Eifersucht unter Geschwistern - Wie gehe ich damit um?

Eifersucht unter Geschwistern

Mütter sind meist entsetzt, wenn Sie nach der Geburt des zweiten Kindes feststellen, dass sie ihrem größeren Kind gegenüber negative Gefühle entwickeln. Erschrecken Sie nicht, denn das ist normal.

©Unsplash/Michal Janek

Familienordnung nach der Geburt des zweiten Kindes

Wenn ein Baby geboren wird, muss sich die Familie neu sortieren. Bisher war vermutlich die Mutter für die Versorgung und Erziehung des ersten Kindes die primäre Ansprechpartnerin. Mit der Geburt das zweiten Kindes steht Sie dem ersten Kind nicht mehr so uneingeschränkt zur Verfügung. Eifersucht des Größeren ist nur eine Veränderung von vielen. Die Familie muss sich neu strukturieren und der Vater das größere Kind vermehrt an sich binden. Er sollte ausgleichend mehr Zeit mit dem großen Kind verbringen und somit dessen Verlustschmerz mindern.

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Naturgemäß sind Sie zunächst auf die Versorgung Ihres Babys eingestellt, dies wird hormonell gesteuert. Versuchen Sie dennoch, dem großen Kind möglichst viel körperliche Zuwendung zu geben. Versäumen Sie auch nicht, Ihre Beziehung zum Erstgeborenen nach den ersten, stressigen Monaten zu erneuern. Wenden Sie sich bewusst dem Erstgeborenen wieder zu und geben Sie ihm die Sicherheit, dass Sie es genauso lieben, wie vor der Geburt des Geschwisterkindes und zeigen Sie ihm, dass es nicht auf die Hälfte der Zuneigung verzichten muss.

Geschwister-Eifersucht

Stellen Sie sich vor:

Sie kommen nach Hause und finden ihren Mann mit einer anderen Frau im Bett. Sie sind entsetzt aber Ihr Mann lächelt nur und sagt mit milder Stimme: „Aber Schatz, sie gehört jetzt zu uns. Deshalb habe ich Dich nicht weniger lieb!“

So geht es Ihrem erstgeborenen Kind.

Die Ankunft eines Geschwisterchens geht mit Schmerzen und Verlust für das Erstgeborene einher. Sie können ihm diese Erfahrung nicht ersparen, ihm aber helfen, sie zu verarbeiten.

Eines Tages wird Ihr Erstgeborenes vielleicht den Vorschlag machen, Ihr Baby in die Mülltonne zu entsorgen oder anders los zu werden. Erschrecken Sie dann nicht und reagieren Sie nicht entsetzt. Wählen Sie lieber eine ruhige Situation, um mit ihm darüber zu reden. Sagen sie z.B. „Kleine Babys können einem schon manchmal ganz schön auf die Nerven gehen, oder?“ und lassen Sie Ihr Kind sich dann seinen Frust und Ärger von der Seele reden. Hören Sie dann einfach nur zu und bewerten Sie nichts. Sagen Sie ihm/ihr, wie gern Sie ihn/sie haben.

Wenn Sie ihrem erstgeborenen Kind gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie es durch ein Geschwisterkind einem Teil Ihrer Aufmerksamkeit beraubt haben, ist das Eifersuchtsdrama übrigens schon vorprogrammiert! Denken Sie lieber positiv: Ihrem Kind konnte nichts Besseres passieren, als ein Geschwisterchen zu bekommen. Anfängliche Anpassungsschwierigkeiten zeigen, wie richtig und wichtig es war, sich für ein zweites Kind zu entscheiden.

Tätliche Übergriffe

Wenn Ihr Kind Ihr Baby kneift, beißt, kratzt oder ihm auf andere Weise absichtlich weh tut, ist es wichtig, dass Sie Ruhe bewahren! Trösten Sie zunächst das Baby, äußern sie sich aber nicht negativ über das Geschwisterkind! Nehmen Sie es statt dessen auf den Schoß (Körperkontakt!) und sehen Sie ihm in die Augen. Sagen Sie ihm jetzt ganz ernst und deutlich, dass Sie keine weiteren Übergriffe dieser Art dulden werden: „Ich möchte nicht, dass Du … noch einmal wehtust!“. Verzichten Sie auf Strafen denn jede Bestrafung von Handlungen denen Eifersucht zugrunde liegt, bewirken das Gegenteil. Das Kind, das sich ohnehin zurückgewiesen fühlt, erfährt dadurch sonst nur erneute Zurückweisung. Das negative Verhalten wird dann verstärkt und es entsteht ein Teufelskreis.

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Größere Kinder

Größere Kinder kennen meist die sozialen Erwartungen, die an sie gestellt werden. Daher zeigen sie die Eifersucht auf das Geschwisterkind meist nur verdeckt oder gar nicht. Vielmehr beginnen sie an anderer Stelle auffällig zu agieren. Sie zeigen sich z.B. aggressiv gegenüber den Eltern oder ihr Essverhalten ändert sich oder sie lassen in der Schule nach, … Darum sollten Eltern nach der Geburt eines kleinen Geschwisterkindes ihr größeres Kind sorgsam beobachten und auf Veränderungen im Verhalten achten. Es gibt kaum ein Kind an dem es wirklich spurlos vorbei geht, wenn es plötzlich nicht mehr so interessant ist wie das „süße, kleine Baby“ und die Tatsache dass es sich liebevoll um das Baby kümmert sollte nicht davon ablenken, dass es vielleicht dem Baby gegenüber auch negative Gefühle hat, deren es sich schämt. Solche inneren Konflikte sollten angesprochen werden. Eltern sollten ihrem Kind sagen, dass sie diese Gefühle verstehen.

Wen liebst Du mehr?

Auch zwischen größeren Kindern gibt es oft Eifersucht und manchmal äußern Kinder auch, dass sie sich weniger geliebt fühlen als das Geschwisterkind. Hier ist es wichtig, das Konzept von Liebe zu erklären und dass man Menschen mit verschiedenen Persönlichkeiten lieben kann, ohne die eine besser zu finden als die andere.