Linkhänder und Linkshändigkeit

Alles, was du über Linkshändigkeit wissen musst

Unsere ganze Welt ist auf Rechtshändigkeit ausgerichtet, was Linkshänder oft vor Probleme stellt. Rund 15 Prozent der Menschen bevorzugen die linke Hand, müssen sich im Alltag jedoch in vielen Bereichen umorientieren. Früher war es üblich die Linkshänder „umzuschulen“ und das Benutzen der rechten Hand zu erzwingen. Heute weiß man, dass dies der falsche Weg ist. Trotzdem müssen Eltern linkshändiger Kinder einige Dinge beachten, um ihnen den Schuleintritt und den Alltag in unserer rechtsorientierten Gesellschaft so einfach wie möglich zu gestalten.

Kind malt mit Buntstiften
©Unsplash/Aaron Burden

Ist mein Kind Linkshänder?

Bevorzugt der eigene Spross dauerhaft die linke Hand, sind Eltern oft verunsichert und werden mit vielen Fragen konfrontiert. Wie und wann kann die endgültige Händigkeit festgestellt werden? Kann eine frühe Umerziehung nicht doch eine Erleichterung im späteren Leben bedeuten? Und wie bringen rechtshändige Eltern ihrem linkshändigen Kind das Schuhe binden bei oder üben mit ihm das Schreiben? Lohnt sich die Anschaffung teurer Linkshänder-Utensilien? Fragen über Fragen, die wir Ihnen nachfolgend beantworten wollen.

Wie entsteht die Dominanz einer Hand?

Was genau ein Kind zum Rechts- oder Linkshänder werden lässt, ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Es werden genetische Ursachen vermutet, jedoch gibt es immer wieder gegenteilige Befunde, zum Beispiel bei eineiigen Zwillingen mit unterschiedlicher Händigkeit. Es gibt viele verschiedene, teils widersprüchliche Theorien über die Entstehung von Linkshändigkeit. Der endgültige Beweis steht aber noch aus. Klar ist nur, dass eine (jeweils gegenüberliegende) Gehirnhälfte dominiert, was zur Links- bzw. Rechtshändigkeit führt. Einige Kinder schulen sich dann quasi selbst um, indem sie andere nachahmen oder weil sie von den Eltern (vielleicht auch unbewusst) beeinflusst werden.

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Wie und wann kann die Händigkeit festgestellt werden?

Aufmerksamen Eltern zeigt sich schon im ersten Lebensjahr die Präferenz einer Seite bei ihrem Baby. Wirklich deutlich erkennbar ist die Händigkeit meist bis zu einem Alter von zwei bis drei Jahren. Bei spontanen Reaktionen oder bei Tätigkeiten, die nur mit einer Hand ausgeführt werden, kann man das Kind genau beobachten, beispielsweise beim Würfeln, Kämmen, Zähne putzen oder Werfen. Eine Tendenz kann man daraus aber nur herleiten, wenn man in keiner Weise beeinflusst, welche Hand benutzt wird. Generell sollten Eltern niemals versuchen, ihren Spross dazu zu bewegen, die rechte Hand zu bevorzugen, Spielzeug oder ein Löffel sollten zum Beispiel nicht in die Hand gegeben, sondern lieber mittig hingelegt werden. Nur dann sind die Beobachtungen auch aussagekräftig. Besteht vor der Einschulung noch Unklarheit über die Dominanz einer Seite, sollte ein Experte um Rat gefragt werden, damit die Schreibhand eindeutig bestimmt werden kann. Eltern können sich hierfür beispielsweise an den Kinderarzt, an Linkshänder-Beratungsstellen oder an speziell ausgebildete Ergotherapeuten wenden, die mit spezifischen Tests die Händigkeit feststellen können. Wichtig zu wissen ist, dass die Dominanz einer Hand nicht geändert werden kann, sie ist im Gehirn festgelegt. Eine gelegentliche Nutzung der jeweils anderen Hand ist normal, wie stark eine Seite vorherrscht, ist verschieden, es gibt auch Beidhänder.

