Erziehungsbotschaften - Kinder erziehen

Erziehungsbotschaften: Wie wir unsere Kinder zufällig hypnotisieren

Wussten Sie, dass Sie Ihr Kind jeden Tag hypnotisieren? Zwar lassen Sie keine Gegenstände vor ihren Augen hin- und her baumeln aber Hypnose funktioniert auch anders: Durch das ständige Wiederholen bestimmter Sprechmuster programmieren Sie Ihr Kind durch „zufällige Hypnose“ und impfen ihm Botschaften ein, die es sich ein Leben lang merken wird. Daher ist es wichtig, welche Botschaften Sie Ihrem Kind vermitteln, um es zu einem glücklichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen zu lassen.

 

Junge mit Pullover starrt aufs Meer
©Unsplash/Michal Prazuchowski

Die „Kinderhypnose“

Kinder sind voller Fragen. Die wohl wichtigste Frage, die sie sich stellen, lautet: Wer bin ich? Was für eine Art Person bin ich? Wo gehöre ich hin? Sie ahnen schon, welchen Unterschied es macht, ob Sie ihrem Kind die Botschaft „Du bist faul!“ oder „Du bist großartig“ mit auf den Lebensweg geben. Grundsätzlich wird Ihr Kind von allen Aussagen die mit „Du bist …“ beginnen, geprägt.

Sie müssen aber nicht jeden Konflikt vermeiden, vielmehr geht es darum, Ihr Kind nicht mit Eigenschaften zu belegen sondern konstruktiv Kritik zu üben. Versuchen Sie also nicht, sich glücklicher oder liebevoller zu geben als Sie es sind – das wird Ihr Kind merken und dadurch eher verunsichert. Sagen Sie statt dessen, wie Sie sich fühlen und was Sie von Ihrem Kind erwarten. Z.B. wenn Ihr Kind das Zimmer nicht aufräumt, wäre es richtig zu sagen:“ Ich ärgere mich über Dich und möchte, dass Du jetzt Dein Zimmer aufräumst!“ anstelle von: „Du faules Kind, du kannst wohl nie gehorchen!“

Auch wenn Ihr Kind noch nicht sprechen kann, so wird es schon sehr früh verstehen, was Sie ausdrücken, wenn Sie etwas sagen. Seien Sie daher auch bei kleinen Kindern auf der Hut, was über Ihre Lippen kommt, wenn Sie über sie reden. Die soeben beschriebene Form der Prägung durch Aussagen können Sie sich aber in der Erziehung positiv zu Nutze machen: Sagen Sie, was Ihnen an Ihrem Kind gefällt! Reden Sie in Gegenwart Anderer gut über Ihr Kind, wenn es in Hörweite ist!

Ärger und Wut gegenüber Kindern zu äußern ist jedoch nicht grundsätzlich negativ denn die Kinder müssen auch lernen, dass Eltern ärgerlich und dabei vielleicht sogar lautstark sein können, ohne dass Sie deshalb in Gefahr sind. Aber positive Aussagen wie: „Das hast Du toll gemacht!“ sollten Sie ebenso kräftig und emotional mitteilen wie Ihren Ärger.

Demütigende Erziehungspraxis

Vermeiden:

