde, ausgewogene Ernährung geben dem Körper neue Kraft und Energie.
Genauso wichtig aber sind auch soziale Kontakte wie z.B. das regelmäßige Treffen mit Freunden, z.B. bei einen Weiberabend beim Italiener oder einen Kinobesuch. Abends ein gutes Buch lesen oder die Lieblingsmusik hören, sorgen ebenfalls für Entspannung vom Alltag. Um Stresshormone im Körper abzubauen hilft außerdem körperliche Bewegung: Jogging, Walking oder ein Fitnesskurs.

Unser Link Tipp zum Thema: www.hilfe-bei-burnout.de

[Quelle: Angela Zimmerling, www.familienleben.ch ]