Wie Kinder Malen lernen: Schritt für Schritt

Wie Kinder malen lernen

Was für eine verrückte Ideen, bei Babys schon vom Malen zu sprechen, oder? Zumindest beim Neugeborenen mag man so weit noch gar nicht denken.
Doch wenn sich der erste Geburtstag nähert, wird dein Kind schon einen Stift in der Faust halten können. Und nun?

Kind malt mit Buntstiften
©Unsplash/Aaron Burden

Die Entwicklung auf einen Blick:

Gegen Ende des 1. bzw. Beginn des 2. Lebensjahres:
Einen Stift halten, kritzeln

Mit ca. 3 Jahren:
Vertikale Linien und Kreise, Kopffüsser, Stift in Schreibhaltung anfassen

Ab ca. 4 Jahren:
Zunehmend mehr Details in Bildern, Himmel und Erde als vertikale Bezugspunkte, Rechtecke – alles ohne Perfektion

Mit ca. 5 Jahren:
Erste Buchstaben schreiben, evtl. spiegelverkehrt; evtl. erkennbare Linkshändigkeit

Ab 6 Jahren:
Fähigkeiten werden perfekioniert, das Schreiben wird erlernt, Bilder werden detaillierter

Spiele-Lunchbox basteln

Die ersten Kritzeleien lassen zweifellos viel Raum für Interpretationen und Eltern stolpern oft von einem Fettnäpfchen in das nächste, wenn sie versuchen die Sonne zu loben, die doch wohl klar Nachbars Katze ist – oder so ähnlich. Auch ist nicht immer ganz klar, ob das Kind das Motiv vor, während oder nach dem Zeichnen festgelegt hat. Ja, die ersten Jahre mit dem Stift werden vermutlich noch nicht besonders nach Buchstaben oder Kunstwerken aussehen, aber seine Kritzeleien, Muster und Bilder helfen ihm, den Zusammenhang zwischen Handbewegung und Augenbewegung zu trainieren und ebnen somit den Weg zum Schreiben und künstlerischen Malen.

Warum ist es gut, früh damit anzufangen?

Dein Kind wird die Hand-Augen-Koordination über Jahre üben müssen, damit es später gut schreiben und malen kann. Selbst mit 6 Jahren fällt es vielen Kindern noch schwer, Schwungübungen innerhalb der Linien auszuführen und oft braucht es das erste Schuljahr, um beim Schreiben auf der Grundlinie zu bleiben.

Schreiben ist kein natürlicher Vorgang. Es werden dabei verschiedene Gehirn-Regionen benötigt, die idealerweise gut zusammenarbeiten sollten. Mit einem dicken Wachsmaler als Werkzeug beginnt Dein Baby also eine Vernetzung zwischen verschiendenen Hirnarealen zu erstellen.

Wann beginnen Kinder mit dem Malen?

Die meisten Kinder sind mit etwa 12 oder 13 Monaten in der Lage, einen Stift mit der Faust zu halten und diesen auf einem Stück Papier hin und her zuschieben. Von da an ungefähr bis zum fünften Geburtstag wird sich die Fähigkeit zu Malen und zu Schreiben stufenweise verbessern. Schließlich ist das Kind in der Lage, ein paar Buchstaben auf Papier zu bringen und evtl. auch zu buchstabieren.

Wie es sich entwickelt

In den letzten Monaten seines ersten Lebensjahres wird Dein Kind seine feinmotorischen Fähigkeiten so weit ausgebaut haben, dass es in der Lage ist, einen Stift (z.B. Wachsmalstift) in der Hand zu halten. Mit 12 oder 13 Monaten sind einige Babys bereits in der Lage, auf Papier zu kritzeln. Wenn Dein Kind ein bisschen länger brauchen sollte, ist das auch in Ordnung. Die meisten Kinder sind mit 16 Monaten fähig, zu kritzeln – kein Zweifel: galeriereife Meisterstücke hängen am Kühlschrank!

Danach wird Dein Kind sich größeren und besseren Malprojekten zuwenden, einschließlich Farbmalereien (künstlerisches Spiel) mit etwa 2,5 Jahren. Etwa um den dritten Geburtstag herum, wird es eine vertikale Linie und einen Kreis mit freier Hand zeichnen können.

Mit drei Jahren kann Dein Kind einen Stift in auch „Schreibposition“ halten. Manche Kinder können vielleicht ein paar Buchstaben produzieren oder etwas krakeln, das sehr viel Ähnlichkeit mit Buchstaben hat. Viele Kinder schaffen es sogar, ihren Namen zu schreiben bevor sie eingeschult werden, besonders wenn es zuvor schon das Alphabet gelernt hat. Manche Kinder können dies jedoch noch nicht, und das ist ebenfalls absolut normal und OK.

