Entwicklung von 8-Jährigen

Kind 8 Jahre: „Dem sag ich meine Meinung!“

Fragen und Hinterfragen – Dein Kind entwickelt ein tieferes Verständnis für sein Umfeld und entwickelt eine – vielleicht ausgeprägte – Meinung zu vielen Themen. Während es immer unabhängiger wird, braucht es dennoch sehr den sicheren Hafen der Eltern. Es wird dies aber nicht mehr so offenkundig zeigen und Eltern sollten daher genau beobachten.

©Unsplash/Annie Spratt

Körperliche, motorische Entwicklung

Wenn Dein Kind in den vorangegangenen Jahren die Möglichkeit hatte, sich ausreichend auszutoben und damit seine großen Muskeln zu trainieren, dann wirst Du nun sehen, dass es sich ausgezahlt hat: Dein Kind ist sportlich und kann sowohl gut werfen, fangen, rennen, kicken, … und wird im Sport erfolgreich sein. Es ist dieser Zeitpunkt, zu dem sich die meisten Kinder als „sportlich“ oder „unsportlich“ empfinden. Sportliche Kinder werden entsprechende Hobbies aufnehmen und auch neue Aktivitäten wie skaten, Skifahren, Gymnastik, Leichtathletik  u.ä. beginnen.

Kinder die wenig Bewegung suchen oder wenig Möglichkeit dazu haben, werden sich motorisch langsamer entwickeln, können aber bei entsprechenden Maßnahmen noch aufholen.

Bei der Feinmuskulatur kann man jetzt feststellen, dass die Kontrolle über die Finger sehr gut ist, dies zahlt sich vielleicht beim schreiben oder musizieren aus.

Soziale und emotionale Entwicklung

Mit 8 Jahren ist Dein Kind in der Lage seine Gefühle vor anderen zu verbergen und sich unterschiedlichen Situationen anzupassen, z.B. wenn Oma ihm ein unbeliebtes Spielzeug schenkt, wird es sich artig bedanken und nichts anmerken lassen.

Es hat bereits eine Meinung zu vielen Dingen und wird nicht müde, diese anderen mitzuteilen.

Sein Verhalten ist zunehmend unabhängig von den Eltern und Betreuern und es wird versuchen, Probleme allein oder mit Hilfe von Freunden zu lösen, anstatt sich an Erwachsene zu wenden.

In diesem Alter hat Dein Kind ein Selbstwertgefühl und kennt weitgehend seine Stärken … und Schwächen. Wenn es in etwas nicht besonders erfolgreich ist, wird es verärgert sein.

Im Spiel mit anderen geht es jetzt richtig fantasievoll zu! Komplexe Szenarien werden erfunden und Kinder beginnen soziale Fähigkeiten auszuprobieren wie z.B. Anführer sein, Ziele vorgeben …

Dein Kind möchte Teil einer Gruppe sein oder feste Freundschaften schließen, es möchte beliebt sein oder wenigstens gemocht werden, was dazu führen kann, dass es ich Gruppendruck beugt. Dies ist oft schon an kleinen Dingen erkennbar: Mädchen tragen vielleicht plötzlich keine Kleider mehr weil andere Kinder es uncool finden oder Jungen ist es plötzlich peinlich dass sie noch ein Kuscheltier haben.

Auch wenn Dein Kind nun allgemein unabhängiger ist und dies auch mit Stolz nach außen trägt, braucht es weiterhin seine Eltern für das Gefühl von Sicherheit. Ist es in Situationen überfordert, dann sind die Eltern besonders wichtig, jedoch wird Dein Kind nicht mehr so offensichtlich nach Deiner Hilfe suchen wie es dies in der Vergangenheit getan hat. Es gilt für Eltern nun, nach indirekten Hinweisen Ausschau zu halten und zwischen den Zeilen zu lesen.

Dein Kind wird vielleicht anfangen über seine Zukunft nachzudenken, was es einmal werden will oder wem es ähnlich sein will. Vorbilder und Helden sind besonders für Jungs in diesem Alter wichtig. Auch haben Kinder in diesem Alter oft einen „Schwarm“. Sowohl Mädchen als auch Jungen schwärmen nun vielleicht für jemanden. Dieses „schwärmen“ hat keine sexuelle Komponente, daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn der Schwarm vom eigenen Geschlecht ist.

