Spielverabredung unter Kindern

Die erste Spielverabredung unter Kindern

Bisher war die eigene Familie für Dein Kind interessant genug, aber nun beginnt es langsam, sich auch für andere Personen zu interessieren: Die erste Verabredung ohne Eltern steht ins Haus. Bis ein kleiner Rosenkavalier um Töchterchens Hand anhält oder eine Schwiegertochter-Kandidatin unter die Lupe genommen werden muss, dauert es noch. Doch jetzt beginnen die ersten Schritte in eine neue Dimension der zwischenmenschlichen Beziehungen: Freundschaft.

©Unsplash/Michal Janek

Kinder im Alter von zwei oder drei Jahren spielen oft noch unstet miteinander. Für einige Minuten beschäftigen sie sich intensiv gemeinsam mit einer Sache und dann wieder spielen sie nebeneinander her oder streiten sich. Auch wenn die Verabredungen nicht immer so erfolgreich wirken, so sind sie doch sehr wichtig für die soziale Entwicklung von Kleinkindern. Sie lernen z.B. Fähigkeiten wie teilen, kooperieren, sich behaupten und nachgeben.

Zu mir oder zu dir?

Kaum zu glauben, aber schon in frühen Jahren spielt diese Frage ein Rolle. Bestenfalls klären die Kinder dies untereinander. Doch je jünger sie sind, desto weniger kann man hier eine Entscheidung erwarten. Darum sollten die Eltern im Gespräch klären, ob eines der Kinder schon ohne Elternbegleitung bei jemandem bleiben mag. Vielleicht kann auch beim ersten Besuch noch die Mutter auf einen Kaffee mitkommen oder zumindest 10 Minuten warten und sehen ob es klappt.

Manchmal ist ein Treffpunkt auf neutralem Boden die beste Lösung, besonders wenn die Kleinen dazu neigen ihre Spielsachen vehement zu verteidigen. Ein Spielplatz ist ein guter Ort für gemeinsamen Spaß – hier gibt es kein „meins!“. Dort kann für den Anfang geübt werden die Schaufeln und Förmchen zu tauschen, sich beim Rutschen abzuwechseln und gemeinsam zu schaukeln.

Besuchszeiten?

Die ersten Verabredungen sollten nicht für einen ganzen Nachmittag geplant werden – nach 60, spätestens aber 90 Minuten haben Kleinkinder meist keine Lust mehr auf einander. Entweder wird der kleine Besucher dann abgeholt oder die Gasteltern übernehmen das Entertainment mit einer gemeinsamen Malstunde oder anderen begleiteten Aktivitäten.

Auch die Uhrzeit der Verabredung muss bedacht werden: Beide Kinder sollten ausgeruht sein. Nach dem Mittagsschlaf ist ein guter Zeitpunkt – aber Vorsicht: Manche Kinder brauchen nach dem Schlafen eine gute Stunde um richtig wach zu werden und sind bis dahin eher ungnädig. Achte darauf dass die Verabredung zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem es für beide Kinder ideal ist.

Andere Familien – andere Sitten

Wenn Ihr Spielbesuch erwartet, checkt noch einmal die Sicherheit in Deinem Haus. Bei vielen Dingen weiß Dein Kind genau was es darf und was verboten ist, und wird sich daran halten. Aber erwarte dies nicht von Eurem jungen Gast. Hab ein wachsames Auge auf die Aktivitäten des anderen Kindes, denn es wird vermutlich mit großer Neugier alles einmal ausprobieren wollen.

Eine Kinderschar?

Eine Verabredung mit einem Kind am Tag ist genug. Je mehr Kinder daran teilnehmen, desto schwieriger wird der soziale Umgang zwischen den Kleinen. Viele Kinder bedeuten meist auch viele Tränen und viel Streit – so vergeht den Kleinen schnell die Lust am gemeinsamen Spiel.

Die Hausordnung

Nenne kurz die Regeln in Deinem Haus aber halten Sie die Liste knapp, sonst vergessen die Kinder alles wieder. Sag z.B. „Gegessen wird bei uns nur am Tisch und zum Toben geht ihr am besten in den Garten.“

Zurückhaltung

Wenn die Kinder sich uneinig sind, solltest Du Dich zunächst zurückhalten – wie sonst sollen sie lernen, mit einander auszukommen? Aber wenn die Kinder sich körperlich angreifen oder wenn Tränen fließen, ist Einmischung geboten.

Damit es bei Euch zuhause zwischen den Kinder nicht zu übermäßigen Streitigkeiten kommt, kannst Du Spielsachen anbieten, die sich leicht teilen oder gemeinsam verwenden lassen, z.B. Bälle oder Bauklötze. Das Lieblingsspielzeug, dass Dein Kind sicher nicht hergeben möchte, sollte für die Dauer der Verabredung auf dem Schrank warten. Kommt es dennoch zu Streit, etwa weil ein Kind nicht teilen oder abgeben will, sag etwas Ähnliches wie „Sagst Du Lotta Bescheid wenn sie damit an der Reihe ist?“ – Kinder teilen leichter wenn sie dabei die Kontrolle über die Situation haben.

Fernsehen?

Vor dem Fernseher lernt man sicher keine sozialen Fähigkeiten und viele Eltern möchten auch generell nicht, dass ihr Kind fernsieht. Also lass die Flimmerkiste besser aus und spiele zur Not etwas Kaspertheater vor.

Der richtige Spielkamerad

Damit es zwischen den Kindern klappt, solltest Du Dich vorab fragen, ob eine Verabredung sinnvoll ist. Kindern, die möglichst genau das gleiche Alter haben, sind ideale Spielkameraden. Aber auch gelegentliche Treffen mit größeren Kindern geben wichtige Impulse für die Entwicklung. Das Temperament der Kinder sollte zu einander passen: Ein stilles, vorsichtiges Kind wird vielleicht wenig mit einem wilden und lauten Kind anfangen können.

Auch die anderen Eltern spielen eine Rolle: Haben sie ähnliche Einstellungen zur Erziehung wie Du, oder würdest Du Dein Kind dort nur sehr ungern zum Spielen abgeben? Falls Du wenig Übereinstimmung findest und bei einer Verabredung im anderen Haushalt Sorge um Dein Kind hättest, ist es auch erlaubt, die Spielinteressen Deines Kindes vorsichtig auf ein anderes Kind zu lenken.