Persönlichkeitsentwicklung: Wie entwickeln Kinder ihre Persönlichkeit

Persönlichkeitsentwicklung

Alle Kinder kommen als Persönlichkeit zur Welt und es stellt sich schon bald heraus, welches Temperament es hat:  Was bringt es zum Lachen, was zum Weinen? Wie gut kann es mit Veränderungen umgehen und gibt es schnell auf, wenn es frustriert ist oder beißt es sich durch alle Schwierigkeiten und Rückschläge durch? Wie wird sich das Baby weiterentwickeln und zu einer stabilen, starken Persönlichkeit? Die Persönlichkeit eines Kindes ist eine Kombination aus drei Wesenszügen in jeweils anderem Mischungsverhältnis: Gefühlsintensität, Bewegungsintensität und Kontaktintensität

©Unsplash/Michal Parzuchowski

Auf einen Blick

Baby: Wie gut kann das Baby sich allein beruhigen, wie zufrieden oder unruhig ist es? Es zeigt dies zunächst als Temperament.

Etwa 2 Jahre: Es gibt neben den individuellen Persönlichkeitsmerkmalen auch Phasen, die vorüber gehen.

Kleinkind: Ab einem Alter von etwas 4 Jahren zeigt sich die Persönlichkeit zunehmend deutlich.

Jugendliche: Die wesentlichen Züge der Persönlichkeit sind zu diesem Zeitpunkt gefestigt.

Das Temperament eines Kindes ist eine Kombination aus drei Wesenszügen in jeweils anderem Mischungsverhältnis:

  • Gefühlsintensität
  • Bewegungsintensität
  • Kontaktintensität

Das Temperament lässt einen erahnen, in welche Richtung sich die Persönlichkeit des Babys entwickeln wird – jedoch ist Temperament nicht das Gleiche wie Persönlichkeit.

Die Persönlichkeit wird meist in 5 Wesenszüge unterteilt:

  • Offenheit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Extrovertiertheit
  • Verträglichkeit
  • Neurotizismus

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Was ist Persönlichkeit

Die Persönlichkeitsforschung ist vermutlich eine der interessantesten überhaupt, denn sie geht der Frage nach „Was macht uns zu uns?“ Was in unserer Persönlichkeit ist angeboren, was ist anerzogen und wieviel Einfluss nehmen Erziehung und Umfeld? Warum sind Geschwister trotz gleicher Umgebung so verschieden, selbst eineiige Zwillinge haben unterschiedliche Persönlichkeiten und entwickeln sich individuell. Eindeutige Antworten gibt es bisher nicht, jedoch setzt die Wissenschaft nach und nach die Puzzelteile zusammen und es gibt aus der Psychologie verschiedene Erkenntnisse.

Man unterscheide zunächst zwischen Temperament und Persönlichkeit:

Die 3 Temperament-Eigenschaften

  1. Gefühlsintensität: Die Tendenz schnell und heftig aufgeregt und betrübt zu werden. Solche Kinder sind dann oft schwer wieder zu beruhigen.
  2. Bewegungsintensität: Das Verhalten ist überwiegend mit Bewegung, Sprechgeschwindigkeit usw. verknüpft. Das Kind verwendet sehr große Energie bei allen Tätigkeiten und jedem ruhelosen Zustand.
  3. Kontaktintensität: Die Neigung, sich über die Erfahrung und den Lohn sozialer Kontakte besonders zu freuen. Solche Kinder sind gern mit anderen zusammen und betätigen sich lieber gemeinsam. Sie nehmen an anderen Anteil und erwarten auch Anteilnahme von anderen.