Sprachliche Entwicklung

Das Benennen oder Beschreiben von Gefühlen mit Worten ist jetzt häufig, z.B. „Ich ärgere mich über meinen Tischnachbarn!“ oder „Ich freue mich so auf die Ferien!“

Es wird auch Aussagen zu sich selbst machen können, z.B. „Ich bin nicht so leicht aufzuregen.“

Dein Kind kann sich jetzt fast auf dem Level eines Erwachsenen unterhalten. Es wird bereits argumentieren und sucht nach Begründungen und Erklärungen für Dinge die es nicht versteht oder für unlogisch hält. Es denkt über sich selbst dass es gut organisiert und logisch im Denken und Handeln ist.

Kognitive Entwicklung

8-Jährige haben eine Aufmerksamkeitsspanne die deutlich über der bisherigen liegt und durchaus eine Stunde lang sein kann – sofern es seine Interessenlage zulässt. Dies ermöglich nun auch längere Brettspiele wie Monopoly etc.

Dein Kind überrascht Dich nun vielleicht mit tieferen Gedankengängen. Seine Beobachtung über die Vorgänge um es herum und auf der Welt sind detaillierter und es versucht alles einzuordnen und zu verstehen. Es wird oft fragen, warum etwas  so ist und auch kritische Gedanken äußern.

Eine Obsession mit einem speziellen Thema wie „Steine“, „Weltall“ oder vielleicht einem Hobby oder bestimmten Sport, ist bei 8-Jährigen häufig zu beobachten.

Es wird sich jetzt verstärkt für Geld interessieren und unbedingt welches verdienen wollen. Typisch für dieses Alter ist ein Straßenflohmarkt mit ausgedienten Spielsachen, der vielleicht spontan mit Freunden auf dem Gehweg organisiert wird. Vielleicht nutzt Du die Gelegenheit und lässt Dein Kind kleine Verrichtungen gegen Geld ausführen. Es fühlt sich vielleicht falsch an, das Kind für seine Mithilfe im Haushalt zu bezahlen, jedoch sollte ein Kind auch lernen, dass Leistung und Geld in Zusammenhang stehen und dass es in der Regel einer Arbeit bedarf, um Einnahmen zu erzielen. Lass Dein Kind vielleicht mit einem feuchten Putzlappen auf das Innenleben Deines Autos los oder den Weg vorm Haus fegen, … Tätigkeiten die nicht täglich im Alltag verrichtet werden und sich somit von der Mithilfe im Haushalt unterscheiden.

In der Schule sollte Dein Kind nun flüssig lesen können, viele Kinder entwickelt sich jetzt auch zu Leseratten und beginnen Bücher – besonders von Buchreihen – zu verschlingen. Durch das Lesen kann Dein Kind nun unabhängig von anderen neues Wissen erlangen und seinen Wortschatz erweitern.

Lesen

Liest Dein Kind in diesem Alter noch nicht flüssig, wird diese in allen anderen Fächern Probleme bereiten. Bei Tests und Arbeiten ist das schnelle und richtige Lesen der Aufgaben eine Voraussetzung für gute Noten. Schlechte Leser wissen um ihre Schwäche und werden alles daran setzen, dies zu übertünchen und zu verbergen. Lass Dir von Deinem Kind vorlesen, um Dich zu vergewissern dass es gut lesen kann. Ist dies nicht der Fall, kann ein deutlicher Erfolg erzielt werden, wenn es jeden Abend vor dem Schlafengehen 30 Minuten liest. Geschichten wie „Oma und Frieder“ sind kurz und einfach zu lesen und eine gute Abendlektüre. Für etwas mehr Spannung sorgen die Bücher vom „Das magisch Baumhaus“.