Ist ein Umschulen der Hand-Präferenz sinnvoll?

Früher war es üblich, die Benutzung der rechten Hand zu erzwingen. Linkshändigkeit wurde nicht geduldet. Heute weiß man, dass dies zu vielen Schwierigkeiten und Problemen führen kann. Werden linkshändige Kinder von Anfang unterstützt und richtig angeleitet, haben sie keine Nachteile zu erwarten. Sie können genauso schön schreiben, malen und basteln lernen, wie rechtshändige Altersgenossen. Eine Umerziehung beeinträchtigt jedoch den Arbeitsablauf des Gehirns, mögliche Folgen sind unter anderem:

  • Rechts-Links-Schwäche
  • Konzentrationsprobleme
  • Gedächtnisschwierigkeiten
  • Legasthenie (Rechtschreibschwäche)
  • Störungen der Feinmotorik
  • Sprachprobleme
  • Schnelle Ermüdung
  • Schlechtere oder unregelmäßigere Schulleistung
  • Unsicherheit
  • Verhaltensauffälligkeiten

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Tipps für Eltern linkshändiger Kinder

  • Ist das eigene Kind eindeutig linkshändig, sollte es bei Tisch bevorzugt nach links gesetzt werden, decken Sie seinen Platz spiegelverkehrt ein.
  • Für Tätigkeiten, wie beispielsweise Schuhe binden oder Handarbeiten, ist es sinnvoll, wenn Sie sich ihrem Kind gegenüber setzen. So kann es den Bewegungsablauf spiegelbildlich imitieren.
  •  Ihr Kind benötigt beim Schneiden- oder Schreibenlernen ganz besonders Ihre Hilfe, um eine gute und lockere Haltung zu erlernen. Dazu benötigt es auch spezielle Linkshänder-Utensilien.
  • Bringen Sie Ihrem Kind die Bezeichnungen rechts und links nicht gleichzeitig bei. Es kann die Seiten besser auseinanderhalten, wenn ein zeitlicher Abstand eingehalten wird (dies gilt auch für rechtshändige Kinder).
  • In der Schule benötigt das Kind einen Platz an der linken Tischseite, möglichst mit Lichteinfall von rechts oder von vorn.
  • Linkshändige Kinder stehen rechtshändigen Altersgenossen in Sachen Intelligenz, Kreativität und Geschicklichkeit in nichts nach!
  • Computer-Mäuse können am PC umprogrammiert werden, doch sie sollten symmetrisch geformt sein.
  • Streich-, Tasten- und Harmonikainstrumente sind für Rechtshänder ausgelegt. Schlag- oder Blasinstrumente eignen sich jedoch gut. Im Fachhandel sind auch spezielle Linkshänder-Instrumente erhältlich, doch lassen Sie sich vorher ausführlich beraten.

Nützliche Linkshänder-Utensilien

Spezielle Linkshänder-Utensilien, wie beispielsweise Scheren und Füller, sind nur begrenzt erhältlich und teurer. Doch viele davon stellen für das Kind eine große Erleichterung dar:

  • Scheren – unverzichtbar für linkshändige Kinder
  • Füller – dringend benötigt für richtiges Schreibenlernen
  • Spitzer, Lineal, Spiralblock etc. – sinnvoll im Schulalltag
  • Mal- und Schreibunterlage – zum Erlernen der korrekten Stifthaltung
  • Mal- und Schreibblöcke – auch sie helfen die richtige Haltung zu trainieren
  • Dreieckige Stifte und Kreiden – einfacher zu halten
  • Messer, Kartoffelschäler – damit gelingt auch die Küchenarbeit
  • Produkte, die für beidhändige Benutzung angeboten werden, eignen sich meist nicht für Linkshänder!