Frühförderung - was ist das? wo gibt es das?

Was ist Frühförderung?

Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin DGSPJ erhalten heute 30 Prozent der Kinder eines Geburtsjahrgangs bereits im Vorschulalter professionelle Förder- und Therapiemaßnahmen – zu viele, erklärt Professor Harald Bode, Präsident der DGSPJ

©Pexels/Alison Burrell

Kinder dürfen nicht mit allen Mitteln zu einem definierten Zeitpunkt in ein festes Raster gezwängt werden, sondern kindliche Entwicklung kann in ganz unterschiedlichem Tempo ablaufen. Wichtig ist allerdings, die eher unkritischen Entwicklungsverzögerungen von den ernsten und umgehend zu behandelnden Entwicklungsstörungen abzugrenzen. Vor der Einleitung geeigneter Förder- und Therapiemaßnahmen muss unbedingt eine sorgfältige Diagnostik stattfinden. Eine Schlüsselrolle nehmen hier die niedergelassenen Kinderärzte ein, die das Kind und die Familie in der Regel über einen längeren Zeitraum kennen. Besteht Anlass für eine spezielle Diagnostik, Fördermaßnahme oder Therapie, überweisen sie in die entsprechenden Förderzentren oder zu den richtigen Fachleuten.

Was ist Frühförderung?

Der Begriff Frühförderung umfasst medizinische, psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen für Kinder in den ersten Lebensjahren, die hinsichtlich ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung beeinträchtigt, behindert oder von Behinderung bedroht sind. Frühfördermaßnahmen werden von niedergelassenen Ärzten – in der Regel Kinderärzten – verordnet und von der Krankenkasse übernommen. Ziel ist, den betroffenen Kindern bessere Chancen für die Entfaltung ihrer Persönlichkeit, für die Entwicklung eines selbst bestimmten Lebens und für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe zu bieten. Eine systematische Entwicklungsförderung darf sich dabei nicht im Training von Einzelfunktionen erschöpfen. Alle Maßnahmen sind als Bestandteile eines ganzheitlichen und interdisziplinären Systems von Hilfen zu sehen, in das die Familie einbezogen wird. Frühförderung bietet deshalb neben der Diagnostik und Therapie auch die pädagogische Förderung sowie die Beratung, Anleitung und Stützung der Eltern. Dazu bedarf es eines Teams von Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen: Ärzte, Heilpädagogen, Psychotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Psychologen, Sozialpädagogen und andere arbeiten in der Frühförderung – im Idealfall Hand in Hand.