Entwicklung Kleinkind: 18 Monate

Kleinkind Entwicklung: 18 Monate 

Kann Dein Kind nicht hören oder nicht gehorchen? Immer häufiger kommt es nun zu Konflikten zwischen Eltern und Kind. Kooperative Erziehungsmethoden helfen hier langfristig weiter.

©Unsplash/Kelly Sikkema

Ihr seid auf dem halben Weg zum 2. Geburtstag, wie wäre es daher mit einer „halben Geburtstagsfeier“? Backe einen Kuchen und schenke eine Hälfte davon den Nachbarn oder Freunden. Mit der anderen Hälfte feiert Ihr den halben Geburtstag! Vielleicht ladet Ihr dazu ein paar Spielkameraden ein?

Intellektuell

Preisfrage: Wenn es Kleinkinder doch so sehr lieben, Dinge nachzuahmen, warum machen sie dann nicht mechanische Spielzeuge nach? In diesem Alter kann ein Kind bereits unterscheiden, dass Gegenstände keinen eigenen Willen haben und daher keine selbstständigen, zielgerichteten Handlungen durchführen. Der Ball rollt also nicht deshalb von der Wand zurück, weil er es will und die Tasse fällt nicht auf den Boden weil das ihr Plan war. Dein Kind weiß auch, dass es selbst kein Objekt ist, sondern so wie Du und andere Menschen eine Person mit eigenen Handlungen und Motivationen. Es unterscheidet also zwischen Lebewesen und Objekten, selbst wenn diese sich batteriebetrieben bewegen und Geräusche machen können.

Dein Kind wird nun beim Kategorisieren und Sortieren feststellen, dass es dafür verschiedene Kriterien gibt. Es kann alle Duplo-Steine und alle Holzklötze sortieren oder alle Gegenstände mit der gleichen Farbe oder Größe usw. Zeige Deinem Kind, wie Du sortierst, z.B. wenn Du Wäsche sortierst: Papas Sachen, Mamas Sachen oder wenn Du die Spülmaschine ausräumst und das Besteck, Teller und Töpfe einsortierst.

„Kann es sein, dass mein Kind auf das Telefon und den Computer eifersüchtig ist?“ fragst Du Dich nun manchmal. Es scheint fast so, als würde es immer dann in Schwierigkeiten geraten oder schlechte Laune an den Tag legen, wenn Du telefonierst oder im Internet surfst. Es fordert tatsächlich ein, immer im Mittelpunkt Deiner Aufmerksamkeit zu stehen und klagt dies notfalls lauthals ein.

Emotional und sozial

Du fragst Dich vielleicht, ob Dein Kind gut hören kann, denn es reagiert nicht immer, wenn Du es ermahnst. Ist es das „Hören“ oder das „Gehorchen“, das hier Probleme bereitet? Vermutlich letzteres, auch wenn es nicht schaden kann – insbesondere nach einer Erkältung – die Ohren nachschauen zu lassen.  Zwischen einem und anderthalb Jahren reagieren Kinder nicht sehr zuverlässig auf die Ermahnungen ihrer Eltern. Allerdings: Je mehr sich Kinder von ihren Eltern unterstützt fühlen und je zuverlässiger Eltern auf ihr Kind reagieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auf seine Eltern hört.

Steht Dein Kind plötzlich auf dem Spieltisch und Du möchtest, dass es dort herunter kommt, dann mach keine große Sache daraus, sondern hilf ihm, dort wieder herunter zu klettern, anstatt zu versuchen, Dich verbal durchzusetzen.

Kooperative Erziehungsmethode

Es wird nun immer häufiger passieren, dass Du und Dein Kind unterschiedliche Ziele verfolgen und es zu Konflikten kommt. Mit der richtigen Taktik kannst Du von früh an helfen, dass Dein Kind und Du gut mit einander kommunizieren und gemeinsam Lösungen finden, die beiden gerecht werden. Kompromissbereite Eltern und Kinder haben es dann in den kommenden Jahren deutlich leichter. Um dies zu erreichen, muss man zunächst ein wenig Zeit und Geduld investieren, aber dies zahlt sich über viele weitere Jahre aus.

Hier ein Beispiel:

Situation: Dein Kind läuft auf dem Sofa hin und her, aber Du bist besorgt, dass es dabei herunter und auf die Fliesen fällt.

