Kleinkind Entwicklung: 23 Monate

Kleinkind Entwicklung: 23 Monate 

Dein Kind versteht nun vielleicht schon die Bedeutung von „ich“ und „meins“ – was für ein Fortschritt! Eine ausgeprägte „meins“-Phase ist jedoch oft die Folge und das Abgeben und Teilen muss gelernt werden.

Kind hält eine Schüssel Erdbeeren in der Hand
©Pixabay/Kathrin Pie

Sozial und emotional

Dein Kind verbessert seine empathischen Fähigkeiten, und das bedeutet auch, dass es durch Konflikte und negative Gefühle in seinem Umfeld deutlich beeinträchtigt wird. Ein Streit unter Eheleuten, ein lautes, wütendes Telefonat mit der Schwiegermutter, Dein Kind nimmt diese Emotionen auf und wird sich danach ebenfalls aggressiv und wütend verhalten. Es ist in diesem Alter ganz besonders sensibel für solche Emotionen und nicht gut in der Lage, damit umzugehen. Darum ist es ratsam, nicht vor dem Kind zu streiten und es so wenig wie möglich Konfliktsituationen zwischen anderen auszusetzen. Dauern die Konflikte an, z.B. weil die Eltern sich viel streiten, so kann die gesunde geistige Entwicklung des Kindes darunter leiden.

 

Andererseits wird Dein Kind spüren, wenn unausgesprochene Konflikte und emotionale Belastungen die Eltern beschäftigen. Sprich dies dann an und erkläre Deinem Kind: „Mama ist heute traurig.“

Es wird Dich vielleicht überraschen, aber viele Wutanfälle Deines Kindes ließen sich mit einer kleinen Zwischenmahlzeit vermeiden. Die Mägen von Kindern sind kleiner als unsere und zugleich verbrauchen sie mit ihrem geschäftigen Tun eine Menge Energie. Sie brauchen daher mehr Zwischenmahlzeiten, jedoch melden sie ihren Hunger meist nicht an, weil sie so beschäftigt und abgelenkt sind. Hungrige Kinder sind schnell unleidig und neigen zu Wutanfällen. Wenn Du also merkst, dass sich die Stimmung Deines Kindes gerade Richtung Nullpunkt bewegt, dann überlege, wann es zuletzt gegessen hat und biete ggfs. einen Snack (Banane, Joghurt oder Brot) an. Wenn Dein Kind sich bereits im Spiegel erkennt, dann kann es sich vielleicht auch schon auf Fotos und Videos finden. Probiere es mal aus!

Sprachentwicklung

Immer häufiger hörst Du Dein Kind nun vielleicht neue Wörter sagen (zumindest klingt es meistens wie Wörter). Sein Sprachverständnis ist nun schon so weit entwickelt, dass es meistens weiß, wovon Du mit ihm sprichst. Vielleicht spricht es bereits 50 Wörter – auch wenn Du und Dein Partner die einzigen sind, die es verstehen. Innerhalb von zwei Monaten können aus diesen 50 Wörtern nun 500 werden! Also pass auf, was Du sagst! Manche Kinder beginnen schon sehr früh mit dem Sprechen, andere aber lassen sich noch etwas Zeit, bis sie ihr Wissen zur Schau stellen. Wenn Dein Kind wenig spricht, dann fördere seine Sprache, indem Du bevorzugt auf Sprache reagierst. Wenn es den Becher haben möchte und darauf zeigt, dann gib ihm nicht einfach den Becher, sondern sage: „Möchtest Du den Becher haben?“ Wiederhole diesen Vorgang bei jedem Wunsch, den Dein Kind nicht verbal ausdrückt. Frage nach, nenne dabei den Gegenstand oder die Handlung. Sollte das nach einer Weile nicht zum Erfolg führen, fordere es auf: „Möchtest Du den Becher haben? Sag ‚Ich möchte den Becher haben‘.“ Warte kurz bis Dein Kind einen passablen Laut von sich gegeben hat (erwarte nicht den vollständigen, verständlichen Satz) und gib ihm den Becher dann mit einem Lob.