Die 5 Persönlichkeits-Eigenschaften

  1. Offenheit / Weltoffenheit
    Hier geht es darum, wie offen jemand für Erfahrungen ist. Ein Kind das sehr offen ist, wird Interesse an allem Neuen zeigen, sich neugierig in jedes Abenteuer stürzen und berweitwillig Neues ausprobieren.
    Kinder die wenig offen sind, halten stark an ihren Gewohnheiten fest, vermeiden Veränderungen und jedes Abenteuer. Nicht jede Persönlichkeits-Eigenschaft kann sich noch ändern, jedoch wie offen oder wenig offen jemand ist, kann sich im Erwachsenanalter noch wandeln.
  2. Gewissenhaftigkeit
    Gewissenhafte Menschen sind sehr organisiert und pflichtbewusst. Sie sind verlässlich, diszipliniert und zielstrebig. Schon bei Kindern kann man solches Verhalten finden.
  3. Extrovertiertheit
    Diese Eigenschaft zeigt sich meist besonders deutlich: Kinder die extrovertiert sind, reden viel, suchen schnell nach sozialen Kontakten, stehen vielleicht auch oft im Mittelpunkt und unterhalten ganze Gesellschaften.
    Im Gegenzug dazu steht das introvertierte Kind, das eine lange Aufwärmphase braucht bevor es mit jemanden srpricht. Man vermutet, dass bei diesen Kindern die soziale Interaktion im Gehirn anders verarbeitet wird. Introvertiertheit sollte nicht mit Schüchternheit verwechselt werden. Bei Schüchternheit handelt es sich um Furch vor oder geringe Fähigkeit zur Interaktion. Introvertierte Kinder hingegen können durchaus charmant und unterhaltsam sein – z.B. im kleineren Kreis.
  4. Verträglichkeit
    Verträgliche Menschen sind warmherzig, hilfsbereit, mitfühlend und vertrauensvoll. Menschen mit weniger Vertäglichkeit sind eher kühl, misstrauisch und nicht so schnell zur Kooperation bereit.
  5. Neurotizismus
    Hierbei geht es darum, wie neurotisch jemand ist. Stark neurotische Persönllichkeiten machen sich viele Sorgen und finden auch unter besten Umständen noch ein Problem. Bei Kindern steht dann oft die „Was ist wenn“-Frage im Raum. Im Erwachsenenalter neigen diese Persönlichkeiten mehr zu Depressionen.
    Wenig neurotische Menschen gelten als emotional sehr stabil und gut geerdet.

Wann und wie erkennt man erste Persönlichkeits-Merkmale?

Schon in den ersten Tagen nach der Geburt kann man sehen, ob ein Kind eine Temperaments-Neigung in die eine oder andere Richtung hat:

Babys mitheftigen Gefühlsregungen weinen viel und sind nicht leicht zu beruhigen

Überaktive Babys
sind unruhig und schlafen wenig

Kontaktfreudige Babys
zeigen vom ersten Tag an ihre Zuneigung, lassen sich in den Arm nehmen und leicht wieder beruhigen.

Zeigt Dein Kind überwiegend einen dieser drei Charakterzüge, liegt es bei Dir, Dich dem anzupassen, zugleich aber auch Dein heranwachsendes Kind anzuregen, sich ebenfalls in Richtung der anderen beiden Wesenszüge zu entwickeln.

Entwicklungsstufen der Persönllichkeit

Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder zu einer ausgeglichenen, starken Persönlichkeit heranwachsen. Dabei hilft es die verschiedenen Entwicklungsphasen, die das Kind durchläuft, besser zu verstehen:

1. Jahr

Dein Kind ist damit beschäftigt, herauszufinden, ob es der Welt trauen kann oder nicht. Wenn das Baby in dieser Zeit lernt, der Bezugsperson zu vertrauen, so ist dies das ideale Ergebnis.

Dein Kind sollte auch lernen, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen.

2. Jahr

Die Persönlichkeit des Kindes entwickelt sich sehr rasch, wenn es seine Willenskraft kennenlernt und die Möglichkeit erkennt, andere mit dem eigenen, stärkeren Willen zu beherrschen. Dies wird ausgeglichen durch erste Gefühle von Scham und Selbstzweifel.

So vermittelt das Erlernen körperlicher Fertigkeiten wie z.B. Laufen eine neue Erfahrung von Freiheit und Unabhängigkeit.
Über die Schließmuskelbeherrschung erfährt es die Fähigkeit zu kontrollieren, doch es erlebt auch Schamgefühl, wenn ein „Unglück“ geschieht und dem Kind dafür die Schuld gegeben wird. Es ist wichtig das Eltern das Schamgefühl des Kindes nicht für erzieherische Zwecke missbrauchen.

