Kleinkind Entwicklung: 24 Monate

Kleinkind Entwicklung: 24 Monate

Happy Birthday! Dein Kind wird nun 2 Jahre alt und Ihr habt ein weiteres Jahr als Eltern gemeistert. Der 2. Geburtstag steht bevor und will gebührend gefeiert werden. Lies hier, was ein Kind in diesem Alter können sollte.

©Unsplash/Kelly Sikkema

Allgemeine Entwicklung im 2. Lebensjahr

Auf den ersten Blick scheint es Außenstehenden vielleicht fast so, als hätte Dein Kind im zweiten Jahr hauptsächlich an Größe und Gewicht zugelegt, jedoch nicht annähernd so viel Neues gelernt wie in seinem ersten Lebensjahr. Doch schaut man genauer hin, ist die intellektuelle und soziale Entwicklung Deines Kindes im zweiten Lebensjahr deutlich herangereift. Es versteht die Welt und andere Menschen nun viel besser, und dies öffnete ihm die Tür zur Interaktion und Kommunikation mit anderen Personen. Apropos Kommunikation: Wundere Dich nicht, wenn Dein Kind nun bald redet wie ein Wasserfall!

Sozial und emotional

Sicher hat Dein Kind seit seinem ersten Geburtstag schon den einen oder anderen Wutanfall bekommen und lauthals geschrien, vielleicht getrampelt oder geschlagen, wenn es mit einer Sache nicht einverstanden war. Vermutlich war das erst der Anfang, denn um den zweiten Geburtstag beginnt meist die eigentliche Trotzphase. Da schmeißen sich Kleinkinder auf den Boden, schreien unerbittlich ihre Umgebung zusammen, manche schlagen sogar ihren Kopf gegen Wände und Böden – das ganze Programm unkontrollierter Wut! Ratlos und meist auch hilflos stehen die erschrockenen Eltern daneben. Was soll man da tun? Die Ratschläge reichen meist von „ignorieren“ bis zu „den Hintern versohlen“ und am Liebsten möchte man sein Kind vielleicht mit Gewalt wegzerren oder durch Anschreien zur Vernunft bringen – jedoch ist dies alles nicht ratsam.

Tipps für die Trotzphase

RAN hilft hier weiter:

  • R für Ruhig bleiben! Beteilige Dich emotional nicht an der Situation. Werde weder wütend noch nachgiebig sondern bleibe so gelassen wie es Dir möglich ist, ohne dabei gleichgültig zu sein.
  • A für Aussprechen: Fasse in Worte, was Dein Kind noch nicht sagen kann. „Du bist wütend weil du das Spielzeug nicht haben kannst. Du möchtest es gern mit nach Hause nehmen aber es gehört Clara und darum müssen wir es hier lassen!“ Dein Kind merkt, dass Du sein Problem verstanden hast. Zwar kannst Du keine zufriedenstellende Lösung bieten, aber Dein Kind weiß nun, dass es zumindest verstanden wurde.
  • N für Nähe bieten: Bleibe bei Deinem Kind, so dass es bei Dir Trost finden kann, wenn es diesen sucht. Es wird vielleicht nach einigem Weinen einfach in den Arm genommen werden wollen. Zwinge es ihm nicht auf, sei einfach da.

Wenn Du RAN stets konsequent durchführst, kannst Du die Dauer und Häufigkeit der Trotzanfälle deutlich reduzieren. Dennoch wird es sie immer wieder geben und sie sind auch Teil der Entwicklung Deines Kindes zu mehr Unabhängigkeit. Nicht jeder Trotzanfall ist eine unberechtigte Reaktion auf unabdingbare Umstände. Manchmal müssen auch die Eltern lernen, ihrem Kind mehr zuzutrauen. Wenn das 2-Jährige die Jackenknöpfe gern selbst schließen möchte, dann lass es dies versuchen. Sorge dafür, dass genügend Zeit vorhanden ist, sodass Dein Kind dies in Ruhe ausprobieren und üben kann.

