Entwicklung Kleinkind: 21 Monate

Kleinkind Entwicklung: 21 Monate

Dein Kind entdeckt ein neues Gefühl: Schuld. Außerdem weiß es, wie Dinge „richtig“ gemacht werden und reagiert fast ungehalten, wenn Du abweichend handelst. Die Hand-Augen-Koordination und die Feinmotorik sollten trainiert werden, um die Entwicklung Deines Kindes zu mehr Selbstständigkeit zu fördern.

©Unsplash/Nikola Radojcic

Intellektuell

Jetzt hat Dein Kind gelernt, wie man viele Dinge richtig macht: Die Tür öffnet man mit der Hand, den Ball stößt man mit dem Fuß, usw. – doch manchmal ändern wir unser Handeln.

Hat man z.B. die Hände voller Einkäufe, wird man zum Türöffnen vielleicht den Ellenbogen verwenden, spielt man Hockey, kickt man den Ball mit einem Schläger, statt mit einem Fuß. Dein Kind wird das „falsch“ finden und an seinem bisher bekannten Weg festhalten, die Tür von Hand zu öffnen (sofern erreichbar) und den Ball mit dem Fuß zu kicken. Es wird diese Tätigkeit vielleicht auch sofort auf die herkömmliche Weise ausführen wollen, geradezu als wollte es Dir zeigen, wie man es richtig macht. Probiere mal Folgendes: Statt die Bauklötze mit der Hand zu stapeln, baust Du den Turm mit Hilfe einer Würstchenzange auf. Schau Dir die Reaktion Deines Kindes an: Es weiß, dass das ineffizient ist und wird diese Methode sehr wahrscheinlich nicht nachahmen – es sei denn die Neugier ist einfach zu groß und die Würstchenzange zu interessant.

Sozial und emotional

Meist beginnend mit 18 Monaten können Kinder begreifen, dass das freundliche Kind im Spiegel sie selbst sind. Wenn nun also das Interesse an Spiegeln zunimmt, dann liegt es vermutlich daran, dass es sich selbst darin erkennt und beobachtet. Teste mal, was passiert, wenn Dein Kind vor einem Spiegel sitzt und Du ihm mit Creme einen weißen Punkt auf die Nasenspitze setzt.

Die Suche nach Konflikten mit der Bezugsperson wird nun noch intensiver. Du stellst vielleicht fest, dass Dein Kind Dir beharrlich in die Augen schaut, während es etwas Verbotenes tut. „Schau Mami, ich schmeiße Deine Haarbürste ins Klo! Was willst Du dagegen tun?“  Bleib gelassen und mach Dir klar, dass das nicht persönlich gemeint ist. Dein Kind will nicht, dass Du Dich ärgerst oder schlecht fühlst, es will einfach nur wissen, was nun passiert – und es will seinen Forscherdrang an der Haarbürste auslassen. Je ruhiger und kontinuierlicher Du auf solche Provokationen reagierst, desto schneller wird Dein Kind den Spaß an der Sache verlieren bzw. wissen, was als nächstes passieren wird und es nach einigen Wiederholungen langweilig finden. „Ach ja, wenn ich etwas ins Klo werfe, nimmt Mama es wieder heraus und wir gehen dann ins Wohnzimmer – so wie letztes Mal.“

Viele wichtige Regeln, die von den Eltern oder anderen Betreuungspersonen aufgestellt wurden, kennt Dein Kind bereits. Viele davon versucht es sogar zu befolgen. Nicht immer gelingt dies oder manchmal passieren auch Missgeschicke. Lässt Dein Kind z.B. einen Gegenstand fallen, der dann zerbricht, so wirst Du feststellen, dass Dein Kind mit einer neuen Emotion konfrontiert wird: Schuldbewusstsein. Es fühlt sich schuldig, versucht vielleicht sogar, den zerbrochenen Gegenstand zu reparieren und gesteht seinen Fehler ein, indem es Dir zeigt, was kaputt gegangen ist.

Schuld bedeutet auch, dass Dein Kind bereits Verantwortung für sein Handeln übernimmt – zumindest in einem altersgerechten Maß – und somit einen Schritt weiter zu einem verantwortungsbewussten Menschen herangereift ist.

Es ist sinnvoll, seinem Kind diese Konsequenz eines negativen Gefühls kennenlernen zu lassen, jedoch ohne seine Schuldgefühle durch übermäßiges Schimpfen oder gar Zuwendungsentzug zu verstärken. Erkläre ihm, dass es schade oder ärgerlich ist, dass der Gegenstand kaputt ist, zeige dies auch durch Mimik und Gestik. Gib Deinem Kind aber auch die Chance, es wieder gut zu machen und bringe ihm bei, sich zu entschuldigen (sobald es ausreichend sprechen kann) und es wieder gut zu machen, z.B. indem es den kaputten Gegenstand wegräumt.

Achte darauf, dass das Thema dann auch wirklich erledigt ist und nicht länger daran erinnert wird. Widerstehe auf jeden Fall der Versuchung, die Schuldgefühle Deines Kindes für Deine Zwecke zu nutzen. Vermeide unbedingt Aussagen wie z.B. „Du machst Mama ganz traurig, wenn du deine Spielsachen nicht aufräumst“ oder dergleichen. Das Ausnutzen von Schuldgefühlen wird bei seelischem Missbrauch oft angewendet und kann zu schwerwiegenden seelischen Störungen des Kindes führen.

Grobmotorik

Dein Kind kann rennen und Treppen steigen – beim Hinuntersteigen braucht es aber noch weiterhin Hilfe. Kann es vielleicht schon rückwärts gehen? Wenn es andere Kinder hüpfen sieht, möchte es ihnen nacheifern, schafft es jedoch noch nicht. Es wird vermutlich ein wenig gebückt in die Hocke gehen, jedoch beim Aufrichten fest auf dem Boden bleiben.

Feinmotorik

Feinmotorische Fähigkeiten entwickeln sich nicht über Nacht, sie brauchen viel Übung. Da Dein Kind nun ohnehin häufiger einfordert, Dinge allein zu machen, solltest Du einfach immer ausreichend Zeit einplanen, um Deinem Kind die Möglichkeit zu geben, z.B. beim An- und Ausziehen zu helfen, beim Essen selbst den Löffel zu halten, beim Zähne putzen einmal selbst vorab zu putzen usw. Eine gut entwickelte Feinmotorik hilft Deinem Kind, schneller selbstständig zu werden (somit hätte man dann z.B. die Hände für ein weiteres Baby frei) und ermöglicht ihm das Malen und Schreiben lernen. Zur Feinmotorik gehört nicht nur die Bewegung, sondern auch die Entwicklung von Kraft in den Fingern.

Kneten ist dafür sehr geeignet. Ein Rezept für ungiftige Knete findest Du hier

Spielen

Tanzen, Lieder mit Bewegungen, Dein Kind hat nun viel Freude an Rhythmus und Musik. Spielgruppen, Turngruppen für die Kleinsten und auch Musikschulen bieten dafür umfangreiche Programme an, bei denen auch die Eltern viele neue Spiel-Ideen mit Musik kennen lernen. Rhythmusinstrumente, Trommeln, Xylophon und ähnliches sind begehrte Spielsachen bei Kindern gegen Ende des zweiten Lebensjahrs. Auch einfache Holzpuzzle stellen nun eine gute Herausforderung an die Augen-Handkoordination dar.

Denke daran: Es wird Zeit einen Termin für die U7 zu machen!