Erziehen ohne „Wenn.../dann...“ – geht das?

Erziehen ohne „Wenn…/dann…“ – geht das?

Auch unsere Autorin ertappt sich auch manchmal dabei, ihren Kindern mit „Wenn…/dann…“-Sätzen zu drohen – doch sinnvoll findet sie es nicht.

©Caroline Hernandez via Unsplash

„Wenn du dein Zimmer nicht endlich aufräumst, dann schmeiße ich einfach alles was noch herum liegt weg!“ oder „Wenn du nicht mitkommst, dann gehe ich ohne dich und du bleibst allein!“ Okay, ich bin nicht stolz darauf, aber auch ich habe diese Sätze schon gebraucht.

„Aber machen die Sätze wirklich Sinn?“

Die fiese „Wenn-Dann-Keule“ kennen wir wohl alle schon aus unserer eigenen Kindheit. „Wenn du kein Gemüse isst, dann wirst du nicht groß“, „Wenn du jetzt nicht brav bist, dann bekommst du morgen Hausarrest“ oder „Wenn du nicht endlich aus dem Schwimmbecken kommst, dann fahren wir diesen Sommer gar nicht mehr ins Freibad!“ Eltern drohen gerne mit „wenn… dann…“, aber machen die Sätze wirklich Sinn?

Wie konsequent seid ihr als Eltern?

Wenn man sie sich genau ansieht, dann merkst man, dass sie das meistens leider nicht tun. Sie erklären unseren Kindern nichts, sie machen ihnen oft einfach nur Angst – und stehen in keinem Zusammenhang miteinander. Denn so manche „wenns“ und „danns“ sollten wir Eltern am besten aus unserem Wortschatz komplett streichen – nämlich die, die für unsere Kinder keinen Sinn ergeben oder die ihnen Angst oder Stress machen.

„Was aber wollen wir von unseren Kindern“

Natürlich darf man den Kindern erklären, dass „wenn es am Abend dunkel wird, dann ist der Mond am Himmel.“ Denn das ist einfach so. Die Drohung „Wenn du nicht mitkommst, dann gehe ich ohne dich!“ bewirkt mit großer Wahrscheinlich zwar, dass das Kind verschreckt losrennt, um Mama oder Papa nicht zu verlieren, aber es zeigt dem Kind nicht, warum es mitkommen soll. Es zeigt dem Kind viel mehr, dass Mama und Papa große Macht über es haben.

Was aber wollen wir von unseren Kindern? Eigentlich wollen wir doch, dass sie das Zimmer aufräumen, weil es ordentlich sein soll. Und eigentlich wollen wir doch, dass sie mit uns mitkommen, weil wir einen Termin haben. Wieso sagen wir also nicht „Bitte komm jetzt mit, Mama hat einen wichtigen Termin!“? Weil unsere Kinder darauf eben nicht immer reagieren. Trotzdem erreichen wir mit einem „Wenn du nicht mitkommst, dann gehe ich“ einfach nur eine Reaktion aus Angst. Angst, dass die Mama wirklich geht.

„Lerne ich aus Angst etwas? Studien zeigen: nein!“

Ist Angst ein guter Ratgeber? Gibt Angst Sicherheit? Und lerne ich aus Angst etwas? Studien zeigen: nein! Es ist besser etwas aus eigener Motivation zu schaffen. Ich gehe mit, weil Mama mich darum bittet. Wenn wir das bei unserem Kind erreichen, ohne Drohungen, dann haben wir den richtigen Weg der Kommunikation untereinander gefunden. Ist es leicht, diese drohenden „Wenn/dann“-Sätze aus unserem Sprachgebrauch zu entfernen? Absolut nicht. „Wenn du jetzt nicht Zähne putzt, dann geht die Mama aus dem Bad!“ ist einer meiner häufigsten Sprüche. Aber hey, ich arbeite dran – und irgendwann hoffe ich, meine Drohungen runterschlucken zu können, und mit meinem Kind auch in schwierigen Situationen auf einer anderen Ebene zu sprechen.