Entwicklung 3-Jährige

Kind 3 Jahre – „Das kann ich auch!“

Beobachten und Nachmachen ist die bevorzugte Aktivität von Kindern in diesem Alter! Mit 3 Jahren – als im 4. Lebensjahr – ist auch eine deutliche körperliche Veränderung zu beobachten. Dein Kind entwickelt nun Humor und entdeckt seine Welt mit Neugier und allen Sinnen.

Kind schaut durch ein Fernrohr und trägt ein Stirnband
©Twenty20/Brandi Markham

Motorische Entwicklung: Balance!

Der stämmige, speckige Körper verwächst sich zu einem mehr proportionalen und schlankeren Körperbau. Dieser Umstand und seine verbesserte Balance erlauben ihm, andere Bewegungsabläufe. Dein Kind beginnt nun z.B. beim Laufen die Arme zu schwingen.

Mit seiner verbesserten Balance kommen auch neue Fähigkeiten hinzu wie das Hüpfen mit beiden Füßen, Balancieren auf einem Baumstamm oder Balken, Laufrad fahren und Hüpfen auf einem Bein. Dein Kind fällt beim Laufen seltener hin – dennoch sind Stürze immer wieder Anlass für Tränen und kleine Verletzungen. Die Beine werden im 4.Lebensjahr stark genug um ein Dreirad zu bewegen, dies braucht aber zunächst einige Übung.

Eine Veränderung ist beim Werfen von Bällen oder Gegenständen zu beobachten: Hatte Dein Kind bisher mit Schwung von unten nach oben geworfen (die Hände umfassten den Gegenstand dafür von unten), greift und hält es Wurfobjekte jetzt von oben und wirft mit Schwungrichtung von oben. Somit werden seine Würfe gezielter. Auch das Fangen verbessert sich. Beim Stapeln von Klötzen gelingt es Kindern mit 3 Jahren zwischen fünf und zehn Klötzen auf einander zu setzen, ohne dass diese umfallen.

Trotzphase bei Kindern - was tun?

Dein Kind möchte sich nun häufig selbst anziehen und übt den Umgang mit Knöpfen und Reißverschlüssen, braucht jedoch noch viel Hilfe. Du fragst Dich vielleicht wann Dein Kind trocken wird und während manche Kinder in diesem Alter schon windelfrei sind, brauchen andere noch etwas länger. Wenn Dein Kind bereits trocken ist, solltest Du wissen dass es normal ist, dass immer wieder „Unfälle“ passieren.

Feinmotorisch kann es Pinsel, dicke Wachs- und Buntstifte verwenden und erzeugt damit Striche oder versucht Kreise und andere Formen zu zeichnen. Auch wenn die Resultate eher an Kandinsky als an Van Gogh erinnern, ist dies eine wichtige Übung für die Entwicklung des Malens, welches später zum Schreiben führt.
Auch eine stumpfe Kinderschere kann Dein Kind bereits benutzen.

Soziale Entwicklung

Dein Kind möchte jetzt vielleicht keinen Mittagsschlaf mehr machen und dies kann dazu führen, dass es am Ende des Tages unleidlich und launisch ist. Bei vielen Kindern beginnt mit dem Wegfall des Mittagsschlafs auch eine Phase mit „Nachtschreck„, in der es nachts schreit und weint und nicht zu beruhigen ist.

Der Drang nach mehr Unabhängigkeit wird jetzt immer deutlicher, Dein Kind sagt oft „alleine machen“ oder ähnliches. Oft misslingen Dinge noch und dies führt zu Frustration. Dennoch solltest Du Dein Kind ermuntern, einfache Handlungen selbst zu versuchen. Vielleicht hilft es, ihm eine Wahl zu geben: „Möchtest Du Deine Schuhe oder Deine Jacke selbst anziehen?“, um die Versuchszeit in einem zeitlich akzeptablen Rahmen zu halten. Die Rutsche auf dem Spielplatz kann Dein Kind vielleicht schon allein benutzen und gar nicht genug vom Rutschen bekommen.

Beim Spiel mit anderen Kindern kann es schon für kurze Zeit mit anderen spielen, z.B. gemeinsam einen Sandeimer füllen. Dies wird aber meist nur von sehr kurzer Dauer sein und dann spielen die Kinder wieder nebeneinander her.
Solche gemeinsamen Spielmomente sind häufiger, wenn Dein Kind sich in seiner Umgebung oder in der Gesellschaft der anderen sicher und geborgen fühlt. Regelmäßige Treffen mit anderen Kindern sind dabei hilfreich. Zeigt Dein Kind in Gruppen aggressives Verhalten, dann ist es u.U. mit der Größe der Gruppe oder mit der räumlichen Enge überfordert. Da seine sprachliche Entwicklung noch keine verbale Lösung ermöglicht, wird es vielleicht hauen, schubsen oder beißen. Lies dazu „Wenn Kinder beißen / hauen„.

Spielsachen mit anderen Kindern zu teilen klappt noch nicht sehr gut, ein guter Grund für Dein Kind, bevorzugt allein zu spielen. Kommt Kinderbesuch  ins Haus, kann es hilfreich sein das Lieblingsspielzeug außer Sichtweite zu legen, damit kein Streit aufkommt.

Im Verlauf des vierten Lebensjahrs wird Dein Kind seine Fähigkeit verbessern Dinge zu teilen und sich mit anderen abzuwechseln. Durch Lob kannst Du dies fördern.

Dein Kind spielt auch gern mit Erwachsenen: Mama, Papa, Oma, Opa, Tante, Onkel … wer gerade da ist wird aufgefordert mit ihm zu spielen. Hierbei lernt Dein Kind, dass verschiedene Personen unterschiedliche Spielweisen haben.