Intellektuell

Gegen Ende des zweiten Lebensjahres entdecken viele Kinder die Bedeutung von „Ich“. Bisher kannten sie ihren Namen und reagierten darauf. Von sich selbst sprachen sie mit ihrem Namen, z.B. „Jana auch Ball spielen!“ Nun lernt Dein Kind, von sich selbst als „ich“ zu sprechen und sein Eigentum (auch sein vermeintliches) als „meins“ zu bezeichnen.  Meist lernen Kinder dies, wenn sie auch ihr Spiegelbild erkennen und oft passiert dies im Alter zwischen 22 und 28 Monaten. Du kannst Deinem Kind helfen, die Wörter „Ich“, „meins“, „mich“, „mir“, „Du“, „Dich, … richtig zu verwende, indem Du selbst darauf achtest, sie richtig anzuwenden:

Sage statt „Mama geht einkaufen, will Jana mitkommen?“ besser „Ich gehe einkaufen, willst Du mitkommen?“ Wenn alles „meins“ ist, dann bleibt für andere nicht viel übrig. Dein Kind wird nun vielleicht alle interessanten Spielsachen an sich reißen, mit „meins“ verteidigen und sollte daher lernen, das „meins“ manchmal auch „deins“ ist – kannst Du noch folgen? Um es klarer zu formulieren: Teilen und abgeben muss geübt werden. Wir erinnern uns an das „Bitte / Danke“ Spiel aus früheren Lebensmonaten. Spiele das Spiel und reagiere mit deutlich übertriebener Freude und mit Lob, wenn Dein Kind etwas abgibt. So wird die „meins“-Phase bald überwunden sein.

Video-Empfehlung

Schon wieder krank?

Kleinkinder durchlaufen endlos viele Erkältungen und es scheint, als würde das Nase abwischen, Inhalieren gegen den Husten, Fieber messen kein Ende nehmen – Dein Kinderarzt denkt vielleicht schon Du wärst sein Stalker! Infekte sind normal und trainieren das Immunsystem, dennoch muss man nicht jede Erkältungswelle aus Kindergarten oder von anderswo mitnehmen. Oft wird unterschätzt, wie viele Infekte durch ein paar einfache Maßnahmen vermieden werden könnten. Hier einige Beispiele:

  • Wisch den Griff von Einkaufswagen mit einem Desinfektionstuch ab, bevor Du Dein Kind hinein setzt oder ihn schiebst. Sollen andere darüber denken was sie wollen.
  • Tausche die Handtücher der Familie häufig aus.
  • Hände waschen nach dem Einkaufen, Wickeln, Toilettengang, Kindergarten, nach der Arbeit und wann immer Du etwas anfasst, was viele Menschen berührt haben. Dabei die 5-er Regel beachten: 5 Sekunden die Hände mit Wasser abspülen, 5 Minuten mit Seife von allein Seiten abreiben, 5 Minuten mit Wasser abspülen, mit einem sauberen Handtuch abtrocknen.
  • Türklinken, Telefontastatur, PC-Tastatur regelmäßig abwischen.
  • Bällebäder sind erstklassige Keimschleudern. Wer seinem Kind den Spaß nicht nehmen will, sollte danach aber unbedingt gründlich seine Hände waschen und abends ein Wasser-Bad einplanen.

Insbesondere beim Händewaschen auch darauf achten, dass die Hände Deines Kindes regelmäßig gründlich gereinigt werden. Kinder fassen alles an und stecken noch Vieles in den Mund. Du solltest immer eine kleine Packung Feuchttücher in der Handtasche haben, um die kleinen Finger zwischendurch mal abzuwischen. Das mag auf andere pingelig und übertrieben wirken, aber Du wirst sehen, dass sich die Anzahl der Infekte deutlich reduziert.

Spielen

Erfolg und Misserfolg liegen oft nah bei einander. Dein Kind wird furchtbar frustriert und wütend, wenn etwas misslingt, z.B. wenn das Dreieck partout nicht in den Schlitz des Rechtecks vom Formensortierer passen will. Zum Ende des zweiten Lebensjahrs wollen Kinder unbedingt erfolgreich sein und ihr Ziel erreichen. Doch oft sind sie noch tapsig, unkoordiniert und unerfahren, so das noch einiges schief geht. Auch wenn es schwer mit anzusehen ist, hilf Deinem Kind nicht immer sofort. Misserfolg muss gelernt werden und das Gefühl der Frustration kennenzulernen ist ebenfalls wichtig. Alle Menschen brauchen eine gewisse „Frustrationstolleranz“, damit sie im Leben mit Misserfolgen zurecht kommen. Sie müssen lernen, dass dabei nicht die Welt untergeht und der Ärger verfliegt. Findet Dein Kind später die Lösung zu seinem Problem, z.B. den richtigen Schlitz beim Formensortierer, dann ist die Freude um so größer.