Entwicklung: 33 Monate

Entwicklung: 33 Monate

Schlägt Dein Kind mit seinem Kopf gegen Fußboden oder Wand? Dann erfahre, warum es dies tut und ob Du Dir deshalb Sorgen machen musst. Erfahre außerdem, wie Du das Thema „trocken werden“ vorsichtig und spielerisch einbringst, falls Dein Kind bisher noch kein Interesse gezeigt hat.

©Pixabay

Mit dem Kopf durch die Wand

„Head-Banging“ – da denkt man an E-Gitarren, Lederjacken und Rockmusik, nicht an einen 2-Jährigen, oder? Doch haben erstaunlich viele Kinder eine Phase, in der sie ihren Kopf gegen den Boden oder die Wand schlagen. Nicht dass wir Eltern das nicht auch manchmal tun wollten, jedoch: Das tut weh!

Was also treibt die Kleinen zu einem derart auffälligen und besorgniserregenden Verhalten?

Zunächst einmal ist diese Verhalten selten ein Anzeichen einer Störung, sondern vielmehr recht normal und überraschend häufig. Selbst Babys schlagen manchmal bereits mit dem Kopf gegen den Boden und bei Jungen ist dieses Verhalten im Vergleich zu Mädchen etwa drei Mal so häufig (mehr über Geschlechterunterschiede). In der Regel dauert diese Phase nur wenige Monate an, manchmal aber auch Jahre – aber irgendwann wachsen Kinder daraus heraus.

Warum tun die Kinder dies?

Folgende Gründe sind für das Schlagen des Kopfes an Boden oder Wände häufig:

  1. Zur Beruhigung: So beunruhigend es die Eltern finden, so beruhigend empfindet das Kind das rhythmische Klopfen. Manche Kinder tun dies um einzuschlafen oder um sich von einem Wutanfall zu beruhigen oder einfach um nach einem anstrengenden Tag entspannen zu können.
    Du kannst versuchen, Deinem Kind mit einem warmen Bad, einer ruhigen Geschichte oder mit streicheln eine andere Weise der Entspannung zu vermitteln.
  2. Ablenkung von Schmerzen: Dein Kind zahnt oder hat eine Ohrentzündung? Dann lenkt ihn das Head-Banging vermutlich von diesen Schmerzen ab. Wenn diese Schmerzen für Dein Kind so stark sind, dass sie zu diesem Verhalten führen, spricht mit Deinem Kinderarzt über homöopathische Mittel oder altersgemäße Schmerzmittel zur Linderung.
  3. Wut-Ventil: Dein Kind kann während eines Wutanfalls seine Gefühle durch head-banging kanalisieren – für verbale Äußerungen fehlen ihm vielleicht noch die Worte. Vielleicht ist es auch Teil seiner Selbstberuhigung.
    Verbiete oder bestrafe das Head-Banging nicht, es würde die Dinge nur schlimmer machen, da Dein Kind Deine Gründe hierfür nicht versteht. Versuche so gut es geht über das Verhalten hinwegzusehen und vermittle in ruhigeren Momenten alternative
    Möglichkeiten wie z.B. in ein Kissen hauen.
  4. Aufmerksamkeit suchen: Dein Kind hat vielleicht bemerkt, dass Du auf dieses Verhalten besonders stark reagierst und es dadurch Deine Aufmerksamkeit erhält. Versuche künftig, Deinem Kind insbesondere dann Aufmerksamkeit zu schenken, wenn es sich positiv verhält. Versuche das Kopf-an-die-Wand oder -den-Boden-Schlagen weitgehend zu ignorieren.
  5. Entwicklungsprobleme: Auch wenn Head-Banging in der Regel eine harmlose Ursache hat, kann es ein Anzeichen für eine autistische Störung sein. Diese würde sich aber auch durch andere Symptome wie z.B. fehlender Augenkontakt, keine oder wenig soziale Interaktion und andere Auffälligkeiten bemerkbar machen. Solltest Du unsicher sein, wende Dich an Deinen Kinderarzt.

So besorgniserregend das Verhalten ist, die Chance, dass sich Dein Kind hierbei verletzt, ist eher gering. Es mag eine Beule oder einen blauen Fleck davon tragen, jedoch wird ein Kind in der Regel aufhören oder die Intensität reduzieren, wenn es wirklich schmerzt und es sich ernsthaft verletzen könnte. Allerdings solltest Du darauf achten, dass die Flächen, an denen Dein Kind seinen Kopf schlägt, frei von Nägeln, Schrauben, Holzsplittern oder anderen Verletzungsgefahren sind.

Was Dein Kind jetzt kann

  • eine Frage stellen
  • mit etwas Hilfe seine Hose anziehen

Was es vielleicht schon kann:

  • einen Drehverschluss öffnen
  • sich an Dinge vom Vortag erinnern
  • beim Malen das Handgelenk zur Stiftführung nutzen

Was manche Kinder schon können:

  • die Unterschiede bei Menschen erkennen: verschiedene Geschlechter, Hautfarben, …
  • Teile des Alphabets aufsagen, wenn es dazu angeleitet wird

Spielen und Lernen

Ein perfekter Kleinkind-Tag besteht aus folgenden Elementen:

  • ruhigem Spiel (z.B. ein Buch anschauen, mit Lego spielen)
  • sich aktiv bewegen oder gar toben
  • Bewegung an der frischen Luft (Laufrad fahren, spazieren gehen, …)
  • kreativen Tätigkeiten (malen, basteln, musizieren)
  • „so tun als ob“-Spielen (z.B. Kaufmannsladen oder verkleiden)

„So tun als ob“-Spiele stellen reale und meist auch alltägliche Lebenssituationen dar. Mit einem Arztkoffer kann der Besuch beim Kinderarzt nachgestellt werden, der Kaufmannsladen kann auch mal die Post sein und eine Tee-Party mit den Puppen und Stofftieren oder die Festnahme durch einen kleinen Polizisten gehören ebenfalls dazu.

Wenn Dein Kind noch keine Anstalten macht, trocken zu werden und Du das Thema langsam und vorsichtig vorstellen möchtest, dann sorge dafür, dass die Puppen und Bären mitten im Spiel mal auf den Topf oder die Toilette müssen. Verbinde das ruhig mit einer Menge Humor und lass die Gestalten pupsen, erleichtert aufatmen oder tu so, als würde es jetzt fürchterlich stinken und ihr müsst Euch die Nase zu halten.  Übe darüber keinen Druck auf Dein Kind aus, sondern nutze diese Spieleinlage einfach als Einstieg in das Thema und warte ab, was Dein Kind daraus macht.

Lies mehr zum Thema Trocken werden