Was Dein Kind nun wahrscheinlich kann:

Grobmotorisch

  • Kann beim Laufen ein großes oder mehrere kleine Spielzeuge tragen.
  • Versucht zu rennen.
  • Kann beim Spielen in der Hocke sitzen.
  • Kann ohne Hilfe auf Möbel klettern und wieder herunter kommen.
  • Kann die Stufen einer Treppe einzeln und mit festhalten hinauf und herunter steigen.
  • Kann auf einem Rutsch-Auto fahren und mit den Füßen abstoßen.
  • Kann einen Ball werfen.
  • Öffnet Türen.
  • Kann rückwärts gehen, auf der Stelle hüpfen und aus Zehenspitzen laufen.

Feinmotorisch

  • Kann Behälter durch umdrehen ausleeren.
  • Kann auf Papier kritzeln und Punkte setzen.
  • Kann kreisähnliche Objekte und horizontale Striche malen.
  • Benutzt evtl. eine Hand mehr als die andere.
  • Kann einen Turm aus 4 oder mehr Klötzen bauen.
  • Kann dicke Seiten eines Papp-Buches umblättern.
  • Zieht sich selbst Schuhe, Strümpfe oder Mützen aus.
  • Kann Dinge in einen Behälter füllen.

Sozial

  • Ahmt das Verhaltens anderer nach.
  • Zunehmend seiner selbst bewusst, erkennt sich auf Fotos.
  • Freut sich über die Gesellschaft anderer Kinder und mag in ihrer Gegenwart spielen oder ihnen zusehen.
  • Benutzt Wörter wenn es um Hilfe bittet.
  • Sagt „nein“ und möchte Dinge selbst machen.
  • Versucht Spielkameraden durch Wörter zu beeinflussen.

Emotional

  • Kommt leichter damit zurecht wenn die Bezugsperson weg geht, Trennungsangst reduziert sich.
  • Kann einige Gefühle mit Worten ausdrücken.
  • Gefühle wie Scham, Schuld, Stolz und Verlegenheit treten auf.

Sprachentwicklung

  • Zeigt auf Dinge die Du benennst.
  • Merkt sich und kennt die Namen von bekannten Personen, Körperteilen und Dingen.
  • Folgt Anweisungen aus zwei Teilen, wie z.B. „Hole den Ball aus dem Flur und leg ihn in die Kiste.“
  • Verbindet Wörter zu Zwei-Wort-Sätzen, z.B. „Puppe spielen“ oder „Mama lieb“.
  • Lernt jeden Tag ein oder mehr neue Wörter hinzu und benutzt sie.
  • Benutzt zwei Pronomen, z.B. „ich“ und „mein“
  • Bittet mit Wörtern um Hilfe.
  • Hält Bücher richtig herum und kann Seiten umblättern.
  • Kann summen und singen.
  • Tut so als würde es vorlesen.

Intellektuell

  • Sortiert Dinge in zwei Kategorien, z.B. nach Farben oder Themen
  • Findet Gegenstände die unter mehreren Decken-Schichten versteckt wurden.
  • Versteht, dass man Dinge zählen kann und dafür spezielle Wörter hat, 1,2,3 …
  • Kann „so tun als ob“, z.B. wenn es mit Puppen spielt und sie füttert.
  • Kann ein einfaches Puzzle mit einfachen Formen puzzeln.
  • Kann kleine Probleme lösen, ohne dafür zuvor „Versuch und Irrtum“ zu nutzen.
  • Ahmt Verhalten nach, das er bei jemandem beobachtet hat – manchmal sogar erst nach mehreren Monaten.
  • Macht Dinge nach, die Du vormachst: klatschen oder Bewegungen zu Bewegungsliedern.
  • Versteht Aufforderungen aus zwei Elementen und kann sie durchführen.