Ist "Auszeit" als Erziehungsmethode noch sinnvoll? Das sagen Experten

Ist „Auszeit“ als Erziehungsmethode noch sinnvoll?

Vielleicht kennst du die sogenannte „Auszeit“ noch aus deiner eigenen Kindheit. Heute ist die Erziehungsmethode umstritten. Einige Psychologen warnen sogar davor.

Kind sitzt auf der stillen Treppe
Ab auf die stille Treppe! © Michal Parzuchowski via Unsplash

Will ein Kind nicht tun, was es von den Eltern gesagt bekommt, endet die Diskussion nicht selten in einem Streit. Auch heute wenden Eltern dann gerne die Methode der sogenannten Auszeit an und schicken ihre Kinder in ihr Zimmer, die „stille Treppe“ oder ähnliches. Dort werden sie für einige Zeit alleine gelassen um sich abzureagieren. So soll eine Pause innerhalb einer Konfliktsituation geschaffen werden, in der alle wieder zu Ruhe kommen, um anschließend den Streit ruhig und vernünftig zu klären. Dem Kind soll auf diese Weise symbolisch gezeigt werden, dass sein Verhalten nicht richtig war.

„Ich bin gerade überwältigt und kann nicht aufhören mich so zu verhalten“

Auch wenn die Idee hinter dieser Maßnahme in einer Stresssituation verlockend klingen mag, bezweifeln Experten die pädagogische Wirksamkeit dieser Erziehungsmethode stark. Der Grat zwischen „Auszeit“ als hilfreiche Problemlösung und „Auszeit“ als Bestrafung ist schmal.

4 Erwartungen, die dein Kind nicht erfüllen kann

Darum warnen Psychologen vor der „Auszeit“

Psychologin Sarah Ockwell-Smith ist eine klare „Auszeit-Gegnerin“ und begründet ihre Meinung folgendermaßen: „Mit einem schwierigen Verhalten wollen Kinder sagen: Mama, Papa, ich bin gerade überwältigt! Ich kann nicht aufhören mich so zu verhalten. Ich brauche Hilfe, um mich besser zu kontrollieren. Eine Auszeit ist daher genau das Gegenteil von dem, was das Kind jetzt braucht.“ Sie warnt davor, Kinder mit ihren emotionalen Problemen alleine zu lassen. Stattdessen sollten sie sie besonders in diesen Situationen auffangen.

Kinder empfinden eine Auszeit in erster Linie als Strafe. Vor allem Kleinkinder sind noch nicht in der Lage zu verstehen, dass nicht das eigene Ich, sondern das gezeigte Verhalten bestraft wird. Folgt dann eine Auszeit fühlen sie sich von ihren Bezugspersonen zurückgewiesen und gedemütigt.

Der Hirnbereich, mit dem wir unsere Impulse, Gefühle steuern und kontrollieren, beginnt sich erst nach dem dritten Lebensjahr auszubilden. Auch danach braucht es noch einige Jahre, bis es vollständig ausgereift ist. Kinder sind vorher also noch gar nicht in der Lage, über das eigene Verhalten nachzudenken, geschweige denn, es zu reflektieren. Sie sind somit auch nicht fähig, aus falschem Verhalten zu lernen.

So können Alternativen aussehen

„Hinwendung statt Abwendung“ könnte das Motto beim nächsten Wutanfall heißen. Um auch in stressigen Momenten die Verbindung zum Kind nicht zu verlieren, hilft es, dem Kind zu vermitteln, dass es verstanden wird. Eine Umarmung kann dem Kind schon helfen, mit seinen überwältigenden Gefühlen besser klar zu kommen. Es fühlt sich nicht alleine gelassen und so steht ihr auch die Trotzphase gemeinsam durch.

Ebenso hilft es dem Kind in dieser Situation mehr, wenn ihm statt seines falschen Verhaltens das erwünschte Verhalten näher gebracht und erklärt wird. Auf diese Weise wird es dabei unterstützt, mit der Zeit zunehmend leichter richtiges von falschem Verhalten zu unterscheiden und ein Gefühl dafür zu entwickeln.