Intelligenz - vererbt oder erworben?

Intelligenz – vererbt oder erworben?

Wurde Albert Einstein als Genie geboren oder haben sich seine Fähigkeiten im Laufe seines Lebens durch vielfältige Herausforderungen erst entwickelt? Ganz genau wird man dies vermutlich nie wissen, jedoch kann diese Fragestellung beim Lernen einen deutlichen Unterschied machen. Wie man Kinder (und Erwachsene) zu besseren Leistungen motiviert, hängt offenbar davon ab, mit welchen Botschaften man sie konfrontiert.

©Unsplash/Michal Parzuchowski

Was macht einen Menschen intelligent?

Oft wird Intelligenz mit guten Schulnoten und schnellem Lernen gleichgesetzt. Tatsächlich können aber auch sehr intelligente Kinder schlechte Zensuren mit nach Hause bringen und Lernprobleme haben. Auch das Auswendiglernen von Gedichten oder Fakten hat wenig mit Intelligenz und vielmehr mit gutem Merkvermögen zu tun. Was also ist Intelligenz?

Intelligenz ist die Fähigkeit, Probleme bzw. Fragestellungen zu verstehen und zu lösen. Je nachdem wie gut und wie schwierige Aufgaben gelöst werden können, ist die Intelligenz höher oder geringer.
Bei hoher Intelligenz kommt ein ganzheitlich vernetztes Denken zum Einsatz. Das bedeutet, das z.B. alle zur Verfügung stehenden Informationen und alles Wissen zur Problemlösung herbeigezogen und Zusammenhänge erkannt werden, selbst wenn diese auf den ersten Blick nicht zu bestehen zu scheinen.

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Kann man Intelligenz trainieren?

Wer mit einer App trainiert, um seinen IQ zu verbessern, schadet sicher nicht seinem Gehirn. Ob sich aber der IQ damit tatsächlich steigern lässt, ist fraglich und Studienergebnisse zur Steigerung der Intelligenz sind widersprüchlich.

Vielleicht sollte man die Frage daher umformulieren:Kann sich die intellektuelle Leistungsfähigkeit verbessern lassen? Dies scheint zumindest in sofern möglich zu sein, als dass die innere Einstellung dabei eine wichtige Rolle spielt, wie zwei neue Studien zeigen.

Die Studien

Studie an der Stanford Universität

Zwei Gruppen von Grundschülern wurden beim Lösen von Aufgaben auf unterschiedliche Weise gelobt:

Eine Gruppe wurde für Ihre Intelligenz gelobt „Du bist wirklich klug!“ und die andere Gruppe für ihren Fleiß „Du hast wirklich fleißig gearbeitet!“

Als die Aufgaben schwieriger wurden, haben die Kinder der Gruppe, die für ihren Fleiß gelobt wurden, sich mehr angestrengt und besser abgeschnitten. Es ist also offensichtlich besser, Kindern zu sagen dass ihr Fleiß für den Erfolg wichtig ist, anstatt ihre Intelligenz hervorzuheben.

Studie an der Michigan State University

In dieser Studie bekamen Teilnehmer unterschiedliche Artikel zu lesen. Die eine Gruppe las einen Artikel darüber, dass Intelligenz genetisch festgelegt ist, die andere bekam einen Artikel zu lesen, der behauptet dass Leonardo Da Vinci und Albert Einstein ihre Intelligenz weniger ihren Genen als hauptsächlich einem herausfordernden Umfeld zu verdanken haben.

Die Probanden sollten sich die wesentlichen Punkte des gelesenen Artikels merken und danach einfache Aufgaben am Computer ausführen, während ihre Gehirnaktivität gemessen wurden.

  • Die Gruppe, die gelesen hatte dass Intelligenz in erster Linie genetisch ist, war mehr auf ihre Antworten bedacht, so als machten sie sich Sorgen um ihre Leistung. Trotzdem führte diese stärkere Bemühung bei fehlerhaften Antworten jedoch nicht zu verstärkten Anstrengungen.
  • Die andere Gruppe, die gelesen hatte das Intelligenz durch ein herausforderndes Umfeld verstärkt wird, zeigte in den Gehirnmessungen nach fehlerhaften Antworten ein verstärktes Bemühen, vermutlich weil sie annahmen, es beim nächsten Versuch besser machen zu können. Je mehr Aufmerksamkeit sie ihren Fehlern schenkten, desto schneller kam ihre Antwort beim nächsten Versuch.

Was wir daraus lernen können

Mit dem richtigen Lob können wir unsere Kinder motivieren ihre Bemühungen zu verstärken und somit bessere Leistungen zu erbringen. Ein Fokus sollte dabei sein, den Kindern zu sagen, dass Fleiß wichtig ist und sich auszahlt: „Die 2 im Mathe hast Du wirklich Deinem Fleiß zu verdanken!“

Hingegen können Sätze wie „Ich war auch nie gut in Englisch, das musst Du also von mir geerbt haben.“, die Erwartungshaltung an eigene Fähigkeiten so reduzieren, dass die Bemühungen in diesem Fach verringert sind.

Generell sollte mehr auf den Fleiß als auf vererbte Fähigkeiten hingewiesen werden, damit Kinder verstehen, dass sie selbst ihren Erfolg beeinflussen und das auch Fehler und schwierige Aufgaben sie voran bringen.

Diese Erkenntnis lässt sich natürlich auch in andere Lebensbereiche wie z.B. beim Sport übertragen.

Quelle: http://www.medicalnewstoday.com/releases/282046.php.