Umgang mit Lernblockaden

So könnt ihr gemeinsam Lernblockaden lösen

Eigentlich wollen wir alle, dass unsere Kinder beim Lernen Spaß haben. Allen Eltern ist klar, dass man mit Spaß am besten lernt und in einer perfekten Welt, würde jeder Lernstoff allen Kindern gleich gut gefallen. Leider ist die Wirklichkeit anders: Die Fibel ist für das eine Kind ein Traum und für ein anderes sterbenslangweilig, andere Kinder begeistern sich für Zahlen, dem Sitznachbarn sind sie aber ein Graus. Was tun?

„Tolle Bilder, süße Geschichte“, findet Finns Mutter, als sie erstmals seine Fibel aufschlägt. Mittels einer Troll-Familie werden hier die Buchstaben und das Lesen vermittelt. Ihr Sohn Finn denkt allerdings anders darüber. Ihm macht die Geschichte gar keinen Spaß. Lustlos blättert er darin herum und auch in den kommenden Wochen wird das Buch nur unter großem Stöhnen aufgeschlagen, das Lesen geht nur schleppend voran. Was kann man tun, wie den Leseanfänger motivieren?

Vor diesen oder ähnlichen Situationen stehen viele Eltern. Ob es Mathe ist, Deutsch oder Sachkunde – wenn das Kind keine Lust hat, werden Üben und Hausaufgaben zu einer zähen Geduldsprobe für alle Beteiligten.

Was in einer solchen Situation wichtig ist, raten die erfahrenen Pädagoginnen Adel Faber und Elaine Mazlish in ihrem Buch „How to talk so kids can learn“. Sie raten ab, die Gefühle des Kindes zu verleugnen und darauf zu beharren, dass es doch ein schönes Buch sei oder dass Zahlen doch eigentlich ganz spannend sind. Mit gutem Zureden ist es hier leider nicht getan. Wenn Kinder sich in ihren Gefühlen nicht ernst genommen fühlen, dann erhöht sich ihr Widerstand lediglich und das Lernen wird immer schwieriger. Durch die daraus resultierenden Misserfolge oder die große Anstrengung, schaukelt sich das Problem immer weiter hoch.

Besser ist es, mit aktivem Zuhören zu reagieren, z.B.: „Ich verstehe, etwas an dem Buch gefällt dir nicht.“ Möglicherweise antwortet das Kind nun: „Ja, das ist doof und langweilig! Ich würde lieber etwas über Ritter lesen!“ Nun kann man fragen, ob man gemeinsam nach einem Ritterbuch schauen sollte, z.B. in der Bücherei. Das Ritterbuch kann man dann nebenher lesen, die Fibel jedoch weiterhin zum Üben nutzen. Das Interesse an Büchern ist nicht verloren gegangen sondern vielmehr in eine akzeptierte Richtung geleitet worden. Das Kind verliert nicht die Lust am Lesen und wird sich nun auch weniger gegen die Fibel sträuben.

Wichtig ist in jedem Fall, dass Kinder wissen, dass sie ein Recht auf ihr eigenes Empfinden haben. Nur weil Papa z.B. gern rechnet, muss der Nachwuchs sich nicht gleichermaßen dafür begeistern. Vielmehr geht es darum, diese Abneigung ernst zu nehmen, sie zu ergründen und Bereitschaft zu einer Lösung zu zeigen.

Viele Eltern denken, man könne Kindern eine Sache mit schönen Worten schmackhaft machen aber Kinder lassen sich nicht so leicht überzeugen. Sie wissen, wie sie fühlen und wollen, dass dies respektiert wird. Dies gilt nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern auch bei Brokkoli, beim an den Ringen turnen und in allen anderen Lebensbereichen …