Buch-Serien für dieses Alter (von einfach zu anspruchsvoll gelistet):

  • Oma und Frieder
  • Das magische Baumhaus
  • Die drei ??? Kids, 1, Panik im Paradies
  • Eine Woche voller Samstage

Rechnen

Im Rechnen laufen nun Rechenprozesse beim addieren und subtrahieren recht flüssig und Kinder beginnen zu multiplizieren. Manche Kinder tun sich mit dem Rechnen schwer und haben auch keinerlei Spaß daran, vielleicht sogar Angst. Diesem Problem sollte man frühzeitig begegnen, da sich die Situation sehr wahrscheinlich nicht von allein ändert. Das Buch Der Zahlenteufel bietet einen humorvollen und hilfreichen Ansatz und vermittelt ein gutes Verständnis für Mathematik. Ob ein Kind Mathe mag und darin gut ist scheint manchen Eltern vorbestimmt – besonders wenn es ihnen selbst so ging. Tatsächlich kann man aber viele Kinder mit der richtigen Herangehensweise zu Mathe-Fans wandeln.

Die Aufgabe der Eltern

Wenn Kinder zunehmend unabhängig werden, verlieren Eltern manchmal die Erziehung ein wenig aus dem Blick. Dies passiert leicht, denn das Kind ist vormittags in der Schule und nachmittags mit Freunden unterwegs. Die gemeinsame Zeit ist deutlich weniger geworden. Doch gerade weil Eltern nun nicht immer dabei sind, ist es wichtig, mit Kindern über soziale Werte und richtiges Verhalten zu sprechen. Auch wenn in diesem Altern vielleicht noch keine großen Probleme zu erwarten sind, so ist das frühzeitige Etablieren von Werten für die kommenden Jahre wichtig. Themen hierbei sollten sein:

  • Umgang mit Gruppendruck: Dein Kind muss verstehen wie Gruppendruck zustande kommt und wie es dabei mit schwierigen Situationen umgehen kann. Auch sollte es seine eigene Rolle in der Gruppe kritisch betrachten: Wann übt es vielleicht selbst Druck auf andere aus?
  • Gegenseitiger Respekt: Andere Menschen zu respektieren beginnt meist zuhause. Wie Eltern und Bezugspersonen über einander und andere Menschen sprechen und wie sie sich verhalten, formt auch das Denken und Verhalten der Kinder. Sprich mit Deinem Kind darüber, wie es selbst von anderen behandelt werden möchte und wie es folglich auch andere behandeln sollte. Am Besten aber gehen Erwachsene hier mit gutem Beispiel voran.
    Auch der Respekt vor fremdem Eigentum und öffentlich zugänglichen Einrichtungen (Spielplatz etc.) und die Folgen von Beschädigung, sollten ein Thema sein. Selbst wenn Dein Kind so etwas nie machen würde, so hat es auch in der Gruppe eine Vorbildfunktion und sollte diese Werte auch in die Zukunft mitnehmen.
  • An Regeln halten: Stelle sinnvolle Regeln z.B. zur Verwendung von Bildschirmaktivitäten auf und sorge dafür dass diese auch wirklich umgesetzt werden. Wer Regeln setzt aber dann nicht durchsetzt, wird kaum erwarten können dass sein Kind Regeln für bindend erachtet. Soll es z.B. um 6 Uhr zuhause sein, wird es dann vielleicht denken dass es keinen Unterschied macht wenn es erst später heimkommt.
  • Sicherheit: Dein Kind ist zunehmend unabhängig, das bedeutet auch, dass es häufiger unbeaufsichtigt spielt. Sicherheitsthemen sind jetzt z.B. das Spiel mit Feuer, Verhalten am Wasser, Umgang mit Fremden, Verhalten im Straßenverkehr …

Entwicklungsfortschritte erkennen

Zu wissen welche Fortschritte Dein Kind in seiner Entwicklung gemacht hat und wie sein Entwicklungsstand ist, kann für das Verständnis seines Verhaltens wichtig sein. Es hilft Dir darüberhinaus Deinem Kind die richtigen Aktivitäten und Reize anzubieten und dadurch seine gesunde Entwicklung zu unterstützen.

Hier findest Du eine Checkliste für wichtige Meilensteine bei 8-Jährigen:

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