Alternative Schulformen: Montessori-Schule

Freie Schule: Montessori- und Waldorf-Pädagogik

Eltern suchen nach den besten Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Kinder, weshalb alternative und vermeintlich bessere Bildungsmethoden immer gefragter werden, nicht erst seit der PISA-Studie. Doch bei all den verschiedenen Schulformen ist es gar nicht so einfach den Durchblick zu behalten. Zwei der populärsten Bildungskonzepte wollen wir Ihnen vorstellen: die Montessori- und die Waldorf-Pädagogik.

©Unsplash/Aaron Burden

„Hilf mir, es selbst zu tun“ lautet der Grundgedanke der von Maria Montessori entwickelten Lernmethode. Sie orientiert sich an der Individualität jedes einzelnen Kindes und soll selbstständiges Lernen und eine freie Entwicklung und Entfaltung der Kinder ermöglichen.

Die Montessori-Methode

Die Philosophie der Montessori-Pädagogik besagt, dass Kinder nur aus eigener Motivation heraus lernen sollten, ohne Belohnungen und ohne Strafe und Kritik. Die Kinder werden individuell betrachtet, jedes hat seine eigenen Bedürfnisse, Begabungen und Schwächen. Demzufolge braucht jedes Kind eine eigene Art des Lernens in einem ganz eigenem Rhythmus. In der Montessori-Pädagogik können die Kinder selbst bestimmen, wie lange, wie oft und mit wem sie bestimmte Lektionen erarbeiten. Und das ganz ohne Druck und Zwang, nur aus der natürlichen Freude am Lernen heraus. Vorrangiges Erziehungsziel ist eigenverantwortliches Handeln und Selbstständigkeit. So lernen beispielsweise die Kinder in Montessori-Kindergärten schon frühzeitig sich selbst anzuziehen, zu waschen und ihre verwendeten Arbeitsmittel in Ordnung zu halten und aufzuräumen.

Studien zeigen, dass Kinder, die mit der Montessori-Methode unterrichtet werden, über höhere schulische und soziale Kompetenzen verfügen. Heute gibt es weltweit Einrichtungen, die nach diesem Prinzip arbeiten, alleine in Deutschland sind es über 1000 Schulen und Kindergärten. Allerdings ist der Name Montessori nicht geschützt, theoretisch könnte sich also jede Einrichtung danach benennen. Manche Ansätze der Montessori-Pädagogik haben in Kindergärten und Schulen bereits Einzug erhalten, ohne, dass diese sich explizit danach so nennen. Besucht ein Kind einen Montessori-Kindergarten oder eine –Grundschule, sollte auch ein späterer Wechsel auf eine traditionell unterrichtende Schule in der Regel kein Problem sein. Die Kinder sind es gewöhnt, sich selbstständig in ihrer Umgebung zurecht zu finden und mit neuen Herausforderungen umzugehen.

Die vorbereitete Umgebung

Unterrichtet wird in der vorbereiteten Umgebung, das heißt, die Einrichtung des Montessori-Kindergartens bzw. der –Schule ist auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. Das Arbeitsmaterial ist frei zugänglich und alles nur einmal vorhanden. Dadurch soll soziales und selbstbestimmtes Lernen ermöglicht und der Forscherdrang der Kinder gefördert werden. Die Klassen und Gruppen sind außerdem leistungs- und altersgemischt, dadurch sollen die Kinder motiviert werden, mit besseren, schnelleren Schülern mitzuhalten, ohne den Druck des Lehrers oder durch Prüfungen zu erfahren. Die Kinder werden natürlich auch angehalten, weniger gemochte und für sie schwierigere Aufgaben zu bearbeiten. Dies ist gerade bei älteren Schülern unvermeidlich, denn die Lehrpläne der Länder gelten auch für die Montessori-Schulen. Jedoch ist hier der Weg zu den geforderten Zielen ein anderer und die Schüler können mitbestimmen, wie sie das Ziel erreichen und können dadurch viele zusätzliche Kenntnisse erwerben. Es wird in verschiedenen Formen unterrichtet, in Gruppen-, Projekt-, Freiarbeit oder im gebundenen Unterricht, wo neue Themengebiete zusammen mit dem Lehrer erarbeitet werden.

Die Lehrmaterialien dienen nicht als reines Anschauungsmaterial, mit denen der Lehrer etwas erklärt und lehrt. Vielmehr sollen sie die Selbstbildung der Kinder ermöglichen, indem sie mit diesen eigenständig arbeiten können. Die Montessori-Pädagogen haben eine andere Rolle als die Lehrer traditioneller Schulen. Sie sollen den Schülern nur Hilfestellungen geben und sie bei der Wahl der Arbeitsmaterialien beraten. Sie sollen die Kinder beobachten, begleiten und so die natürlichen Begabungen jedes Einzelnen wecken, um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Sie handeln also ganz nach dem Grundgedanken der Montessori-Pädagogik „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Wer war Maria Montessori?

Maria Montessori wurde 1870 in Italien geboren und hatte ihr Leben ganz dem Wohl der Kinder verschrieben. Als erste Frau mit medizinischem Doktortitel setzte sie sich viel für die Rechte von Frauen und Kindern ein.

Sie arbeitete zunächst in der kinderpsychiatrischen Abteilung der römischen Universitätsklinik, dann in einer eigenen Praxis. Während der therapeutischen Arbeit mit geistig behinderten Kindern entwickelte sie spezielle Arbeitsmaterialien, um die Entwicklung dieser Kinder zu fördern. Ihr Medizinstudium ergänzte sie durch zusätzliche Studien der Pädagogik und Psychologie.

Später leitete sie ein Heilpädagogisches Institut, bevor sie in Rom eine Tagesstätte für Kinder aus sozialschwachen Familien gründete. Dort konnte sie ihre Bildungsvorstellung erstmals praktisch verwirklichen. Sie wendete die für geistig behinderte Kinder entwickelten Arbeitsmaterialien bei den geistig „normalen“ Kindern der Unterschicht an. Der große Erfolg gab ihr Recht und so entwickelte sie ihre Methode Schritt für Schritt weiter.

Zuletzt lebte Maria Montessori in den Niederlanden, wo sie mit ihrem Sohn Mario die Association Montessori Internationale gründete, bevor sie 1952 starb.