  • demütigende Äußerungen anstatt schlichter Ansagen in Disziplin-Situationen.
    Falsch: „Gib das zurück du egoistisches Kind“,
    besser: „Gib es zurück!“
  • Demütigende Äußerungen, auch wenn sie freundlich in Form von Kosenamen daher kommt.
    Falsch: „Ach, mein süßer Tolpatsch“,
    besser „Das kann jedem passieren“
  • Vergleiche
    Falsch „Du bist genauso schusselig wie dein Onkel“,
    besser „Ich wünsche mir, dass Du etwas zuverlässiger wirst“
  • schlechtes Beispiel zu sein.
    Falsch: „Wenn du noch einmal haust, dann gibt es was an die Ohren!“
    besser: „Hauen ist doof! Ich möchte nicht, dass Du haust!“
  • Lob für Verhalten das später zu Konflikten führen kann.
    Falsch: „Dem hast du es aber gegeben!“,
    besser „Wehre Dich mit Worten. Sag dem anderen was Dich ärgert und was Du von ihm erwartest.“ (bei größeren Kindern)
  • Schuldgefühle wecken, um die Kinder zu kontrollieren.
    Falsch: „Du machst mich fertig, ich bin bald reif für’s Irrenhaus!“ oder „Sieh, was du deiner Mutter antust.“,
    besser „Ich ärgere mich darüber!“

3 Ursachen für demütigende Erziehungspraxis

Die Eltern wiederholen, was man früher zu Ihnen gesagt hat

Kinder kommen leider ohne Anleitung zur Welt und die meisten frisch gewordenen Eltern fangen bei der Erziehung bei Null an. Einziges Vorbild hierbei sind oft die eigenen Eltern. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn Sie sich gelegentlich dabei ertappen, Sätze und Vorgehensweisen Ihrer Eltern zu wiederholen. Wie ein Automatismus gelangen Sie in unser Sprechen und Handeln und es bedarf einiger Übung und Disziplin, diesen Automatismus durch eigene Handlungen nach eigenen Vorstellungen zu ersetzen.

Vielfach sind Eltern auch so sehr von einer schmerzhaften Erinnerung an die Erziehungspraxis der eigenen Eltern geprägt, dass sie genau das Gegenteil machen und sich schwören, ihre Kinder niemals auszuschimpfen oder es ihnen an etwas fehlen zu lassen. Oftmals leiden diese Kinder an mangelnder Führung und unter übertriebener Fürsorge.

Die Eltern halten es für das Richtige

Früher nahm man nicht selten an, dass Kinder von Grund auf schlecht seien und nur dadurch zu guten Menschen geformt werden könnten, dass man ihnen immer und immer wieder sagt wie schlecht sie sind. Aus Scham würden Sie dann ihr Verhalten ändern. Wer selbst so erzogen wurde, erwägt in der Erziehung seiner Kinder oft gar nicht, dass Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen für die Entwicklung Ihres Kindes ausgesprochen wichtig sind.

Die Eltern sind mit Ihren Kräften am Ende

Geldnöte, Langeweile, Überarbeitung und andere Belastungen führen vielfach zu einer negativen Kommunikation mit den Kindern.

Wer unter Druck steht, baut eine körperliche Spannung auf, die auf Entladung wartet. Tatsächlich erleichtert es, wenn man mit Worten oder Handlungen auf jemanden losgehen kann. Oftmals sind die Kinder dann das benötigte Ventil, weil es leichter ist, an ihnen die schlechte Laune auszulassen als an Erwachsenen.

Gehen Sie ihrer schlechten Laune auf den Grund und lernen Sie, Dampf abzulassen, ohne dass Ihr Kind leidet. Boxen Sie die Matratze oder machen Sie einen Spaziergang, suchen Sie das Gespräch mit Freunden oder Partner, machen Sie Sport oder Entspannungsübungen, …

Es ist genauso wichtig für sich selbst zu sorgen, wie für die Kinder zu sorgen – reservieren Sie sich Zeit für sich selbst!

Weitere Themen

Wie sinnvoll sind alte Erziehungsmethoden eigentlich noch?

Kinder müssen nicht lernen alleine zu sein

Bewegungsgeschichte

Eine kleine Bewegungsgeschichte für Kinder

Kindererziehung: Wenn das Kind nicht hört

Manche Ideen in der Erziehung sind längst überholt

Ideen und Geschenke zur Einschulung

Es ist soweit: Dein Kind kommt in die Schule!

So gelingt ein erfolgreicher Schulstart

Bereite dein Kind optimal vor