  • Sprich aus, was Du siehst: „Du bist auf das Sofa geklettert und kannst darauf laufen.“
  • Gehe in erreichbare Nähe, berühre Dein Kind evtl. leicht, während Du mit ihm sprichst: „Mama möchte nicht, dass Du auf dem Sofa läufst.“
  • Gib Deinem Kind eine Auswahl: „Möchtest Du allein vom Sofa herunter kommen oder soll Mama Dir helfen?“
  • Sei konsequent: Wenn Dein Kind nicht herunter kommen will oder es allein nicht schafft, nimm es sanft und hebe es vom Sofa zum Boden.
  • Zeige, dass Du es verstehst: Dein Kind wird wahrscheinlich wütend sein und dies deutlich machen. Zeige ihm, dass Du seine Gefühle verstehst. „Du bist wütend weil Du nicht mehr auf dem Sofa laufen darfst. Ich habe Dich herunter genommen, weil es gefährlich ist“
  • Biete Alternativen: „Du kannst nicht auf dem Sofa laufen, aber wir können eine Matratze auf den Boden legen, auf der Du dann laufen kannst.“

Dieses Vorgehen ermöglicht es beiden Personen ihr Ziel zu erreichen, ohne dass dabei einer zum Verlierer wird. Es braucht ein wenig Übung auf beiden Seiten, aber wenn Dein Kind erst einmal verstanden hat, dass es von Dir nicht nur eine Unterbrechung seiner Tätigkeit, sondern auch eine Alternative geliefert bekommt, wird es auf Deine Interventionen bald interessiert und gelassener reagieren.

Schlafen

Vielleicht will Dein Kind jetzt keinen Mittagsschlaf mehr machen oder abends nicht ins Bett. Manche Kinder können inzwischen über ihr Bettgitter klettern, daher werden diese nun oft (zumindest teilweise) entfernt und das Kind steht nun ständig wieder auf. Oder sie ziehen sich im Bett die Windel aus und treiben damit Schabernack. Dein Kind sollte im zweiten Lebensjahr täglich 12 Stunden Schlaf bekommen. Es lohnt sich daher, diese Phase durchzustehen, ohne auf den Mittagsschlaf zu verzichten, denn dieser kann schon bald bis zu 3 Stunden dauern und Dir somit ein bisschen Zeit für andere Dinge verschaffen.

Warum ausreichend Schlaf für die Entwicklung wichtig ist, liest du hier

Mehr über das Einführen von guten Schlafmustern liest du hier

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Spielen

Es mag Dir noch zu früh erscheinen, Deinem Kind Zahlen beizubringen, jedoch kannst Du schon jetzt ein erstes Verständnis für Mengen und Zahlen schaffen. Zähle die Eier, die Du aus dem Kühlschrank nimmst: 1, 2, 3, 4 und die Socken, die Du aus der Waschmaschine holst: …4, 5, 6, 7, … zähle Bauklötze und Bürstenstriche usw. Zeige dabei auf die Dinge die Du zählst.

Was die meisten Kinder in diesem Alter können:

Intellektuell

  • Kann einfachen Aufforderungen nachkommen, z.B. etwas in die Spielzeugkiste legen
  • Kennt die Verwendung diverser Alltagsgegenstände
  • Zeigt auf Körperteile wenn es danach gefragt wird
  • Kann einen Stift halten und damit kritzeln

Grobmotorisch

  • Läuft selbstständig
  • kann rennen
  • Kann evtl. schon Treppen steigen
  • Zieht Spielsachen hinter sich her
  • Isst vom Löffel und trinkt aus einer Tasse

Sozial & emotional

  • spielerisch Dinge an andere überreichen
  • Angst vor Fremden (zweite Fremdelphase)
  • bekommt Wutanfälle
  • zeigt bekannten Personen gegenüber Zuneigung
  • sucht bei Veränderungen oder neuen Situation die Nähe von Bezugspersonen
  • spielt „so tun als ob“ und ahmt dabei Tätigkeiten nach
  • zeigt auf Dinge für die es sich interessiert
  • bewegt sich zunehmend unabhängig und frei, bleibt aber in der Nähe der Bezugsperson

Sprachentwicklung

  • Spricht mehrere Wörter
  • Sagt „nein“ und schüttelt dabei den Kopf

Signale für mögliche Entwicklungsprobleme

  • Reagiert nicht auf das Weggehen und Wiederkehren der Bezugsperson.
  • Verlernt Fähigkeiten, die es schon einmal erlangt hatte.
  • Zeigt nicht auf Dinge die es interessieren.
  • Ahmt nicht das Verhalten anderer nach.
  • Kann nicht laufen.
  • Kann weniger als 6 Wörter sprechen und lernt auch keine neuen hinzu.
  • Kennt nicht die Verwendung geläufiger Alltagsgegenstände.

Durchschnittliche Entwicklung eines Kindes im Alter von 18 Monaten:

Fähigkeit Prozent
geistige Entwicklung
Das Kind spricht 3 klare Wörter und verwendet sie richtig. 100%
Das Kind spricht 6 klare Wörter und verwendet sie richtig. 81%
laufen
Das Kind kann sich im Stand bücken und auch wieder aufrichten, ohne sich dabei festzuhalten. 93%
Das Kind läuft nun sicher und fällt selten hin. 92%
Das Kind kann rückwärts gehen. 89%

Wenn Du mehr Infos zur Entwicklung Deines Kindes bekommen möchtest, dann lies Woche für Woche unseren Baby-Entwicklungskalender