Große Kinder - große Sorgen

Große Kinder – große Sorgen!

Als die Kinder noch klein waren, konnten wir Eltern unsere Heldenrolle voll ausfüllen: Der Apfel hängt zu hoch am Baum? Mama pflückt ihn Dir! Die Schleife will nicht gelingen? Papa hilft ein bisschen. Angst vor Nachbars Hund? Komm auf meinen Arm! Doch wenn Kinder ins Schulalter kommen, dann werden die Probleme komplizierter und Eltern sind bei der Lösungssuche oft genug genauso ratlos wie ihre Kinder. Was z.B. tun, wenn das Kind ständig geärgert wird?

Junge liegt schreiend in einem Blätterhaufen
©Unsplash/Ryan Tauss

Immer Stress mit anderen Kindern

Typische Sorgen von größeren Kindern betreffen gleichaltrige Freunde und Klassenkameraden. Deinem Kind wurde aus nichtigem Anlass die Freundschaften aufgekündigt oder jemand hat es ausgelacht, es wurde von der besten Freundin nicht zum Geburtstag eingeladen, die Kumpels haben das Tor nicht anerkannt oder haben ihn nicht mitspielen lassen … alle Eltern kennen solche kleinen Dramen, die Kinder aus der Bahn werfen. Und obwohl sie uns nun vielleicht schon fast bis zur Schulter reichen, sind unsere „Großen“ dann plötzlich wieder ganz klein – zumindest emotional.
Mama und Papa genießen für den Bruchteil einer Sekunde vielleicht diese Renaissance, müssen im nächsten Moment aber einsehen, dass auf den Arm nehmen keine Option mehr ist und das Helden-Cape im Schrank bleiben muss. Was also tun?

Vorsicht vor falschen Reaktionen

Wir Eltern spüren die Traurigkeit, den Ärger und die Sorgen unserer Kinder fast wie unsere eigenen Gefühle – Empathie ist ein wesentlicher Faktor unserer Beziehung. Dennoch gilt es jetzt zu lernen, dass wir die Probleme unserer Kinder nicht so lösen können, wie wir es mit unseren eigenen Problemen tun würden.

Spontane Impulse sind vielleicht, die betreffenden Kinder zur Rede zu stellen – dies wäre jedoch problematisch weil das Machtgefälle zwischen Erwachsenen und Kindern zu groß ist. Es wäre nur dann eine Option wenn Personen oder Gegenstände Schaden nähmen, sofern Erwachsene nicht eingreifen. Zudem wird Dein Kind zur Petze abgestempelt, die zu Mama läuft und sich ausweint – keine gute Aussicht! Ein Gespräch mit den betreffenden Eltern kommt u.U. schon eher in Frage, jedoch nur, wenn die Probleme relevant genug sind, dass die körperliche oder seelische Gesundheit Deines Kindes Schaden nehmen könnte. Ein Gespräch mit der Schule ist auch nur dann angebracht, wenn die Handlungen in der Schule oder auf dem Schulweg stattfinden. Nicht immer fühlen sich Lehrer dafür verantwortlich Konflikte zwischen den Kindern zu moderieren.

Einfach nichts tun?

Der Lösungsansatz liegt darin, dass wir Eltern das Problem nicht lösen müssen und (außer in schweren Fällen) auch nicht sollten. Wenn wir Eltern nämlich stets in die Konflikte unserer Kinder eingreifen, dann signalisieren wir ihnen damit, dass sie entweder nicht in der Lage sind, diese selbst zu lösen oder dass wir ihnen nicht zutrauen, selbst eine Lösung zu finden.
Konflikte können außerdem wachsen und größer werden, wenn Eltern sich einmischen (Stichwort „Petze“).

Soll man sich also dem Ganzen entziehen und seinem Kind sagen, dass es schon selbst eine Lösung finden wird? Nicht ganz: Die wichtige Aufgabe von Eltern besteht darin, dem Kind geduldig zuzuhören. Keinesfalls bemitleiden, jedoch mit ihm fühlen. Das bedeutet, einfach da zu sein, Verständnis zu zeigen und wenn das Kind dies mag und zulässt, es auch einfach fest in den Arm zu nehmen.

Sätze wie „Ich verstehe, Du bist richtig sauer auf Pauline“ können dem Kind signalisieren, dass seine Gefühle richtig wahrgenommen werden, oft ist es aber schon genug, wenn man still zuhört und sich das Kind seinen Schmerz und Zorn von der Seele klagen kann. Hierbei verarbeitet es auch einen Großteil seiner negativen Emotionen. Hasserfüllte Sätze wie „ich wünschte es würde ihn gar nicht geben“ und unrealistische Lösungen wie „das nächste Mal wenn er das macht kick ich ihn in den Bauch dass er bis nach China fliegt“ darf man durchaus zulassen – verstehe sie als eine Art verbale Psychohygiene, die hilft, negative Gefühle zu kanalisieren und herauszulassen. Lass Dein Kind also weinen, schimpfen, ins Kissen boxen, fluchen … bis es sich von allein beruhigt hat. Sollte es in seiner Wut auch Dich angreifen oder aus dem Raum schicken, dann geh und sage dabei mit ruhiger Stimme, dass es gern zu Dir kommen kann, wenn es später darüber reden möchte.

Ernst nehmen ist wichtig

Was Eltern vermeiden sollten, ist, das Problem zu relativieren:

„Du bist aber auch nicht immer ein Engel.“

oder „Wer weiß, vielleicht hast du ja auch irgend etwas gemacht was sie geärgert hat?“

oder „Das gehört eben mal dazu, nun geh und vertrage Dich wieder.“

oder „Na, das ist aber nun auch kein Weltuntergang, so schlimm ist das gar nicht!“

Solche Aussagen würden Dein Kind fühlen lassen, dass seine Gefühle nicht ernst genommen und verstanden werden und provozieren somit nur noch mehr Wut und Verzweiflung.

Fazit:

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold hat auch in der Erziehung einen festen Platz. Eltern, die gut zuhören, werden auch in der Zukunft viel über die Probleme und Sorgen ihrer Kinder erfahren. Dies ist besonders wichtig, wenn diese zum Ende der Grundschulzeit in die Pubertät kommen und sich mehr und mehr von der Familie zu lösen beginnen.