Risiko: Radiusköpfchen-Subluxation. Wie gefährlich ist "Engelchen flieg"?

Wie gefährlich ist „Engelchen flieg“ wirklich?

Kinderärzte wissen, das beliebte Kinderspiel „Engelchen flieg“ kann unter Umständen gefährlich werden. Kinder können sich den Ellenbogen ausrenken. Wir erklären, wie das passieren kann.

Mädchen dreht sich schnell im Kreis
Kinderellenbogen sind noch fragil ©nata_zhekova via Bigstock

„Engelchen flieg“ ist ein schönes Kinderspiel, das wir gerne mit unseren Kleinen spielen. Doch angeblich ist es gar nicht so harmlos, wie bisher angenommen – vor allem für Kleinkinder. Sie können sich bei dem Spiel den Ellenbogen ausrenken. Ärzte sprechen dann von einer sogenannten Radiusköpfchen-Subluxation. Und die ist für Kinder wirklich sehr schmerzhaft.

Bei Kleinkindern sind die Bänder und Sehnen noch nicht vollständig entwickelt. Sie sind viel weicher als bei größeren Kindern, geben leicht nach und können sich dadurch weit dehnen. Das dient eigentlich dazu, dem natürlichen Knochenwachstum genug Spiel zu lassen. Durch die instabilen Bänder wird das Ellenbogen-Gelenk bei starkem Zug am Arm weit auseinander gezogen. Umliegendes Gewebe (das sogenannte Ringband des Radiusköpfchens und ein Teil der Speiche) kann in den Gelenkspalt rutschen und dort eingeklemmt werden. Das ist äußerst schmerzhaft.

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Radiusköpfchen-Subluxation: Alarmsignale

Dein Kind wird bei einer Radiusköpfchen-Subluxation seinen Arm sofort in eine Schonhaltung nehmen: Der Unterarm ist dabei leicht angewinkelt und gegen den Bauch gedrückt. Weil jede Bewegung schmerzt, benutzen Kinder den betroffenen Arm kaum noch. Diese Haltung wird von Medizinern deshalb auch Chassaignac-Lähmung genannt. Für dich sind das deutliche Alarmsignale! Es besteht zwar kein Grund zur Panik, aber du solltest trotzdem umgehend handeln und zum Arzt gehen. Wird eine Radiusköpfchen-Subluxation nicht sofort behandelt, kann es zu dauerhaften Haltungsschäden kommen.

Der Arzt wird den Ellenbogen wieder einrenken. Und das ist leider genauso schmerzhaft, wie es klingt. Dafür muss der Arzt noch einmal stark am Arm ziehen. Gleichzeitig wird er gedreht. Durch diese Bewegung, dem sogenannten Repositionsmanöver, löst sich das eingeklemmte Gewebe wieder. Das Einrenken geht sehr schnell. Und danach ist dein Kind sofort Beschwerdefrei. Auch eine weitere Behandlung ist in der Regel nicht notwendig.

Die Warnung beim „Engelchen flieg“ aufzupassen, sollten Eltern ernst nehmen. Das Spiel sollte auf keinen Fall zu wild sein und es ist besser das Kind unter den Achseln zu fassen, als am ausgestreckten Arm. Zumindest bis zum vierten Geburtstag. Danach werden die Bänder stabiler und das Ellenbogen-Gelenk lässt sich nicht mehr so weit auseinanderziehen. Bis zum Mond müssen die kleinen Engelchen deswegen trotzdem nicht gleich fliegen.