Wenn sich ein anderes Kind verletzt und weint, beobachtet Dein Kind die Szene interessiert und zeigt Mitgefühl. Ein Zeichen dass es die Gefühle anderer nicht nur sieht, sondern auch aus deren Perspektive versteht. Dies ist ein wichtiger Schritt um Empathie zu entwickeln.

Auch seine eigenen Gefühle wird es zunehmend weniger in emotionalen Wutausbrüchen, sondern mehr und mehr verbal äußern. Hilf Deinem Kind dabei, Wörter für seine Gefühle zu finde. Benenne sie, wenn sie auftreten: „Du bist gerade traurig.“ „Du bist wütend.“ „Du bist fröhlich.“ „Du hast Angst.“

Vielleicht hörst Du Dein Kind nun spontan sagen „Ich hab Dich lieb!“, sag Deinem Kind auch oft dass Du es liebst.

In diesem Alter sucht Dein Kind noch sehr oft Deine Zustimmung und Aufmerksamkeit. Lob ist ihm sehr wichtig, es weiß aber, wann dieses verdient ist und wann nicht.
Sei beim Loben so konkret wie möglich. Statt „Wie schön du das gemacht hast!“ wäre besser „Ich mag wie du die Sachen alle ordentlich in die Kiste geräumt hast!“

Dein 3-Jähriges ist die meiste Zeit fröhlich und hat seinen Humor entdeckt. Es macht Faxen und möchte andere mit Albernheiten zum Lachen bringen. Es liebt lustige Geschichten und kann darüber lachen.

Bei aller Fröhlichkeit gibt es aber auch manchmal Tränen. Diese kommen oft dann zum Vorschein, wenn es körperliche oder emotionale Bedürfnisse hat. Eine häufige Ursache ist „Angst“. Es ist noch nicht in der Lage reale und unwirkliche Dinge von einander zu unterscheiden und fürchtet sich vor Bösewichten im Kaspertheater, Fernsehsendungen oder Büchern. Auch der Weihnachtsmann kann Furcht auslösen.

Bisher ist Dein Kind weitgehend furchtlos durch die Welt gegangen, steuerte direkt auf den Abgrund oder auf den fremden Hund zu und begab sich ständig in Gefahr. Nun entwickelt es ein erstes Gefahrenverständnis und ist empfänglich für „vorsichtig“. Es kann aber noch nicht selbst beurteilen was gefährlich ist und was nicht und ist dabei auf die Warnungen der Erwachsenen angewiesen.

Bin ich ein Junge oder ein Mädchen? Die verschiedenen Geschlechter werden jetzt wahrgenommen.

„Ich bin ein Hund!“ – Dein Kind beginnt mit ersten Rollenspielen.

Sprachentwicklung

Das Sprechen wird flüssiger und Dein Kind erzählt ohne Aufforderung was ihm durch den Kopf geht. Es Antwortet auf Fragen und hat Freude daran neue Wörter kennenzulernen. Dein Kind hat außerdem viele, viele Fragen.

Statt aber nach etwas zu trinken zu fragen, sagt es „Ich habe Durst.“

Zu Beginn des 4. Lebensjahrs sind die Sätze noch drei bis fünf Wörter lang, zum Ende werden es eher 7 Wörter sein. Die Anwendung von Grammatik wird besser, enthält aber weiterhin Fehler.

Das Wortverständnis Deines Kindes ist sehr umfangreich, bekannte Dinge kennt es mit Namen, selbst wenn es das Wort vielleicht noch nicht aussprechen kann.

Lieder mit einfachen Texten und Wiederholungen mag es immer und immer wieder singen. Es liebt außerdem Bilderbücher und Bücher mit fotografischen Abbildungen.

Kognitive Entwicklung

Die Aufmerksamkeitsspanne Deines Kindes umfasst etwa 5 Minuten.

Es spielt fantasievoll und verwendet dabei Dinge symbolisch für etwas anderes, z.B. das Sofakissen als Auto.

Einfach Puzzle kann es bereits lösen.

Gemeinsamkeiten erkennt es und kann z.B. nach Formen, Größe oder Farben sortieren. Auch einfache, wiederkehrende Muster kann es erkennen.

„Ich bin 3!“ – Dein Kind zeigt Interesse an Zahlen. Es kann am Ende dieses Lebensjahres etwa bis 10 zählen.

Auch verwendet es Begriffe wie gestern und morgen, jedoch oft ohne den richtigen Zusammenhang.

Einige Grundfarben kennt Dein Kind vielleicht schon, weitere Farben wird es im nächsten Lebensjahr lernen.

Die wesentlichen Körperteile wie Augen, Nase, Mund, Ohren, Hand, Fuß und Bauch kennt Dein Kind und kann darauf zeigen.

Lokale Präpositionen werden verstanden und manchmal beim Sprechen angewendet: Der Ball ist unter dem Sofa, der Teller ist auf dem Tisch …

Entwicklungsfortschritte erkennen

Zu wissen welche Fortschritte Dein Kind in seiner Entwicklung gemacht hat und wie sein Entwicklungsstand ist, kann für das Verständnis seines Verhaltens wichtig sein. Es hilft Dir darüberhinaus Deinem Kind die richtigen Aktivitäten und Reize anzubieten und dadurch seine gesunde Entwicklung zu unterstützen.

Hier findest Du eine Checkliste für wichtige Meilensteine bei 3-Jährigen:

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Quellen:

„Developmental Milestones of Young Children“, Redleaf Press, 2010, Karen Petty, PhD