3. Jahr

Das Kind lernt den Zwiespalt zwischen Initiative und Schamgefühl kennen. Es hat gelernt, Handlungen auf ein Ziel hin zu organisieren und geht dabei entschlossener und aggressiver vor, besonders wenn es ein Junge ist. Es gerät auch in Konflikt mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, was zu Schuldgefühlen führen kann. Am Ende dieser Phase konzentrieren sich Kinder auf Tatendrang, müssen jedoch mit Unterlegenheitsgefühlen zurechtkommen.

Vorschuljahre

Das Kind ist beschämt wenn es Regeln überschreitet – selbst wenn es nicht erwischt wird. Dieses Gefühl von Scham sollte nicht von Erwachsenen verstärkt und zur Erziehung genutzt werden, andernfalls lernt das Kind, dass es selbst und seine Bedürfnisse schlecht sind.

Grundschuljahre

Das Kind möchte an der Erwachsenenwelt teilnehmen und nicht mehr nur „so tun als ob“. Es möchte helfen, lernen sich sinnvoll zu beschäftigen und etwas leisten. Es möchte Kompetenz erlangen. Zugleich muss dies mit den Fähigkeiten des Kindes einhergehen denn wenn es durch Überschätzung (z.B. durch Umfeld oder sich selbst) seine Ziele nicht erreicht, kann dies zum Gefühl der Minderwertigkeit führen. Solche Minderwertigkeitsgefühle könnten dann dadurch überkompensiert werden, dass das Kind versucht, übereifrig über Leistung und Pflichtversessenheit Anerkennung zu erhalten oder aber Arbeit und Leistung verweigert weil es Angst vor dem Scheitern hat.

Starke Persönlichkeiten

… können besser mit Stress umgehen

… kommen besser mit ihrem Umfeld zurecht

… finden sich in jeder ungewohnten Situation leichter zurecht

… gehen positiv auf neue Situationen zu

… können leichter mit anderen interagieren

Wie man die Persönlichkeits-Entwicklung fördert

Dein Kind wird auch ohne Dein Zutun auf die eine oder andere Art seine Persönlichkeit entwickeln. Jedoch wird Dein Kind nur dann ein glückliches und zufriedenes Leben führen können, wenn es lernt eine gute Balance zu halten zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und Handlungen bzw. Wünschen die seinen eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Um das etwas klarer zu formulieren: Wenn Dein Kind Persönlichkeitsmerkmale  zeigt, die es dauerhaft in Konflikte mit seinem Umfeld führen würden, dann sollten Eltern Einfluss nehmen.

Eltern sollten im Verlauf der Erziehung:

  • eine Lebensbejahende Einstellung (Offenheit, Optimismus und Bindungsfähigkeit) vermitteln
  • Bereitschaft zum Selbsterhalt durch eigene Anstrengung fördern (Arbeitswilligkeit, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Sorgfalt)
  • Wirklichkeitssinn vermitteln (ältere Kinder): Sachlichkeit, Wissen, Selbstreflexion
  • Selbstdisziplin vermitteln in Bezug auf Rücksichtnahme, Selbstbeherrschung, seelische Belastbarkeit
  • ihren Kindern helfen Schwächen zu überwinden oder auf eine gute Weise mit ihren Schwächen umzugehen.
  • ihre Kinder nicht zu etwas zwingen das sie ablehnen.
  • ihren Kindern Zeit geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Erwartungen an das jeweilige Alter anpassen.
  • ein gutes Beispiel sein: z.B. freundlich, hilfsbereit handeln und eine positive / optimistische Einstellung vorleben
  • das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ihrer Kinder fördern
  • eine gute Ausdrucksweise und Kommunikationsfähigkeit fördern
  • ihrem Kind helfen ein Hobby zu haben oder Fähigkeiten und Talente auszubauen
  • Taktgefühl, Gewissen, Rechtsempfinden und Sinn für Gutes und Schönes vermitteln

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Quellen:

Kindergartenpädagogik,Martin R. Textor, „Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen als Herausforderung an Familie und Schulewww.kindergartenpaedagogik.de/25.html, 26.02.2015

Wikipedia, „Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung“, http://goo.gl/JWEkuf , 26.02.2015

Child Development Institute, „Temperament and Your Child’s Personality„, http://childdevelopmentinfo.com/child-development/temperament_and_your_child/

CliffsNotes, „Personality Development: Age 2–6″, http://goo.gl/nByHjQ