Mein Kind klettet

Trennungsangst: Wenn dein Kind klammert

Kinder werden mit ganz unterschiedlichen Temperamenten geboren. Manche Kinder sind neugierig und unabhängig, andere sind ängstlich und zurückhaltend. Besonders letztere sind für die Eltern nicht immer leicht zu handhaben. Sie hängen oft an Mamas Rockzipfel und bringen sich dabei selbst um die größten Freuden. Doch mit ein paar kleinen Tricks, bekommt man die Kleinen doch noch vom Rocksaumen!

©Unsplash/Steven van Loy

Das Problem

Lara ist 2 Jahre alt und seit sie 8 Wochen alt ist, besucht ihre Mutter mit ihr eine Krabbelgruppe. Sie kennen die Kinder, die Mütter und auch die Räume. Trotzdem spielt Lara nicht mit den anderen Kindern, sondern klammert sich an das Bein der Mutter. Erst kurz vor dem Abschied greift sie nach einem Spielzeug und beginnt neben ihrer Mutter auf dem Boden zu spielen.

Die Ursachen

Kinder wie Lara fühlen sich in Gruppen oft überfordert und unsicher. Das Klammern ist ein Zeichen, mit dem sie ausdrücken, dass sie sich unwohl fühlen und die Nähe und Sicherheit ihrer Mutter brauchen. Sie spüren außerdem, dass sie in Gesellschaft die Aufmerksamkeit der Bezugsperson verlieren – das verstärkt die Unsicherheit.

Auch äußere Bedingungen können beim Kind Angst auslösen.
Frage Dich:

  • Ist die Gruppe zu groß für mein Kind?
  • Sind die Kinder zu wild?
  • Ist der Raum zu groß?
  • Ist der Raum zu klein bzw. zu voll?
  • Ist es zu laut (Geräuschspielzeug etc.)?

Den Rahmen verändern

Viele dieser Bedingungen lassen sich nicht ändern aber mit ein paar kleinen Tricks, kann man schon Einiges verbessern:

  • Dein Kind sollte ausgeschlafen und satt zu solch einem Treffen gehen.
  • Versuche, vor den anderen Kindern zum Treffen zu erscheinen, so kann sich Dein Kind in aller Ruhe mit dem Raum und der Situation vertraut machen.
  • Triff Dich mit einzelnen Müttern und Kindern auch außerhalb der Gruppe. Wähle dabei die ruhigeren Kinder, so dass erste kleine Freundschaften entstehen können.
  • Versuche ein Heimspiel, bei dem die Kindergruppe zu Euch nach Hause kommt. Vielleicht ist Dein Kind dort entspannter.
  • Sorge für Rückzugsmöglichkeiten während des Treffens oder gehe frühzeitig, damit Dein Kind sich von den vielen Reizen erholen kann.

Ent-Klammern

Lass Dein Kind in einer „Klammer-Situation“ auf Deinem Schoß sitzen und Deine Nähe spüren. Setze es nach 10 Minuten neben Dich – ohne Körperkontakt. Dort darf es sitzen bleiben, solang es möchte. Dränge es nicht, zu den anderen Kindern zu gehen – das würde die Situation verschlimmern. Rede oder spiele mit ihm, aber halte es dabei nicht fest. Nach einer Weile rückst Du immer ein bisschen ab, bleibst aber im Raum.

Auf lange Sicht

„Wie soll das nur im Kindergarten werden?“, fragt sich Laras Mutter. Im Kindergarten wird es vielleicht zunächst tränenreiche Abschiede geben, dennoch wird auch Lara sich bald im Kindergarten zurecht finden und ihren Platz in der Gruppe einnehmen. Vielleicht fällt ihr dies sogar leichter, wenn die Mutter nicht anwesend ist.

Die Eltern

„Klammern“ ist oft eine Sache der Gegenseitigkeit. Frage Dich, ob Ihr als Eltern vielleicht auch ein bisschen am Kind klammert, es zu sehr beschützen wollt oder ob Ihr Ihm manche Dinge nicht zutraut. Das Kind wird dies spüren und sich selbst weniger trauen. Vielleicht seid Ihr auch sehr besorgt und ermahnen Euer Kind häufig zur Vorsicht. Dann wird es in unsicheren Situationen besonders vorsichtig sein.

Die Erfahrung, den „Sprung ins kalte Wasser“ zu wagen, ist etwas sehr Wichtiges für jedes Kind. Es lernt daraus für das spätere Leben. Wenn Ihr erstmals das glückliche, triumphierende Lächeln Eures Kindes gesehen haben, wenn es sich zu etwas überwunden hat, werdet Ihr Euch mit ihm freuen und wissen, dass mehr in ihm steckt als Ihr gedacht hättet. Wann Euer Kind diesen Sprung wagt, das entscheidet es selbst – nur Geduld – der Tag wird kommen!