Fühle Dich nicht unter Druck gesetzt, Deinem Kind das Schreiben vor der Einschulung beizubringen, wenn es dafür kein Interesse zeigt und diese Fähigkeit von der Schule nicht vorausgesetzt wird. Warte ab, bis es wirklich interessiert und gespannt darauf ist! Du kannst sein Interesse allerdings fördern, indem Du ihm zeigst, wie Du schreibst, z.B. wenn Du die Einkaufsliste zusammenstellst, Formulare ausfüllst, Briefumschläge adressierst. Du kannst ihm auch einen Buchstaben zeigen – möglichst einen mit gutem Wiedererkennungswert und wenig Verwechselungsmöglichkeit wie „E“ und es im Alltag immer wieder darauf aufmerksam machen: „Schau mal da auf dem Schild ist eine E!“ Es wird dann vielleicht selbst mal ein E schreiben wollen.

Wie geht es weiter ?

Während Vorschulkinder ihre Erfahrungen im Umgang mit dem Stift ausweiten, beginnen sie auch detaillierter und akkurater zu malen. Zwischen seinem zweiten und fünften Geburtstag wird Dein Kind horizontale Linien, Kreise und Rechtecke (wenn auch alles etwas krumm) und das Zeichnen von Menschen lernen. Wenn es dann erst einmal zur Schule geht, wird es bald schreiben können.

So kannst Du fördern

Wie bei allen neuen Fähigkeiten Deines Kindes, ist es auch hier Deine Aufgabe, zu fördern, Mut zu machen und Rat zu geben.  Beginnend mit dem ersten Geburtstag solltest Du sicher stellen, dass Wachsmalstift und Papier vorhanden sind, wenn Dein Kind Interesse am Kritzeln zeigt. Filzstifte und Buntstifte sind übrigens noch zu hart und spitz und daher nicht geeignet. Lass es so oft üben wie es mag, aber sorge für Unterbrechung, wenn es dabei gelegentlich frustriert ist.

Aufgepasst vor Wandmalereien: Malen sollte in den ersten Lebensjahren besser unter Aufsicht erfolgen, Wachsmaler lassen sich nicht so leicht überstreichen! Bringe Deinem Kind bei, sein künstlerisches Bestreben auf das Papier vor ihm zu begrenzen, wenngleich es Wände, Fußböden oder Möbel als Malfläche unwiderstehlich findet. Bereite Dich auch darauf vor, nach den Malaktivitäten sauber machen zu müssen und investiere daher in auswaschbare Stifte, eine gute Malunterlage und evtl. eine Unterlage für den Platz unter dem Maltisch.

Versuche Dein Kind davon abzuhalten, die Stifte zu essen, auch wenn etwas Wachs vom Stift meist ungiftig ist. Wenn es soweit ist, dass Dein Kind erste Buchstaben schreiben lernt, solltest Du Dich nicht einmischen, sondern das Kind dabei seinen eigenen Weg gehen lassen, auch wenn die Buchstaben spiegelverkehrt sind. Kinder, die im Vorschulalter gezwungen wurden, Lesen und Schreiben zu lernen, bevor sie daran interessiert waren, scheinen oft einen Vorteil gegenüber ihren Klassenkameraden zu haben. Studien haben jedoch gezeigt, dass sie diesen Vorteil später verlieren, wenn sie älter werden und erkennen, dass sie diese Technik des „sich Merkens“ nicht beim komplexeren Lernen anwenden können.

Achte einfach darauf, dass Du viel mit Deinem Kind sprichst und häufig vorliest – so oft wie möglich! Je mehr Sprache es hört, desto mehr wächst und entwickelt sich sein Gehirn. Dies fördert langfristig seine kommunikativen Fähigkeiten, einschließlich dem Schreiben.

Babys Kunstschätze retten

Die kleinen Stücke Papier mit erstem Gekritzel und Gekrakel sind eine schöne Erinnerung. Bewahre sie auf, oder besser noch: Verwandle sie in dekorative Kunstwerke! Kopiere das Werk Deines Kindes (evtl. vergrößert) und male es bunt an bzw. aus. Rahme es ein oder lass es auf Leinwand oder Kleidungsstücke transferieren. Du kannst die Zeichnungen auch einscannen und auf Stoff-Transferpapier drucken. Bügle dann das Bild auf einen passenden Stoff und nähe daraus ein Kopf- oder Sofakissen. Dies sind auch tolle Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag für Verwandte.

Dein Kind malt nicht?

Kinder entwickeln ihre Fähigkeiten unterschiedlich – einige schneller als andere. Wenn Dein Kind mit 15 oder 16 Monaten nicht angefangen hat zu kritzeln, obwohl Du es immer wieder angeboten hast, dann hat es vielleicht einfach andere Interessen. Du kannst dies beim nächsten Arztbesuch aber erwähnen.

Hast Du das Gefühl dass Dein Kind ein Linkshänder sein könnte? Lies mehr über Linkshändigkeit. Denke auch daran, dass Kinder, die zu früh geboren wurden diese und andere Meilensteine der Entwicklung möglicherweise später erreichen als ihre gleichaltrigen Gefährten.

Erfahre mehr über die feinmotorische Entwicklung von Babys und Kleinkindern und wann Kinder wichtige Meilensteine erreichen: Interaktiver Entwicklungskalender